
Da war die Welt noch in Ordnung: Gaydamak und Redknapp mit dem FA Cup
Am Mittwoch der vergangenen Woche verkündete Martin Kind in seiner Eigenschaft als Präsident von Hannover 96 Klage gegen die DFL vor dem Ständigen Schiedsgericht nach Paragraph 13 der Satzung des Ligaverbandes zu erheben. Kind will unbedingt die 50+1-Regel abgeschafft sehen, die Investoren verbietet die Mehrheit an einem Bundesligaclub zu übernehmen.
Vier Eigentümer in einer Saison
Nur einen Tag später wurde ein Fall in England bekannt, der verdeutlicht, wovor sich die Fans in Deutschland fürchten, falls Kind Erfolg haben sollte. Der FC Portsmouth stellte einen neuen Rekord auf. Der von Krisen geschüttelte Club präsentierte seinen vierten Besitzer innerhalb einer Spielzeit und vieles spricht dafür, dass in Kürze Nummer Fünf folgen wird.
Die Mitarbeiter des Traditionsclubs aus dem Süden Englands haben in der Tat Anteilnahme verdient. Sie leiden nicht nur unter verspäteten Gehaltszahlungen. Kaum haben sie sich mit einem neuen Eigentümer ihres Arbeitgebers arrangiert, folgt der nächste. Die Namen der Herren Alexandre Gaydamak, Suleiman Al-Fahim, Ali Al-Faraj und Balram Chainrai sind ihnen mittlerweile geläufig. Das klingt kompliziert? Deshalb klärt sportal.de der Reihe nach auf.
Sportlicher Erfolg
2006 übernahm der französische Geschäftsmann Alexandre Gaydamak den zweifachen englischen Meister und investierte viel Geld in neue Spieler. Der sportliche Erfolg ließ mit Manager Harry Redknapp nicht lange auf sich warten. Schon 2008 feierte der Club zum zweiten Mal den Gewinn des FA Cups, durfte damit erstmals auf europäischer Bühne ran.
Im Oktober 2008 nahm Redknapp ein Angebot der Tottenham Hotspur zu einem sofortigen Wechsel an und der sportliche Aufschwung endete prompt bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Vorzeitig schied man aus den diversen Pokalwettbewerben aus, in der Liga kämpfte man lange, am Ende erfolgreich, gegen den Abstieg.
Finanzielle Probleme
Man hatte sich finanziell verhoben beim von den Fans liebevoll Pompey genannten Club. Die Stars wie Jermaine Defoe, Peter Crouch oder Niko Kranjčar, die heute übrigens alle bei den Spurs spielen, waren nicht zu halten oder mussten aufgrund finanziellen Drucks verkauft werden.
So akzeptierte Gaydamak am Abend des Champion League-Finales 2009 ein Angebot des arabischen Milliardärs Suleiman Al-Fahim. Ende Juli wurde der Handel finalisiert. Der begeisterte Schachspieler Al-Fahim war der neue Besitzer des FC Portsmouth.
Erfolgreiches Investment
Nur vierzig Tage später verkaufte Al-Fahim aber schon wieder neunzig Prozent seiner Anteile an den Saudi Ali Al-Faraj. Al-Fahim bezeichnete sein kurzfristiges Investment später gegenüber Asharq al-Awsat, einer der größten arabischen Tageszeitungen, als sehr erfolgreich. Neben einem Gewinn von 10 Millionen, sei er Besitzer aller Club-Immobilien und halte noch immer zehn Prozent der Anteile in seinen Händen.
Der neue Eigentümer Al-Faraj hatte von Beginn an Probleme seinen Verpflichtungen nachzukommen, er kreuzte nie in Portsmouth auf, so dass schon gemunkelt wurde, der Geschäftsmann sei bloß eine Erfindung windiger Investoren.
Die finanziellen Probleme nahmen nicht ab, sondern zu.
Ein Club als Pfand
Viermal in dieser Saison konnte der Club die Gehälter an die Spieler nur verspätet zahlen. Transferverpflichtungen kam man nur verspätet nach, weshalb zwischendurch dem Club von der Premier League jeglicher Handel untersagt wurde. Steuerschulden und eine Forderung über 28 Millionen Pfund des ehemaligen Besitzers Gaydamak belasten und belasteten den Club zusätzlich.
Ein Kredit über 17 Millionen Pfund sollte Linderung bringen. Fündig wurde man bei Balram Chainrai aus Hong Kong. Der Geschäftsmann ließ sich quasi als Pfand die Anteile Al-Farajs hinterlegen. Das Stadion und zukünftige TV-Einnahmen dienten zusätzlich als Sicherheit. In der vergangenen Woche kam der Club erneut seinen Verpflichtungen nicht nach, womit die Anteile in den Besitz des Kreditgebers übergingen. Der FC Portsmouth hatte seinen vierten Eigentümer innerhalb weniger Monate.
Verwirrte Fans
Haben Sie den Überblick verloren? Den Fans des FC Portsmouth geht es nicht anders. Man mag in der südenglischen Hafenstadt die Zeitungen nicht mehr aufschlagen, werden sie doch von Negativ-Schlagzeilen des geliebten Clubs dominiert.
Eine Demonstration der Fans Im Januar verdeutlichte die Sorgen der Anhänger. Den beliebten Schlachtruf "Play up Pompey, Just one more goal" wandelten sie in "Pay up Pompey" um.
Erfolgt am Mittwoch die Liquidation?
Ein Ende dieser Tauschaktionen ist übrigens nicht absehbar. Balram Chainrai ließ erklären, er habe kein langfristiges Interesse am Club. Aber natürlich wolle er nur das Beste für den FC Portsmouth. Nichts anderes haben die Vorbesitzer natürlich auch erklärt. Über 60 Millionen Pfund belasten aktuell den Club, der vor dem Abstieg und einer ungewissen Zukunft steht.
Am Mittwoch steht erneut eine Zahlung von 7,5 Millionen an. Die Umsatzsteuer ist fällig. Der Club hat Rechtsmittel eingelegt, um zumindest eine Verschiebung des Zahlungstermins zu erwirken, denn es droht die Liquidation.
Auf der Suche nach Nummer Fünf
Dennoch sollen schon die nächsten Interessenten parat stehen. Der Geschäftsführer des FC Portsmouth Mark Jacob sagte der BBC gegenüber, dass zwei oder drei Gruppen mit dem Vorstand in Kontakt zur Übernahme des Clubs getreten seien. Dabei soll es sich um lokale wie globale Organisationen oder Einzelpersonen handeln.
Die Angstellten des Clubs zittern um ihre Löhne und um ihren Job. Dass dies natürlich nicht ohne Auswirkungen bleibt, war am Samstag in Manchester zu sehen. Beim Titelverteidiger trafen drei Pompey-Spieler ins eigene Tor, was einen Rekordwert für die Liga bedeutet. Am Ende ging man mit 0:5 baden. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt sieben Punkte.
Uwe Toebe