
Kein Grund zu schmollen, Kevin Kuranyi
Hansa Rostock, der Hamburger SV und Borussia Dortmund mussten dran glauben. So wollte der VfL Osnabrück auch gegen Schalke 04 für eine erneute Sensation sorgen. Doch die Königsblauen setzten sich durch, weil Kevin Kuranyi eiskalt seinen Torriecher bewies. sportal.de sah zwar keinen Zwei-Klassen-Unterschied, doch einen verdienten Schalker Sieg.
Osnabrück ohne Pokalheld Angelo Barletta
Diese Saison wird den Osnabrücker Fans lange in Erinnerung bleiben. Irgendwo zwischen Pokaleuphorie und Wettskandal wird man sie einsortieren - die beiden Dinge, die in dieser Spielzeit die Berichterstattung über den VfL prägten. Nach den Bundesligisten Hamburger SV und Borussia Dortmund wollten die Niedersachsen ihren Erfolgsritt durch den DFB-Pokal fortsetzen und ins Halbfinale einziehen.
Doch der Gegner war am heutigen Abend kein geringerer als der aktuelle Bundesliga-Dritte FC Schalke 04. Die Gelsenkirchener blieben zuletzt sieben Spiele ohne Niederlage. Trotzdem warnte Felix Magath vor dem Drittligisten: "Im Stadion herrscht Theater, da ist Leben drin. Die Stimmung treibt die Gastgebermannschaft natürlich an. Deshalb müssen wir vom Anpfiff an hellwach sein und unsere Chancen nutzen."
Kein Wunder, dass der Respekt bei Magath groß war. Schließlich gewannen die Osnabrücker von den letzten 15 Partien an der Bremer Brücke 14. In der mit 16.130 Zuschauern ausverkauften osnatel ARENA erwartete die Schalker ein Hexenkessel. Mehr als 50.000 Tickets hätte der VfL absetzen können. Damit das Spiel überhaupt stattfinden konnte, packten zahlreiche Freiwillige und Mitarbeiter des Vereins und der Stadt Osnabrück mit an und halfen bei der Beseitigung von Eis und Schnee auf den Rängen, vor den Eingängen und auf den Zuwegen.
Felix Magath stellte sein Team im Vergleich zum 0:0 beim SC Freiburg auf einer Position um: Für Christoph Moritz rutschte Jefferson Farfán wieder in die erste Elf, und aus dem 4-4-2 wurde dadurch ein 4-3-3. VfL-Coach Karsten Baumann brachte mit Alexander Krük und Konstantin Engel zwei Neue. Beim 0:0 in Ingolstadt spielten für sie noch Jan Tauer und Aleksandar Kotuljac. Damit setzte der Trainer auf eine defensivere Variante mit nur einer Sturmspitze. Noch nicht einsatzbereit war der Held der Vorrunde, Angelo Barletta. Dem Italiener, der zweimal gegen Borussia Dortmund traf, fehlte nach dreiwöchiger Verletzungspause noch die Kraft.
Schalke mit den besseren Chancen, VfL versteckt sich nicht
Schon nach 90 Sekunden hatten die Schalker die erste gute Möglichkeit des Spiels: Vicente Sánchez tankte sich auf dem linken Flügel durch und passte in die Mitte, wo sich Kevin Kuranyi und Jefferson Farfán jedoch selbst etwas im Wege standen. Schließlich war es der Peruaner, der den Ball über die Latte jagte. Bei einem Distanzschuss von Alexander Baumjohann in der vierten Minute zeigte Osnabrücks Torhüter Tino Berbig leichte Probleme, das Leder auf dem seifigen Boden zu parieren. Den direkten Freistoß von Lukas Schmitz parierte Berbig dann schon deutlich souveräner (8.).
Nach zehn Minuten wagte sich dann auch der VfL zum ersten Mal nach vorn. Björn Lindemann spielte den Ball flach von links nach innen, wo Henrich Bencik nur knapp am Leder vorbeirutschte. Doch drei Minuten später war es Kevin Kuranyi, der die Gäste in Führung hätte bringen können. Technisch einwandfrei nahm er eine Flanke Rafinhas aus dem rechten Halbfeld im Strafraum mit dem Rücken zum Tor an und drehte seinen Schuss dann um Gegenspieler Tobias Nickenig herum. Haarscharf zischte das Leder am rechten Pfosten vorbei.
Die Schalker hatten in dieser Phase des Spiels eindeutig die besseren Chancen. In der 19. Minute tanzte Farfán auf der linken Seite Konstantin Engel aus und flankte butterweich in die Mitte, wo Vicente Sánchez den Ball mit dem Kopf knapp am langen Pfosten vorbeisetzte. Fünf Minuten später drehte Osnabrücks Björn Lindemann einen Freistoß von der rechten Außenbahn in Robben-Manier direkt auf das Tor, doch das Leder landete nur auf dem Tornetz.
Keine Tore zur Halbzeit
Felix Magath war trotz der Feldüberlegenheit offenbar unzufrieden mit dem Auftreten seiner Mannschaft. Zu viele Ungenauigkeiten schlichen sich in die Offensivbemühungen der Knappen. So schickte der Trainer nach 30 Minuten einfach mal die komplette Reservebank zum Warmmachen an den Spielfeldrand. Der VfL machte die Räume dicht und stand tief und kompakt in der eigenen Hälfte. Erst in der 38. Minute sahen die Zuschauer so etwas wie die nächste Torgelegenheit - für den VfL. Nach einem Querpass von Bencik schoss erneut Lindemann aber weit über das von Manuel Neuer gehütete Tor. Die VfL-Fans versuchten derweil, den Torjäger der Königsblauen zu provozieren und sangen: "Ohne Kevin fahren wir zur WM!"
Der auffällige Vicente Sánchez nahm sich nach 43 Minuten mal wieder ein Herz und probierte es mit einem Schuss aus ca. 20 Metern, doch der kantige Innenverteidiger Tobias Nickenig bekam noch seinen Körper dazwischen und blockte ab. Auf der Gegenseite verlor im Anschluss Alexander Baumjohann den Ball. Über Engel kam der Ball zu Björn Lindemann, der zu viel Platz hatte und von der Strafraumgrenze den Torabschluss suchte. Nur knapp strich der Schuss des Ex-Paderborners über die Latte. So blieb es in einer umkämpften Partie mit einigen fußballerischen Unzulänglichkeiten bei einem torlosen Remis zur Halbzeit.
Kuranyi bestraft Osnabrücker Fans
Mit Beginn der zweiten Halbzeit brachte Felix Magath Christoph Moritz für Alexander Baumjohann, der zwar in einigen Szenen seine Kreativität andeutete, insgesamt aber recht blass blieb. Henrich Bencik sah in der 52. Minute die erste Gelbe Karte der Partie, weil er Ivan Rakitic auf Höhe der Mittellinie zu Boden drückte. Ansonsten tat sich in den ersten zehn Minuten des zweiten Durchgangs herzlich wenig. Bis zur 59. Minute. In dieser bewies Kevin Kuranyi einmal mehr seine Torjägerqualitäten. Rakitic spielte auf dem linken Flügel Vicente Sánchez frei. Der Uruguayer flankte präzise von der linken Seite in den Rückraum. Oliver Stang unterlief den Ball und Kuranyi zog mit rechts aus 13 Metern ab. Engel fälschte das Leder noch leicht ab, das anschließend seinen Weg ins lange Eck fand.
Karsten Baumann reagierte und brachte in der 62. Minute mit Aleksandar Kotuljac für Ricky Pinheiro einen zweiten Angreifer. Die Härte nahm in dieser Phase ein wenig zu. Zunächst sah Benjamin Siegert die Gelbe Karte, kurz darauf erwischte es den Schalker Christoph Moritz. Dieser stand in der 67. Minute im Mittelpunkt des Geschehens, als er vor dem eigenen Sechzehner den Ball vertändelte und damit dem eingewechselten Kotuljac die erste Torgelegenheit ermöglichte. Doch der ehemalige Fürther zog vom linken Strafraumeck knapp am langen Pfosten vorbei. Drei Minuten später fiel Kotuljac noch einmal positiv auf, als er Manuel Neuer mit seinem Distanzschuss einige Mühe bereitete.
Königsblau vergibt die Vorentscheidung
Nachdem sich auch Engel und Nickenig in die Reihe der verwarnten Spieler einreihten, brachte Baumann mit Dennis Schmidt in der 73. Minute einen weiteren Offensiven. Alexander Krük verließ für ihn das Feld. Kurz darauf köpfte Farfán in Rücklage neben das Osnabrücker Tor. Dennis Schmidt tat es ihm in der 80. Minute gleich. Sein Köpfer nach einer Ecke von der rechten Seite flog über Neuers Kasten hinweg. Zwei Minuten später unterlief Stang Manuel Neuer nach einem Freistoß von Lindemann. Der Schalker Schlussmann ließ sich bei der Ausführung des anschließenden Freistoßes soviel Zeit, dass Schiedsrichter Gräfe ihm die Gelbe Karte zeigte.
Fünf Minuten vor dem Ende hätte sich Sánchez fast für seine engagierte Partie belohnt, doch Tino Berbig konnte den Schuss des Uruguayers aus 18 Metern mit einer guten Parade abwehren. Die Vorentscheidung wurde vertagt, und Sánchez ging kurz vor dem Ende vom Platz, um dem Chinesen Hao Jumin dessen Debüt zu ermöglichen. Thomas Reichenberger war da schon auf dem Platz, um doch noch den Ausgleich zu erzwingen. Doch die Großchance hatte erneut der FC Schalke. Kuranyi tauchte in der Schlussminute frei vor Tino Berbig auf, doch der Osnabrücker Torhüter blieb erneut Sieger.
So brachte letztendlich auch die mehr als vier Minuten andauernde Nachspielzeit dem VfL keine weitere Gelegenheit. Die Schalker siegten letztendlich verdient, doch der Drittligist hielt sich wacker. Ein Zwei-Klassen-Unterschied war nicht auszumachen. Die Gelsenkirchener zogen als dritter Bundesligist ins Halbfinale ein und komplettierten das Feld von Werder Bremen, dem FC Bayern München und dem FC Augsburg.
Bei der anschließenden Auslosung des Halbfinales zogen die Knappen das große Los. Es geht daheim gegen den FC Bayern München. Ausgetragen wird dieses Spiel entweder am 23. oder am 24. März.
Christian Lammé