Louis van Gaal bekommt eine weitere Chance in Königsklasse
Der FC Bayern kann mit einem Sieg in Turin wieder aus eigener Kraft das Achtelfinale der Champions League erreichen. Die Münchner erledigten ihre Pflicht beim 1:0 gegen Maccabi Haifa und bekamen die erhoffte Schützenhilfe aus Bordeaux. Girondins bezwang Juventus mit 2:0.
Vor dem Spiel hatte es bei den Bayern mächtig Wirbel gegeben, denn Trainer Louis van Gaal strich Luca Toni nach dessen öffentlich geäußerter Kritik aus dem Kader. Sportdirektor Christian Nerlinger erklärte gegenüber Sky, dass der Italiener dafür mit einer Geldstrafe bedacht wurde. Da sich auch Miroslav Klose kurzfristig am Ellbogen verletzt hatte und Franck Ribery sowie Arjen Robben weiterhin ausfielen, waren die Optionen in der Offensive gering.
Ivica Olic rückte neben Mario Gomez in den Sturm, Thomas Müller spielte rechts im Mittelfeld, auf der anderen Seite durfte sich Danijel Pranjic versuchen. Zentral spielten Mark van Bommel und Bastian Schweinseiger, Anatoliy Timoshchuk fand sich auf der Bank wieder. Die Viererkette blieb im Vergleich zum Leverkusen-Spiel mit Lahm, Badstuber, Demichelis sowie van Buyten unverändert.
Maccabi versteckt sich nicht
Trotz der personellen Probleme war die Ausgangslage klar und ein Sieg gegen Maccabi Haifa Pflicht. Zumal die Israelis bisher noch kein eigenes Tor erzielen konnten und auch noch keinen Punkt auf dem Konto hatten.
Das schien Haifa ändern zu wollen, denn die Gäste versteckten sich keineswegs, sondern versuchten, selbst am Spiel teilzunehmen. Maccabi attackierte früh im Mittelfeld und störte immer wieder erfolgreich den Spielaufbau. Allerdings öffneten die Israelis mit dieser Spielweise auch Räume in der eigenen Defensive.
Bayern übernimmt das Kommando
Die Bayern brauchten eine Viertelstunde, um sich darauf einzustellen. Dann zogen sie das Tempo an und boten den 58.000 Zuschauern in der nicht ausverkauften Allianz Arena den ersten gelungenen Angriff. Nach einer schnellen Kombination über Thomas Müller und Philipp Lahm landete der Ball auf der rechten Seite bei Mark van Bommel. Der Niederländer fand mit seiner Hereingabe Gomez, der die Kugel direkt nahm, das Tor aber knapp verfehlte.
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Louis van Gaal: "Das war eines unserer besten Spiele."
Der Nationstürmer hatte auch die nächste Gelegenheit, als er aus rund 20 Metern den Ball am Kasten vorbeischoss (24.). Wenig später setzte Bastian Schweinsteiger Olic schön in Szene, aber der Schuss des Kroaten wurde aus spitzem Winkel abgeblockt.
Bayern hatte das Spiel jetzt im Griff und Schweinsteiger leitete mit dem nächsten guten Pass eine weitere Chance ein. Wieder war Olic der Nutznießer. Er tanzte im Sechzehner Maymon aus, doch Keeper Davidovich war auf dem Posten (33). Trotz großer Überlegenheit gelang es Bayern nicht mehr, sich weitere Chancen zu erspielen, lediglich ein Olic-Kopfball nach Freistoß von Badstuber kurz vor der Pause deutete noch einmal Torgefahr an.
Juventus mit kontrollierter Defensive
Die Fans quittierten den torlosen Pausenstand mit einem Pfeifkonzert. Möglicherweise wussten sie auch, dass die Bayern zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden waren. Bei der anderen Partie in Bordeaux stand es nämlich ebenfalls 0:0. Obwohl Juventus mit einem Sieg aus eigener Kraft vorzeitig das Achtelfinale erreichen konnte, agierten die Turiner typisch italienisch äußerst defensiv.
Allerdings musste die Alte Dame auch auf die beiden Angreifer Iaquinta und Trezeguet verzichten. Girondins, das ohne den angeschlagenen Superstar Yoann Gourcuff auskommen musste, agierte überlegen und hatte in der 40. Minute durch Marouane Chamakh die große Gelegenheit zur Führung. Der Angreifer tauchte allein vor Gianluigi Buffon auf, konnte diesen jedoch nicht überwinden.
In München begann die zweite Halbzeit wie die erste. Maccabi agierte wieder etwas mutiger und kam sogar zum ersten Torschuss. Yaniv Katan zog aus 14 Metern ab, der Ball ging aber über das Tor (50.). Auf der anderen Seite setzte Schweinsteiger einen Freistoß von der linke Seite auf die Torlatte (52.). Spielerisch konnten die Gastgeber allerdings kaum Akzente setzen und sie vermochten Haifa auch nicht wirklich unter Druck zu setzen.
Doppelschlag in Bordeaux und München
Dann brandete in der Arena endlich erstmals Jubel auf. Dafür waren jedoch nicht die Akteure auf dem Rasen verantwortlich, sondern Girondins Bordeaux. Die Franzosen hatten in der 55. Minute das 1:0 gegen Juventus erzielt. Ferando verlängerte einen Freistoß von Jaroslav Plasil mit dem Hinterkopf ins Tor. Die erhoffte Schützenhilfe für die Bayern war da und die Münchner auch ohne eigenes Tor wieder im Rennen.
Auf das Spiel des deutschen Rekordmeisters wirkte sich das zunächst zwar nicht unbedingt aus, dennoch dauerte es nicht lange, bis auch die Bayern endlich zu ihrem Treffer kamen. Mario Gomez wurde in zentraler Position vor dem Strafraum angespielt. Er schüttelte seinen Gegenspieler ab und hielt aus 18 Metern einfach mal drauf. Maccabi-Keeper Davidovich konnte die Kugel nicht festhalten und so brauchte Ivica Olic nur den Fuß hinzuhalten und schob zum 1:0 ein (62.).
Bayern einfallslos, Juve bemüht
Wer glaubte, dass dieses Tor befreiend auf die Münchner wirken könnte, der wurde enttäuscht. Die Partie plätscherte vor sich hin, den Bayern gelang wenig bis gar nichts. Beinahe wären die Israelis sogar zum Ausgleich gekommen, als Katan einen Freistoß aus halblinker Position knapp über den Kasten zirkelte. Mit zunehmender Spieldauer wurden auch die Fans ungeduldiger angesichts der Harmlosigkeit ihrer Mannschaft.
In Bordeaux hatte Juventus nach dem Rückstand die Zurückhaltung aufgegeben. Die Alte Dame legte vermehrt den Vorwärtsgang ein. Nach Zuspiel von Del Piero verpasste Diego aus kurzer Distanz den Ausgleich. Wirklich zwingend wurde Turin jedoch nicht.
In der Allianz Arena reagierten die Bayern auf die eigene Einfallslosigkeit mit einem durchaus probaten Mittel. Sie schossen aus der Distanz! Nacheinander verfehlten jedoch Müller, van Bommel und Schweisteiger das Tor (78./79./80.). Ein Treffer wollte den Bayern aber nicht mehr gelingen, auch weil van Bommel in der Schlussminute aus 16 Metern die letzten Möglichkeit vergab.
Endspiel in Turin
Am Ende war das egal, denn Bordeaux machte es besser. In der Nachspielzeit markierte Marouane Chamakh per Kopf den 2:0-Siegtreffer gegen Juventus. Damit ist Bayern weiter im Rennen. Die Münchner konnten zwar abermals nicht überzeugen und offenbarten große spielerische Defizite.
Die Gäste konnten daraus jedoch kein Kapital schlagen. Maccabi spielte brav mit, war aber viel zu harmlos, um die Münchner ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Am letzten Spieltag darf Bayern München jetzt bei Juventus Turin um den Einzug in das Achtelfinale spielen. Klar ist aber auch, dass die Mannen von van Gaal sich dort gehörig steigern müssen, um drei Punkte zu entführen.