
Das Schicksal der Bayern hängt an Franck Ribéry
Vor dem letzten Spieltag in der Champions League sah es aus deutscher Sicht mal wieder düster aus. Stuttgart und die Bayern standen mit drei bzw. vier Punkten vor dem Aus, einzig Wolfsburg hatte überzeugen können und brauchte einen Zähler für das Achtelfinale. Ausgerechnet die Wölfe patzten, trotzdem meinte es der Fußball-Gott gut mit den deutschen Clubs, plötzlich können erstmals seit der Saison 2004/05 (Leverkusen, Bremen, Bayern) wieder drei Mannschaften aus der Bundesliga in die Runde der letzten 16 einziehen.
Für die immer noch verunsicherten Bayern und auch für den VfB ist die Ausgangslage eindeutig: Am letzten Spieltag müssen drei Punkte her, egal wie. Die Münchner reisen nach Turin, die Schwaben haben mit dem Heimspiel gegen Unirea Urziceni die weitaus leichtere Aufgabe.
Etwas komplizierter ist da die Situation für den VfL Wolfsburg. Der deutsche Meister steht noch auf dem begehrten zweiten Tabellenplatz, muss aber von hinten den Angriff der punktgleichen Moskauer von ZSKA abwehren - und das im Heimspiel gegen Manchester United. sportal.de hat sich die Situation bei den drei Clubs genauer angeschaut und weiß, wer mit weiteren Millionen aus der Königsklasse rechnen darf.
VfL Wolfsburg
Wie eng Glück und Pech oder auch Erfolg und Misserfolg beieinander liegen können, haben die Szenen zwischen der 53. und der 58. Minute im Spiel zwischen Moskau und Wolfsburg gezeigt. Die Gäste kontrollierten das Spiel, führten verdient und erhöhten auf 2:0. Denkste, denn Edin Dzeko griff unnötigerweise im Abseits stehend beim Schuss von Obafemi Martins ins Spiel ein und verhinderte so die Vorentscheidung.
Fünf Minuten später übertrug sich diese Fehleinschätzung auf die Abwehr der Wölfe, Moskau glich durch Tomas Necid aus und drehte die Partie im weiteren Verlauf komplett. Nun ist es also doch Wirklichkeit, das ungeliebte "Endspiel" gegen Manchester United. Die Red Devils verloren mit einer kompletten B-Elf ihrerseits das Heimspiel gegen Besiktas Istanbul - genau hier liegt das Problem für die Wölfe.
Mit weiterhin zehn Punkten liegt United drei Zähler vor Wolfsburg, der Gruppensieg ist deshalb aber in Gefahr. Gewinnt der VfL das Rückspiel und entscheidet nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel auch den direkten Vergleich für sich, droht den Engländern im Achtelfinale womöglich ein schwererer Gegner. Deshalb glaubt sportal.de nicht daran, dass Man Uniteds Trainer Alex Ferguson in der Volkswagen Arena sämtliche Stammspieler schont. Und ein Manchester in Bestbesetzung ist für den VfL derzeit noch eine Nummer zu groß.
Für die Wölfe spricht allerdings, dass sie immer auch einen Blick auf die andere Partie werfen können. Dort kann Besiktas mit einem Heimsieg gegen ZSKA Moskau (Hinspiel 2:1 für die Russen) noch die Europa League erreichen, in diesem Fall dürften Wolfsburg sogar gegen Manchester verlieren und wäre trotzdem im Achtelfinale.
Prognose: Die beste Ausgangsposition war im Fußball noch nie ein Garant für Erfolg. Wolfsburg wird für die Heimniederlage gegen Manchester bestraft und muss danach in der Europa League weiterspielen, weil ZSKA in Istanbul einen Punkt holt.
FC Bayern
Eine Krise bei den Bayern ist immer größer, diskussionswürdiger und mit mehr Hollywood behaftet als in anderen deutschen Clubs. Dabei ist es in dieser Saison weniger eine Ergebnis-Krise - sechs Punkte Rückstand in der Bundesliga, Viertelfinale im DFB-Pokal und die Chance aufs Weiterkommen in der Königsklasse lassen noch alle Möglichkeiten -, als der Verlust der Dominanz, das fehlende Selbstvertrauen und das spielerische Unvermögen des für viel Geld verstärkten Kaders.
Auch der 1:0-Erfolg gegen Maccabi Haifa diente nicht dazu, die Diskussionen zu beenden. Immerhin stimmte das Ergebnis und da Girondins Bordeaux Schützenhilfe leistete, können die Münchner mit einem Sieg bei Juventus vieles wieder gerade rücken. Doch in der derzeitigen Verfassung ist ein Sieg in Turin nur schwer vorstellbar.
Doch die Partie steigt erst in zwei Wochen und bis dahin kann an der Säbener Straße noch viel passieren - vor allem beim Personal. Die Tatsache der Abhängigkeit von ein, zwei Spielern ist sicher diskussionwürdig, aber ohne Arjen Robben und Franck Ribéry fehlt den Bayern Inspiration und Kreativität. Der Franzose hat nach seiner Entzündung der Patellasehne bereits mit dem Lauftraining begonnen und die Knieprobleme von Robben sollten keine langfristige Pause nötig machen.
Prognose 1 (ohne Robben und Ribéry): Das 0:2 in Bordeaux hat gezeigt, dass auch Juve weit von der Bestform entfernt ist. Aber die Turiner haben seit über fünf Jahren kein Heimspiel mehr im Europapokal verloren, das bleibt bei einer Bayern-Mannschaft in der gestrigen Aufstellung auch so. Die Münchner scheiden aus.
Prognose 2 (mit Robben und Ribéry): Die erste Halbzeit im Hinspiel gegen Juventus hat gezeigt, zu was die Bayern in der Lage sind. Klappt eine Wiederholung, geht es im Achtelfinale weiter.
VfB Stuttgart
Fußball grotesk im Schwabenland: In der Bundesliga droht mit derzeit elf Punkten ein frostiger Winter auf einem Abstiegsplatz, in der Königsklasse lockt dagegen der sonnige Süden mit dem Einzug ins Achtelfinale. Dafür muss "nur" ein Sieg gegen den vermeintlichen Underdog aus Urziceni her.
Doch genau hier lauert die Gefahr für den VfB. Unterschätzen darf man die Rumänen auf keinen Fall, immerhin siegte Unirea sowohl gegen die Glasgow Rangers als auch zuletzt gegen Sevilla. Doch das Hinspiel (1:1) hat auch gezeigt, dass die Stuttgarter in Normalform dem derzeitigen Tabellenfünften der ersten rumänischen Liga spielerisch überlegen sind.
Wenige Tage vor dem letzten Gruppenspiel findet für den VfB allerdings in der Bundesliga das wohl richtungsweisende Heimspiel statt. Gelingt ein Erfolg gegen den VfL Bochum, reicht das Selbstvertrauen auch für Unirea.
Prognose: Der VfB muss und wird gegen diesen Gegner weiterkommen.
Marcus Krämer