Borussia Dortmund hat nach einem wochenlangen Höhenflug den nächsten schweren Rückschlag erlitten. Sieben Tage nach dem 1:4 beim VfB Stuttgart unterlag die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp vor heimischer Kulisse mit 2:3 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt.
Nach der frühen Eintracht-Führung durch Benjamin Köhler in der achten Minute wendeten Mats Hummels (17.) und Torjäger Lucas Barrios (57.) vor 70.400 Zuschauern im Signal Iduna Park zwar zunächst das Blatt. Doch dann schlugen Sebastian Jung (65.) und Alexander Meier (74.) für die Gäste von Ex-Borussen-Coach Michael Skibbe zu. Viele Ausfälle auf beiden Seiten
Frankfurt reiste ohne Pirmin Schwegler, Martin Fenin, Ioannis Amanatidis, Aleksandar Vasoski, Zlatan Bajramovic, Ümit Korkmaz und Anthony Clark an. Bei den Hessen kam der 19-jährige Sebastian Jung für Nikos Liberopoulos zum Einsatz. Der Youngster spielte rechter Außenverteidiger, Maik Franz ging dafür nach innen, der vielseitige Brasilianer Chris rückte ins defensive Mittelfeld vor.
Beim BVB fehlten Jakub Blaszczykowski, Roman Weidenfeller, Tinga, Sven Bender und Sebastian Kehl. Dafür spielte heute Kevin Großkreutz auf der Sechserposition, Hummels in der Innenverteidigung und Mohamed Zidan kam als hängende Spitze. Santana war leicht angeschlagen, blieb auf der Bank, denn für Großkreutz auf der rechten Flanke spielte überraschend Damien Le Tallec.
Mit Damien Le Tallec, Mohamed Zidan, Nelson Valdez, Lucas Barrios und Kevin Grokreutz setzte Jürgen Klopp heute auf fünf Offensivspieler in der Anfangself. Angriff ist die beste Verteidigung, dachte sich wohl BVB-Coach Jürgen Klopp. Stürmisch ging es auch gleich los, als Nuri Sahin einen feinen Pass auf Lucas Barrios spielte, der den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen konnte (1.).
Offensive Borussia schnell bestraft
Den BVB-Blitzstart konnten die Frankfurter abwenden, das machte sie übermütig und schon in Minute acht überraschten sie den Gastgeber. Halil Altintop spielte auf die rechte Seite, wo Patrick Ochs von Schmelzer nicht am Flanken gehindert wurde. In der Mitte hatte Owomoyela seinen Gegenspieler aus den Augen verloren und Großkreutz den gleichen Spieler nicht als solchen angenommen. So konnte Benjamin Köhler, völlig allein gelassen, den Ball aus neun Metern ins lange Eck zur 1:0-Führung einköpfen.
Dortmund schien geschockt und die Frankfurter hätten die Westfalen kurze Zeit später um ein Haar noch einmal kalt erwischt. Altintop stürmte allein auf Marc Ziegler zu, der Türke scheiterte aber im Dribbling am Keeper des BVB (9.). Das 2:0 fiel nicht und wenn man die Tore nicht macht, wird man im Fußball oft bestraft. So auch in Dortmund, wo die Gastgeber wenig später zum glücklichen Ausgleich kamen.
Dortmund kann die Antwort geben
In der 17. Minute wurde eine Dortmunder-Ecke an die Sechzehnerkante abgewehrt, dort verunglückte ein Schussversuch von Zidan. Glück für den BVB, denn der Ball landete bei Mats Hummels, der aus sieben Metern kein Problem damit hatte, die Kugel einzuschieben. Er stand nicht im Abseits, da gleich zwei Spieler der Eintracht nach der Ecke zu spät heraus gerückt waren.
Gut im Herauskommen (10., 19.). Ansonsten ohne Schuld bei Gegentreffern zwei und drei, allerdings mit keinem guten Stellungsspiel vor dem Köhler-Kopfball zum 0:1.
Dortmund tat sich weiterhin schwer damit, ins Spiel zu finden. Die Chancen hatte die Eintracht. Ochs schlug einen hohen Ball in Richtung Strafraum. Subotic ließ den Ball passieren, Altintop nahm die Kugel mit der Brust mit, schob sie an Ziegler vorbei aufs Tor, doch Mats Hummels kratzte mit einem Klasse-Einsatz den Ball von der Linie (28.).
Altintop - Vollstreckerflop
Und wieder war Altintop der Grund für Aufregung im BVB-Strafraum und seine mangelnden Vollstreckerqualitäten der Grund dafür, dass die Eintracht wieder nicht zur Führung kam. Ochs setzte sich erneut gegen Schmelzer durch, seine Flanke köpfte Altintop völlig frei im Hechtflug aus elf Metern am Tor vorbei (30.).
In der 35. Minute kam dann der Gastgeber zu seiner ersten herausgespielten Großchance. Barrios war nach einer Flanke von der linken Seite am Ball, konnte die Flugbahn des Leder aber nicht mehr entscheidend verändern, sodass der Ball in Nikolovs Armen endete.
Die spielerisch schwache Partie ging mit einem aus Dortmunder Sicht glücklichen Unentschieden in die Pause. Die nachlässige und schlecht sortierte Dortmunder Hintermannschaft war der Hingucker des Spiels bis dahin. Die Chancenauswertung der Gäste war es nicht, erst recht nicht die zerfahrenen Dortmunder Angriffsbemühungen. Es blieb die Frage, ob sich die Eintracht für ihr gut organisiertes und geradlinig vorgetragenes Spiel in der zweiten Hälfte belohnen würde?
Frankfurt hat keinen Barrios
Frankfurt machte auch zu Beginn der zweiten Hälfte den besseren Eindruck. Dortmund hatte aber einen Spieler auf dem Platz, mit dessen Qualität die Eintracht wohl schon das eine oder andere Tor mehr auf dem Konto hätte. Lucas Barrios hat so etwas wie Torriecher und das zeigte er dann auch.
Spycher konnte sich nicht gegen Owomoyela durchsetzen, der auf auf Zidan ablegte. Die Flanke des Afrika-Meisters fand am langen Pfosten den lauernden Barrios, der ohne Mühe einschob und so sein elftes Saisontor erzielte (57.). Das Tor kam aus dem Nichts, tat der Borussia aber in der Folgezeit gut. Jetzt schienen es die Hessen zu sein, deren Ordnung sich aufzulösen schien.
Die Belohnung kommt spät, doch sie kommt
Aber wie so oft in diesem Spiel antwortete die gerade unterlegene Mannschaft mit einem Tor. Nach einer Ecke für die Eintracht kam der Ball zu Sebastian Jung, der am Sechzehner lauerte. Der Youngster nahm Maß, sein Schuss in den BVB-Kasten profitierte aber auch davon, dass Sahin den Ball noch abfälschte (65.).
Wenig später kam es noch dicker für die Borussia. Frankfurt konterte über Altintop und Teber, der einen tollen öffnenden Diagonalpass in Richtung Alexander Meier schlug. Owomoyela machte dem Frankfurter das Leben nicht gerade schwer und so lupfte Meier die Kugel über Ziegler zum 3:2 ins Netz (74.).
Der Dortmunder Schlussspurt
Der BVB mühte sich, die Kontrolle über das Geschehen zurück zu erlangen. Die vielen Abspielfehler waren dabei keine Hilfe. Jürgen Klopp hoffte, mit der Einwechslung von Dede (77.) etwas mehr Ruhe am Ball und Struktur ins Spiel zu bringen. Der Brasilianer fiel dann auch gleich positiv auf. Nach einer Dede-Flanke und der schwachen Abwehr von Marco Russ schoss der ebenfalls eingewechselte Mario Götze knapp links am Tor vorbei (86.). Die letzte Ausgleichschance vergab dann Santana per Kopf in der 89. Minute.
Dortmund ordnet sich unter
Die vom Verletzungspech verfolgten Dortmunder verloren das Spiel auch deshalb, weil ihnen die ordnende Hand im defensiven Mittelfeld fehlte. Der angeschlagene Santana konnte nicht spielen, sodass Hummels in die Innenverteidigung rückte. Kehl, Tinga und auch Bender waren ebenfalls nicht dabei. Der kurzfristig aufgebotene Großkreutz war mit dieser Rolle überfordert.
So mussten sich die Borussen letztlich der besseren Ordnung der Frankfurter beugen. Die Hessen gefielen zudem durch das klarere Spiel nach vorn, ihnen unterliefen weniger Fehlpässe und so kann die Eintracht letztlich verdient mit drei Punkten nach Hause fahren. Dortmund muss sich vorerst unterordnen.
Fünf Niederlagen in Serie und vor allem die 0:5-Packung in Stuttgart waren eine zu große Hypothek für Michael Skibbe. Hertha BSC hat die Notbremse gezogen und zum zweiten Mal den Trainer entlassen, als Interimstrainer werden René Tretschok und Ante Covic fungieren.