
Richard Kingston hielt den Sieg fest
Mit einem souveränen 4:0-Sieg über Algerien hat Titelverteidiger Ägypten zum achten Mal das Finale des Afrika Cups erreicht. Ein fragwürdig ausgeführter Strafstoß und ein Traumtor von Mohamed Zidan brachten die Pharaonen auf die Siegerstraße in einem Spiel, das trotz dreier Platzverweise zum Glück entgegen aller Vorpropaganda die Attribute Hass und Krieg nicht verdiente, wie sportal.de sah.
Nachdem Hosny Abd Rabou per Strafstoß (39.) und Zidan (65.) die Zeichen bereits auf Sieg gestellt hatten, markierten die eingewechselten Mohamed Abdel-Shafy (81.) und Mohammad Gedo (90.+3) den Endstand gegen die am Ende durch drei Feldverweise dezimierten Algerier.
„Wir spielen hier, um den Cup am Ende zu holen. Unsere Konzentration gilt dem Titelgewinn. Wir werden am Wochenende hoffentlich den Pokal holen", erklärte Wael Gomaa nach dem Spiel und hatte den Blick von dieser Partie schon nach vorne gerichtet.
Umstrittene Elfmeterausführung
Trotzdem verlief das als Hass-Gipfel erwartete Aufeinandertreffen weitgehend fair. Spielerisch gaben zunächst die Ägypter den Ton an, eroberten sich durch aggressives Pressing ein optisches Übergewicht. Zur ersten richtigen Chance kamen die Pharaonen aber erst in der 26. Minute. Mohamed Zidan hatte quer zu Emad Motaeb gelegt, der aus dem Stand einen Distanzschuss auf das Tor von Faouzi Chaouchi, der sein Team mit einer schönen Flugeinlage vor dem Rückstand bewahrte.
Doch als Ägypten dem Gegner etwas mehr Raum gab, kam Algerien in der Folge besser in die Partie. Die Nordafrikaner bekamen von den Ägyptern etwas mehr Raum, doch wirklich gefährlich wurden sie nicht. Doch genau in dieser Phase, als das Spiel ausgeglichener gestaltet werden konnte, brachte eine Unachtsamkeit Algerien ins Hintertreffen. Verteidiger Rafik Halliche hatte den ihm enteilten Motaeb im Strafraum von den Beinen geholt.
Der Referee entschied sofort auf Strafstoß und zeigte dem bereits verwarnten Halliche die Gelb Rote Karte. Hosny Abd Rabou ließ sich von den Protesten nicht stören und verwandelte den Strafstoß zum 1:0 (39.). Die Ausführung des Elfmeters wird allerdings noch für Diskussionen sorgen. Hosny unterbrach seinen Anlauf und schob den Ball aus dem Stand ins Tor. Alle Proteste der wütenden Algerier halfen nichts, Referee Codja Koffi ließ den Treffer gelten.
Zwei Tore und zwei Platzverweise
Zu zehnt wurde es für Algerien im zweiten Abschnitt natürlich schwer. Zudem zog sich Ägypten weit zurück, baute auf Ergebnissicherung und gelegentliche Konter. Da Algerien mehr riskieren musste, boten sich entsprechende Chancen. Mohamed Zidan vergab zunächst freistehend am Fünfmeterraum, weil er zulange mit dem Abschluss wartete und den Ball nicht traf (63.). Doch dann machte es der Dortmunder besser.
In zentraler Position am 16er hatte er den Ball bekommen, dribbelte an einem Gegenspieler vorbei in den Strafraum und schoss den Ball unhaltbar zum 2:0 in den Winkel (65.). Das Spiel war entschieden, zumal Algerien ab der 70. Minute nur noch mit neun Mann auf dem Platz stand. Nadir Belhadj waren die Sicherungen durchgebrannt und er sah nach einem brutalen Foul die Rote Karte. So war das 3:0 durch Abdel-Shafydann auch nur noch für die Statistik wichtig. Genau wie der dritte Platzverweis der Partie: Zwei Minuten vor dem Ende brannten dann auch Chaouchi die Sicherungen durch. Der bereits verwarnte Keeper holte Mohamed Gedo von den Beinen und sah die Gelb Rote Karte. Gedo legte in der Nachspielzeit noch das 4:0 nach (90.+3).
Super Eagles ersticken im Beton
Im Finale treffen die Ägypter auf die Auswahl Ghanas, Algerien wird sich im Spiel um Platz drei mit Nigeria messen. Eine richtig dicke Chance reichte Ghana, um mit einem 1:0-Sieg über Nigeria ins Finale des Afrika Cup 2010 einzuziehen. Zum Matchwinner wurde erneut Asamoah Gyan, der schon im Viertelfinale das Weiterkommen gesichert hatte. sportal.de sah mauernde Black Stars und Super Eagles, die beste Chancen vergaben und dafür hart bestraft wurden.
"Wir werden rausgehen und den Plan, den unser Trainer ausgearbeitet hat, umsetzen", hatte der Matchwinner vor dem Spiel erklärt. Mit der konsequenten Defensivtaktik nach dem überraschenden Führungstor nahm man den im Vergleich zu den bisherigen Partien stark verbesserten Nigerianern letztlich den Wind aus den Segeln. Freudetrunken stammelte Gyan in die Mikrofone: "Es ist ein Traum für uns, im Finale zu stehen. Ich bin so stolz."
Nigerias Peter Odemwingie war dagegen geknickt. "Wir hatten unser Glück schon im Laufe des Turniers verbraucht. Ghana hat den Sieg verdient, sie haben gut gespielt. Wir haben dagegen lediglich als Einzelspieler, nicht aber als Team agiert", analysierte er.
Für Deutschlands WM-Gruppengegner Ghana ist es die sechste Final-Teilnahme bei einer Afrika-Meisterschaft. 1963, 65, 78 und 82 hatte man das Turnier gewonnen, 1992 wurde man Zweiter.
Eine Chance, ein Tor
Nigeria trat von Beginn an viel druckvoller auf als noch im Viertelfinale gegen Sambia, hatte mehr Spielanteile als die Ghanaer, konnte sich mit langen Bällen gegen die gut postierte Hintermannschaft des Gegners aber nicht entscheidend in Szene setzen. Effektiver waren die Ghanaer. Aus dem Spiel ging bei ihnen nicht viel, ihre Angriffsbemühungen waren von vielen Fehlpässen geprägt und so musste ein Standard für die überraschende Führung herhalten.
Kwadwo Asamoah hatte eine Ecke vor das Tor gebracht, die Asamoah Gyan zur 1:0-Führung der Black Stars einköpfte (21.). kurz darauf hätte der Torschütze mit einem Fernschuss sofort nachlegen können, verfehlte das Tor jedoch knapp. Nigeria reagierte mit viel Druck und hatte durch Obafemi Martins eine hochkarätige Chance zum Ausgleich. Ein abgefälschter Schuss von Peter Odemwingie prallte vor die Füße des unbewachten Wolfsburgers, der jedoch am stark parierenden Keeper Richard Kingston scheiterte (29.).
Nigeria gab auch in der Folge den Ton an, gegen die sich einigelnden Gegner fanden sie aber den Abschluss nicht. Die beste Möglichkeit hatte Sani Keita kurz vor dem Pausenpfiff mit einem Distanzschuss aus 25 Metern, der nur knapp das ghanaische Tor verfehlte (43.).
Beste Chancen reihenweise vergeben
Nigeria knüpfte an den druckvollen Auftritt der ersten 45 Minuten auch im zweiten Durchgang nahtlos an. Es spielten nur die Super Eagles, doch sie machten die Tore einfach nicht: Der auffällige Odemwingie flankte nach innen, Ghanas Lee Addy zwang beim Versuch per Grätsche zu klären seinen Schlussmann zu einer guten Parade (47.), kurz darauf blieb ein Seitfallzieher von Chinedu Obasi an einem Gegenspieler hängen (51.). Auch Martins bekam den Ball nach tollem Zuspiel von John Obi Mikel nicht an Kingston vorbei (60.).
Nigerias Coach versuchte es mit frischen Stürmern gegen den Betonriegel der Ghanaer, nahm dazu aber mit Odemwingie die zentrale Figur im Angriffsspiel der Grün Weißen vom Feld anstatt den glücklosen Martins auszuwechseln. Der Wolfsburger vergab kurz darauf die nächste dicke Möglichkeit zum Ausgleich (77.).