Georgiy Shchennikov und Edin Dzeko kämpfen um den Ball
Der VfL Wolfsburg hat die große Chance verpasst, sich vorzeitig für das Achtelfinale der Champions League zu qualifizieren. sportal.de sah am fünften Spieltag zunächst noch engagierte Wölfe, die bei ZSKA Moskau trotz früher 1:0-Führung noch verdient mit 1:2 (1:0) unterlagen und nun im "Endspiel" gegen Manchester United in zwei Wochen antreten müssen.
VfL-Coach Armin Veh musste seine Elf im Vergleich zur 2:3-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg auf zwei Positionen umstellen. Für den in der Königsklasse nicht spielberechtigten Thomas Kahlenberg rückte der Japaner Makoto Hasebe ins rechte Mittelfeld. An Stelle von Grafite, der die Wölfe im Hinspiel mit drei Treffern praktisch im Alleingang zum 3:1-Sieg geschossen hatte und ein letztes Mal seine Rotsperre aus dem Istanbul-Spiel absaß, durfte Obafemi Martins an der Seite von Edin Dzeko ran.
Vor nur 16.000 Zuschauern im spärlich besetzten Luzhniki-Stadion versuchten die Hausherren das Geschehen auf dem Kunstrasen mit ihrem schnellen Kombinationsspiel sofort an sich zu reißen und Druck zu entfachen. Doch die Gäste zeigten sich gut organisiert und hielten insbesondere dank ihres kompakten Mittelfeldes dagegen, so dass die meisten Angriffsbemühungen der Moskauer nicht wirklich gefährlich waren.
Dzeko schockt ZSKA
Und auch in Sachen Effektivität konnte sich das Wolfsburger Spiel sehen lassen. Hasebe trieb das Leder über die rechte Seite und bediente Martins. Der Nigerianer wiederum passte genau in den Lauf des startenden Dzeko und der Bosnier markierte mit seinem dritten Saisontor in der Champions League aus fünf Metern und vollem Lauf die frühe 1:0-Führung für die Gäste (19.).
Doch ZSKA ließ sich durch den Rückstand nicht verunsichern und hätte nur drei Minuten später ausgleichen können. Der agile Milos Krasic dribbelte sich in den Strafraum der Wölfe und zog aus rund 13 Metern ab. Doch Diego Benaglio war zur Stelle und parierte den zu unplatzierten Schuss des 25-jährigen Serben. Auf der Gegenseite war es Zvjezdan Misimovic, der nach einer Dzeko-Hereingabe freistehend in eine gute Schussposition kam, aus 14 Metern den Ball aber nicht richtig traf und selbigen am von Igor Akinfeev gehüteten Kasten vorbeizog (32.).
Die Riesenchance zum Ausgleich ergab sich für die Gastgeber sechs Minuten vor dem Pausenpfiff. Nach einem Eckball hatte zunächst Vasiliy Berezutskiy die Möglichkeit im Strafraum, bekam das Leder jedoch nicht unter Kontrolle. Dafür kam sein Bruder Aleksey in Ballbesitz, scheiterte aber aus kürzester Distanz am exzellent reagierenden Benaglio.
Verpasste Vorentscheidung
Zur Halbzeit führten die clever auftretenden Wolfsburger nicht unverdient, auch wenn die Russen notgedrungen mehr in das Spiel investiert hatten. Das taten sie auch kurz nach dem Wiederanpfiff. Alan Dzagoev legte auf Evgenij Aldonin ab. Der Mittelfeldmann zog aus 18 Metern gefährlich ab, sein Versuch verfehlte das Ziel jedoch knapp (47.).
Dann zappelte der Ball plötzlich im Netz der Moskauer, doch der vermeintliche Treffer zum Wolfsburger 2:0 zählte nicht. Christian Gentners Befreiungspass landete auf dem rechten Flügel bei Sascha Riether, der schön auf Martins zurückspielte. Der Nigerianer schoss aus elf Metern aufs Tor, doch unglücklicherweise verlängerte der im Abseits stehende Dzeko den Ball noch in die Maschen (53.). Schade, denn das Leder hätte wohl auch so den Weg ins Tor gefunden.
Stimmen zum Spiel:
1/2
Armin Veh: "Wir haben heute eine Riesenchance verpasst, den Sack zuzumachen. Wir haben in der ersten Halbzeit alles im Griff gehabt. Das 1:1 hätte nie passieren dürfen. Wir waren zu passiv und haben zu wenig Nadelstiche nach vorne gesetzt."
Auf der Gegenseite rettete einmal mehr Benaglio in höchster Not. Dzagoev spielte den Ball nach vorn auf Pavel Mamaev, der aus zehn Metern halblinker Position am blendend parierenden VfL-Keeper scheiterte (54.). ZSKA erhöhte nun zunehmend den Druck und drängte den deutschen Meister immer mehr in die Defensive.
Moskau dreht auf
Und sie wurden für ihren engagierten Einsatz folgerichtig belohnt. Aleksey Berezutskiy konnte auf der rechten Seite fast unbedrängt auf Aldonin zurücklegen. Der flankte vom rechten Strafraumeck vor das Tor, wo Tomas Necid aus sechs Metern völlig freistehend hochstieg und per Kopf Benaglio keine Abwehrchance ließ - 1:1 (58.). Die Wölfe wussten sich aus der Umklammerung der Hausherren nun kaum noch zu lösen. Eckball auf Eckball folgte und nur wenig später gab es den nächsten Dämpfer für den VfL.
Aldonin spielte Krasic frei und der überragende Serbe zog aus knapp 30 Metern einfach mal ab und traf. Der fulminant geschossene Ball schlug unhaltbar für Benaglio im rechten Eck ein. Ein Traumtor, zugleich Krasic' dritter Treffer in der Champions League und die mittlerweile verdiente 2:1-Führung für ZSKA (66.).
Schäfer findet seinen Meister
Nach vorn ging beim VfL weiterhin so gut wie nichts und so sollte es bis zur 85. Minute dauern, bis Wolfsburg wieder einmal gefährlich vor das Moskauer Tor kam. Marcel Schäfer dribbelte auf dem linken Flügel und versuchte es mit einer Mischung aus Flanke und Torschuss. Akinfeev musste sich mächtig strecken und drückte den Ball mit den Fingerspitzen vom Tor weg - das hätte der Ausgleich sein können (85.).
Die letzten beiden Chancen gehörten wieder den Gastgebern, die sich das Spiel nun nicht mehr aus der Hand nehmen ließen. Zunächst bediente Elvir Rahimic Dzagoev mit einer gefühlvollen Flanke. Der zog aus neun Metern halblinker Position ab, doch Benaglio rettete glänzend mit dem Fuß (88.). Dann vergab erneut Dzagoev aus rund 20 Metern denkbar knapp (89.).
Letztlich blieb es beim hochverdienten 2:1-Sieg für ZSKA Moskau, das nach Punkten mit den insbesondere nach der Pause enttäuschenden und in der Defensive anfälligen Wolfsburgern nach Punkten gleichzog und ebenfalls noch auf den Achtelfinal-Einzug hoffen darf.
Aus Bayern-Sicht hat Paul Breitner alles richtig gemacht. Seinem Club bescherte die Glücksfee in Nyon den vermeintlich leichten FC Basel als Achtelfinalgegner, während er Bayer Leverkusen ausgerechnet Topfavorit und Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Topf zauberte.