
Patrick Neumann wurde vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen
Keine Geständnisse, ein weiterer Spieler unter Verdacht und Sorge vor der Wettmafia - der Regionalligist SC Verl steht einen Tag nach der Suspendierung von zwei Spielern weiter im Fokus des Wettskandals.
"Es sind nach unseren Erkenntnissen drei Spieler betroffen, einer von ihnen ist nicht mehr hier beschäftigt", sagte der zweite Vorsitzende der Ostwestfalen, Jochen Scholz.Bislang hat nach Informationen des Vereins keiner der beiden Suspendierten Manipulationen eingeräumt.
"Meines Wissens nach hat nicht ein Spieler ein Geständnis abgelegt - weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei uns", sagte der Vorsitzende Peter Mankartz. Am Vortag hatte der Club Patrick Neumann und Tim Hagedorn vorläufig vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen. "Wir können nur Spieler suspendieren, wenn wir Anhaltspunkte haben", erklärte Mankartz.
Am Vortag hatten zwei andere Spieler des SC Verl ihre Erkenntnisse über Manipulationen bei Partien der vergangenen Saison der Staatsanwaltschaft Bochum mitgeteilt. "Bei diesen beiden Spielen ging es nicht mehr um Aufstieg oder Abstieg. Hier haben die Mittelsmänner der Wettmafia angesetzt und versucht, Spieler des SC Verl dazu zu bewegen, auf Niederlage zu spielen", sagte Scholz.
In der Partie bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) hatte Verl eine 3:0-Führung zunächst aus der Hand gegeben, durch ein Tor in der 89. Minute aber doch noch gewonnen. Gegen den 1. FC Köln II verlor Verl eine Woche später nach einem Eigentor mit 0:1. "Diese beiden Spiele sind manipuliert worden, in dem ersten Fall ist es nicht gelungen", bekräftigte Scholz.
Informationen zu Spielern durchgesickert
"Es braucht eine gehörige Portion Mut, dass die Spieler ihr Wissen offenbaren. Sie haben nicht unberechtigterweise Angst, dass sie von verlängerten Armen der Wettmafia in irgendeiner Weise behelligt werden", sagte Scholz über die beiden Zeugen.
Einer von ihnen hätte aus Wettkreisen von den Manipulationen erfahren. "In Bielefeld und Verl gibt es offenbar in Wettbüros Gruppen, Beziehungen und Netzwerke, die offensichtlich etwas wussten. Hieraus sind Informationen zu Spielern gelangt", sagte Scholz.
Der andere Spieler soll persönlich kontaktiert worden sein. "Er hat sich dieser Situation entzogen, in dem er sich vor beiden Spielen krankgemeldet hat", erklärte Scholz. Seiner Ansicht nach wurden die Spieler "auf dem Weg zum Training, auf dem Parkplatz" von der Wettmafia angeworben.
Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt
Auch die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte auf Anfrage keine Medienberichte, wonach drei Spieler der Ostwestfalen zugegeben hätten, bei zwei Partien der vergangenen Saison bestochen worden zu sein.
"Zu einzelnen Namen äußern wir uns aus ermittlungstaktischen Gründen nicht, und weil die Unschuldsvermutung gilt. Die Wurzel des Übels liegt nicht im Fußball, sondern in einer kriminellen Gruppe, die Wettbetrügereien begeht", sagte Behördensprecher Bernd Bienioßek.
Der damalige Verler Trainer Mario Ermisch nimmt wie sein ehemaliger Verein an, dass die geplante Manipulation gegen Gladbach "schief gegangen" sei. "Der Sachverhalt ist klar", sagte der Rechtsanwalt und heutige Coach des Westfalenligisten TuS Dornberg.
"Ich gehe davon aus, dass es ein einziger, vielleicht zwei Spieler waren, die versucht haben, andere mit ins Boot zu holen." Der Ex-Coach des SC Verl vermutet, dass die betroffenen Spieler nach dem Sieg gegen Gladbach unter Druck gesetzt worden seien, die missglückte Manipulation eine Woche später gegen Köln wieder gutzumachen.
Verdächtigter dementiert Kontakt zu Spielern
In Zusammenhang mit den unter Manipulationsverdacht stehenden Spielen von Verl sitzt bereits seit Donnerstag ein 34 Jahre alter Mann aus Lippstadt in Untersuchungshaft. Seinem Mandanten werde gewerbsmäßiger, bandenmäßiger Betrug in zwei Fällen vorgeworfen,sagte Rechtsanwalt Hans A. Geisler.
Der Kaufmann aus dem Kreis Soest soll laut Haftbefehl vor beiden verdächtigen Partien versucht haben, auf Verler Spieler einzuwirken, um den Spielausgang zu beeinflussen. "Mein Mandant sagt, er hätte zu Verler Spielern überhaupt keinen Kontakt gehabt", betonte Geisler.
An Spieler sollen laut Haftbefehl 20.000 Euro geflossen sein. Der Wetterlös habe bei einem Einsatz von 41.550 Euro und einer Quote von 2,4 auf einen Kölner Sieg bei mehr als 100.000 Euro gelegen.