Soldo setzt Novakovic als Kapitän ab

Zvonimir Soldo lässt sich nichts mehr gefallen
Vor dem richtungsweisenden Keller-Duell am Freitag beim VfL Bochum nimmt der Druck auf Zvonimir Soldo zu. Um eine weitere Schwächung seiner Position zu verhindern, ließ der wankende Trainer des 1. FC Köln die Muskeln spielen. Kurzerhand enthob er Milivoje Novakovic seines Amtes als Mannschaftskapitän.
Damit reagierte der Fußball-Lehrer auf die Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Profi, zu denen es im Zuge von dessen Einsätzen für das slowenische Nationalteam in den vergangenen Wochen gekommen war. "Ich habe Milivoje die Chance gegeben, dass er sich nach den Vorkommnissen der letzten Woche bei mir und der Mannschaft entschuldigt. Diese Chance hat er jedoch nicht genutzt", begründete Soldo seine Maßnahme.
Novakovic vermisst den Respekt
Der Verein hatte am vorigen Donnerstag Novakovic eigens mit einem Privatjet aus Slowenien ausfliegen lassen, um eine optimale Vorbereitung des Profis auf die Bundesliga-Partie gegen 1899 Hoffenheim (0:4) zu gewährleisten. Nach dieser Aktion hatte sich Novakovic über "wenig Respekt" des Vereins beklagt. Diese Aussage wertete Soldo als eine weitere Attacke auf den ohnehin gestörten Vereinsfrieden. "Ich brauche einen Kapitän, der mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld ist und zu dem ein gegenseitiges respektvolles Verhältnis besteht."
In Bochum wird der Portugiese Petit die Kapitänsbinde tragen. Schlagzeilen über seine schwierige Beziehung zum Team hält Trainer Soldo trotz dieser Maßnahme für übertrieben: "Das Verhältnis zur Mannschaft ist intakt. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Spieler Politik gegen mich machen", sagte Soldo in Köln vor dem West-Schlager beim VfL Bochum.
Angesichts der sportlichen Talfahrt hat die Partie des Tabellen-15. beim Bundesliga-Vorletzten am Freitag aber bereits finalen Charakter für Soldo. Auf Gedankenspiele, ob er im Fall eines ähnlich desolaten Auftritts wie beim 0:4 gegen 1899 Hoffenheim mit seiner Entlassung rechnen müsse, ließ sich der 42-Jährige aber nicht ein.
Soldo glaubt an die Mannschaft
"Ich schaue nach vorn. Vor der Mannschaft erwarte ich in Bochum jetzt hundert Prozent Einsatz und Engagement", betonte Soldo, dessen Position nach der desaströsen Heimpleite aber weiter geschwächt scheint. Darüber hinaus muss er fürchten, dass seine Autorität von einigen Spielern gezielt untergraben wird.
Denn einige Dinge, die auf einer internen Mannschaftssitzung am Sonntag besprochen worden waren, drangen über "Maulwürfe" in die Öffentlichkeit. Das brachte Soldo auf die Palme. "Ich bin kein Polizist. Aber in jeder Mannschaft gibt es einen Ehrenkodex. Und das war eine eindeutige Verletzung, so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Soldo, der im kicker-Interview zudem beklagte: "Mit den Personen, die diese Dinge nach außen tragen, kann man keinen Krieg gewinnen." Namen der Verdächtigen nannte Soldo nicht, doch als Konsequenz wolle er nun "mehr Einzelgespräche" führen.
Spieler-Revolte oder reinigendes Gewitter?
Bei dem Teamtreffen sollen klare Worte gefallen sein, die Manager Michael Meier im Gegensatz zu Medienberichten ("Spieler-Revolte") als reinigendes Gewitter interpretierte: "Es gab keine Revolte gegen Zvonimir Soldo, sondern wir haben alle offen und konstruktiv darüber nachgedacht, was wir gemeinsam verbessern können."
Die Spieler seien "selbstkritisch, offen und fair" miteinander umgegangen. Die Ergebnisse der Aussprache müssten nun jedoch beim Spiel in Bochum auf dem Platz sichtbar werden, fordert Meier: "Wir haben gemeinsam die Richtung vorgegeben, aber nun müssen Taten folgen."
Einfach wird das nicht. Zumal - der bisher allerdings nur im Nationaldress überzeugende - Lukas Podolski (Gelbsperre) fehlt und dem formschwachen Soldo-Kritiker Novakovic die Bank droht. Der Coach muss möglichst schnell herausfinden, auf welche Profis er sich im Abstiegskampf verlassen kann. Novakovic stünde dabei "unter Beobachtung", sagte Soldo.