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Atletico Madrids tiefer Fall
Atletico Madrids tiefer Fall
Die Fans wollen Clubchef Miguel Angel Gil Marín und Präsident Enrique Cerezo loswerden

Sieben Punkte aus elf Spielen, so lautet die äußerst ernüchternde Bilanz Atletico Madrids in der Primera Division. In der Champions League sind die Colchoneros nach vier Spieltagen mit zwei mageren Punkten und ebenso wenigen Toren bereits ausgeschieden. sportal.de sucht nach Gründen des Absturzes.

Bereits seit Jahren ist die löchrige Defensive die Schwachstelle der Mannschaft. In der Vergangenheit konnte die überragende Offensive um Diego Forlán und Sergio Agüero dieses Defizit noch ausgleichen, doch diese Saison herrscht auch vorne zu oft Ladehemmung, in den ersten drei Spielen der Champions League gegen APOEL Nikosia, FC Porto und FC Chelsea gelang nicht ein einziger Treffer.

Verteidigung der große Schwachpunkt

Doch das eigentliche Manko bleibt die Hintermannschaft. Der im Sommer verpflichtete Torhüter Sergio Asenjo konnte bisher noch nicht großen Erwartungen erfüllen. Von der spanischen Presse bereits als neuer Iker Casillas gefeiert, konnte der Junioren-Nationalkeeper der Defensive nach den Abgängen Gregory Coupets und Leo Francos nicht die gewünschte Stabilität verleihen. Der erst 18-jährige Ersatzkeeper David de Gea konnte bei seinen Einsätzen meist mehr überzeugen als Asenjo, der zudem noch häufig Glück hatte und von Latte und Pfosten gerettet wurde.

Ohne Heitinga läuft nichts mehr

Antonio Lopez (16 Spiele für Spanien), Mariano Pernia (11 für Spanien), Juanito (25 für Spanien), Tomáš Ujfaluši (78 für Tschechien), Luis Amaranto Perea (37 für Kolumbien), Pablo Ibanez (23 für Spanien), Álvaro Domínguez (Junioren-Nationalspieler Spanien): Die Atletico-Abwehr ist gespickt mit Nationalspielern und hat reichlich internationale Erfahrung. Auf dem Papier ein solides Bollwerk, auf dem Platz ein löchriger Käse.

Vor der Saison wurde Johnny Heitinga an den FC Everton abgegeben, ein Wechsel, den Atletico nicht kompensieren konnte, so kritisch die Leistung des Niederländers in Spanien auch beäugt wurde. Die aktuellen Spieler sind entweder völlig außer Form oder haben bereits ihren Zenit überschritten.

Es mangelt bei der Spieleröffnung, an Tempo, beim Kopfballspiel, eigentlich bei allem. Trainer Quique Sánchez Flores, der den glücklosen Abel Resino nach der 0:4-Niederlage beim FC Chelsea ablöste, muss darauf hoffen, in der Winterpause Geld für Verstärkungen in der Abwehr zur Verfügung zu bekommen. Mit 24 Gegentoren in elf Spielen hat Atletico die schlechteste Defensive der spanischen Primera Division.

Weltklasse im Sturm

Weniger Anlass zur Kritik gibt es im Mittelfeld, auch wenn es nicht an die teilweise glänzenden Leistungen des Vorjahres anknüpfen konnte. José Antonio Reyes bekommt unter Quique Flores mehr Einsatzzeiten und zeigte in den letzten Spielen hoffnungsvolle Ansätze. Paulo Assuncao und Raul Garcia spielen im zentralen Mittelfeld einen soliden Part, auch wenn die beiden zu viele unnötige Gelbe Karten kassieren. Simao, vergangene Saison einer der Gründe des Höhenflugs, wird dieses Jahr fleißig auf vielen Positionen eingesetzt - sogar im Sturm - und konnte so nur selten an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen.

Im Angriff hat Atletico mit Forlán und Agüero zwei Weltklasse-Angreifer. Doch dahinter ist eine große Lücke. Fällt einer der beiden einmal verletzt aus oder gerät in eine Formkrise, so fehlt dann der Spieler, der von der Bank in die Bresche springen könnte. Vergangene Saison war dies noch Florent Sinama-Pongolle, der mit seinem starken Kopfballspiel für manches entscheidende Tor sorgte, doch dieses Jahr herrscht beim Franzosen Ladehemmung.

Fans kennen die Verantwortlichen

Die Fans haben aber schon lange die Hauptverantwortlichen für die Krise ausgemacht: Präsident Enrique Cerezo Torres und Besitzer Miguel Angel Gil Marín. Seit Jahren steht Atletico Madrid für Chaos in der Führungsetage und schafft es nicht, Konstanz in die Clubgeschäfte zu bringen. Trainer kommen und gehen und trotz massiver Investitionen wartet man seit 1996, dem Jahr des Double-Gewinns aus Meisterschaft und Pokal, auf einen Titel.

Diese Saison erklomm das Chaos aber neue bisher unbekannte Höhen. Es begann mit dem Transfer von Johnny Heitinga, der wenige Stunden vor Transferschluss und ohne Wissen von Trainer Resino stattfand. Hinter vorgehaltener Hand soll der damalige Coach den Club später ein Irrenhaus genannt haben.

Die linke Hand weiß nicht, was die rechte macht

Einen Tag nach Ende der Tranferperiode trat Sportdirektor Jesús García Pitarch an die Öffentlichkeit und sagte, dass keine weiteren Transfers mehr möglich gewesen wären da kein Geld mehr da war. Ein erzürnter Präsident Cerezo meldete sich daraufhon zu Wort und sagte, wenn kein Geld mehr da wäre, dann gäbe es auch keinen Grund, einen Sportdirektor zu haben. Woraufhin Gil Marín sich meldete und behauptete, dass doch noch Geld da wäre. Um dem Chaos zu entkommen, fuhr García Pitarch erst einmal in den Urlaub.

Um Ruhe in die Angelegenheit zu bringen und die Fans auf seine Seite zu ziehen, veröffentlichte Gil Marín anschließend Mitte September einen offenen Brief, in dem er die Fans dazu aufrief, Ruhe zu bewahren und den Club zu unterstützen, doch dieser Appell erwies sich als klassisches Eigentor und brachte die Anhänger endgültig auf die Barrikaden.

Präsident und Besitzer sollen gehen

Die Fans forderten den Abgang Cerezos und Gil Marín, die seit Jahren kaum ein Wort miteinander wechseln und deshalb dem Club mehr im Weg stünden als ihm Gutes zu tun. Mitte Oktober versuchte García Pitarch dem von ihm mitverursachten Chaos zu entkommen und wollte gehen, wurde von Präsident Cerezo aber daran gehindert.

Die Hardcore-Atletico-Fans haben endgültig genug von den letzten Überbleibseln des Imperiums von Jesús Gil y Gil und wünschen sich nichts mehr als einen Neuanfang mit neuen Akteuren, sowohl im Management als auch auf dem Rasen.

"Ruhe bewahren"

Diese Woche trat nun Enrique Cerezo an die Öffentlichkeit und rief die Fans dazu auf, die Ruhe zu bewahren: "Wir müssen geduldig bleiben und anfangen zu gewinnen. Wir haben nur sieben Punkte, es ist nicht normal. Ich hoffe, wir kommen aus dieser komplizierten Krise heraus."

Das hoffen auch die Fans. Nach dem Aus in der Champions League gilt nun die ganze Konzentration der spanischen Liga, wo der Abstieg droht. Im Winter sollen neue Spieler eingekauft werden. Wenn es bis dahin nicht schon zu spät ist.

Henning Schulz

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