Löw vs Zwanziger: Brisantes Wiedersehen in Warschau

Wolfgang Niersbach setzt auf die Professionalität aller Beteiligten
Die geplatzte Vertragsverlängerung von Joachim Löw, Oliver Bierhoff und Co. Hat für eine Menge Wirbel gesorgt. Eine schnelle Annäherung der Parteien scheint derzeit fast ausgeschlossen. "Aktuell ist sicher die Atmosphäre ein Stück belastet", räumte selbst DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ein.
Er forderte alle Beteiligten zu Professionalität und Loyalität auf. "Es sind alle aufgerufen, mit der Situation jetzt souverän umzugehen", erklärte der starke Mann aus der Verbandszentrale. Die DFB-Spitze weiß natürlich um die Riesen-Gefahr, die aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Trainer- und Funktionärs-Lager in Richtung WM in Südafrika erwachsen könnte.
Eine Menge verbrannte Erde
Der Poker um die neuen Verträge für Löw, dessen Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke sowie Teammanager Bierhoff hat eine Menge verbrannte Erde hinterlassen. Als Gewinner darf sich niemand sehen - im Gegenteil. Die gescheiterten internen Verhandlungen offenbaren ein gestörtes Innenleben.
Die sportliche Leitung ist vier Monate vor dem ersten WM-Spiel beschädigt worden, auch weil Verhandlungs-Inhalte in die Öffentlichkeit gelangten. Und Löw muss das ohnehin äußerst schwierige Unternehmen Titelgewinn 2010 in Südafrika ohne Garantie auf Weiterbeschäftigung angehen. "Wir werden das für uns jetzt in der Arbeit ausblenden", versprach Bierhoff dennoch.
Schon an diesem Wochenende in Warschau, wo 51 Länder in neun Gruppen für die Qualifikation zur EM 2012 gelost werden, steht dieses Versprechen erstmals auf dem Prüfstand. Der kompromisslose Präsident Theo Zwanziger reist wie Löw, Bierhoff und Niersbach zur Auslosung der nächsten EM-Qualifikation in die polnische Hauptstadt.
Dass die Differenzen, die offenbar weiter reichen als in normalen Vertrags-Gesprächen, dort ohne atmosphärische Wirkungen bleiben, ist kaum anzunehmen. "Aber wir sind total überzeugt, dass Richtung WM alles professionell und loyal abläuft. Dazu kenne ich die handelnden Personen zu gut. Ich schätze sie fachlich und menschlich sehr", bemerkte Niersbach, der noch immer bedauert, "dass wir nicht zu klaren Verhältnissen vor der WM gekommen sind."
Erlebt Löw noch die EM-Gegner?
So kommt es jetzt am Sonntag im altehrwürdigen Kulturpalast in Warschau zu der pikanten Situation, dass sich Löw und Bierhoff nach der Auslosung zu EM-Qualifikationsgegnern äußern sollen, die sie selbst ab September gar nicht mehr als Verantwortliche erleben könnten.
Doch auch hier setzt Niersbach auf Normalität: "Wir werden dann unsere Gruppen-Gegner schnell nach Frankfurt einladen. Das läuft natürlich alles mit dem Manager und dem Bundestrainer. Niemand käme auf die Idee zu sagen, sie haben für diese Zeit dann gar keinen Vertrag mehr. Ganz klar: Auch die Planung über die WM 2010 hinaus bleibt ihr Job."