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Die Gründe für die Probleme von Real Madrid
Die Gründe für die Probleme von Real Madrid
Manuel Pellegrini

Warum präsentieren sich die für 257 Millionen Euro verstärkten Galaktischen von Real Madrid nach tollem Start momentan eher irdisch? Die Erklärung, dies an überirdischen Voodoo-Zaubereien gegen Cristiano Ronaldo liegen könnte, findet sportal.de einfach unterirdisch und sucht daher lieber nach sportlichen Gründen für Reals Probleme.

Die Erwartungshaltung bei Fans und Verantwortlichen ist groß - riesengroß. Mit viel Geld wollte man den Rückstand auf Erzrivale Barcelona endlich wieder wett- und Real fit machen, um in der Champions League nach vielen Jahren eines vorzeitigen Scheiterns endlich wieder ein Wort mitzureden. Nun ist die Situation bei Real auf den ersten Blick eigentlich überhaupt nicht dramatisch. In der Liga rangiert Real (22 Punkte) nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Barcelona (23) auf Platz zwei und in der Champions League ist nach drei Spieltagen mit zwei Siegen und einer Niederlage auch noch nichts verloren.

Allerdings leistete man sich im Pokalhinspiel der ersten Runde eine peinliche 0:4-Klatsche bei Drittligist Alcorcon und offenbarte darüber hinaus in den zurückliegenden sechs Spielen nach einem Saisonstart mit sieben Pflichtspielsiegen in Serie eklatante Schwächen. "Die Schande des Jahrhunderts", titelte die Presse nach der Pokalschmach und forderte im Chor mit den aufgebrachten und erfolgshungrigen Fans sogleich den Kopf des Trainers, der angekündigt hatte, Real schnell sowohl in die Erfolgsspur zu bringen und noch dazu attrraktiven Fußball spielen zu lassen.

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Paris Hilton schließen wir als Grund aus

"Dieser Mann hat keine Ahnung von seiner Arbeit. Es gibt kein Konzept, keine Ordnung und kein System. Er hat diese Mannschaft nicht im Griff und sitzt sorglos auf der Bank", wetterte die Marca und forderte den Coach in großen Lettern auf: "Hau endlich ab!"

Etwas weniger emotional als die spanische Zeitung gehen deutsche Medien der Problematik Real auf den Grund und bemühen sich um Analysen. Die Kollegen von sport1.de sind ganz tief in die Recherche eingestiegen und zitierten das Frauenklatschblatt Life and Style mit einer abstrusen Geschichte über eine Voodoo-Attacke gegen Cristiano Ronaldo. Die vom Portugiesen verschmähte Paris Hilton habe demnach einen Zauberer auf den Kicker angesetzt, dessen schwarze Magie nun für dessen Verletzung und den damit verbundenen Niedergang von Real verantwortlich sein soll.

Zusätzlich wurde noch die Expertenmeinung von Forums-Userin Bibi zitiert, die meinte: "Das mit dem Hexer könnte echt sein! Wieso sollte er sonst nun ständig verletzt sein? Schon zwei Mal hintereinander, das verheilt bestimmt nie." sportal.de bleibt lieber sportlich und sucht die Gründe für Reals aktuellen Probleme.

Die Spieler kommen mit dem neuen System nicht zurecht

Rund 100 Tage ist der Chilene, der mit großen Vorschusslorbeeren aus Villarreal kam, bei Real bereits im Amt. Doch bisher hat er es in der Tat nicht geschafft, der Mannschaft seine Philosophie einzuimpfen. "Ich mag keine festen Flügelspieler, denn wenn sie in einer Eins-zu-Eins-Situation den Ball verlieren, ist die Abwehr entblößt. Entstehende Lücken müssen wir füllen und da müssen auch die Stürmer sich mal fallen lassen und helfen", hatte Pellegrini im Sommer sein taktisches Konzept erläutert.

Theoretisch soll dieses 4-2-2-2 - vereinfacht dargestellt - so funktionieren: Durch das quadratisch angeordenete Mittelfeld soll der Ball in der Zentrale schnell zirkulieren können. Da in der Offensive des pellegrinischen Systems aber die Außen nicht fest besetzt sind, bleibt die gesamte Arbeit auf den Flügeln an den Außenverteidigern hängen. Sie müssen sowohl die Angriffe initiieren, aber auch immer aufpassen, nach Ballverlusten schnell wieder zurückzueilen, um ihre Defensivarbeit zu verrichten. Die defensiven Mittelfeldspieler fungieren in dem System für ihre nach vorne stürmenden Außenverteidiger als Absicherung, sind aber darauf angewiesen, dass sich die offensiven Mittelfeldspieler im Bedarfsfall fallen lassen und die Zentrale übernehmen.

Was theoretisch einfach klingt, ist in der Praxis aber schwer umzusetzen, sogar für Weltklassespieler. Zu Saisonbeginn, als die Gegner noch Respekt vor dem Starensemble Real hatten und die Spieler ihre individuelle Klasse zum Tragen brachten, wurden die hier bestehenden Lücken der Königlichen noch übertüncht. Doch spätestens bei der Niederlage gegen Sevilla, der Champions League-Schlappe gegen Milan oder der Demütigung im Pokal bei Alcorcan, als ein Großteil der Gegentore ausgerechnet über außen vorbereitet worden war, wurde überdeutlich, dass die Räder hier noch nicht wie gewünscht ineinander greifen.

Rotation, viele Verletzten oder zu Ronaldo-abhängig?

Einige Kritiker machen dafür Pellegrinis Rotation verantwortlich. Sie würde die Spieler verwirren. Weiter unkten sie, der Coach rotiere nur, um in der mit Stars gespickten Truppe ja keine Unruhe aufkommen zu lassen und jedem Spieler möglichst viel Spielpraxis zu garantieren. Sportdirektor Jorge Valdano verwies in einer Rechtfertigung aber auch auf die zeitweise recht lange Verletztenliste (u.a. Gonzalo Higuain, Karim Benzema, Xabi Alonso, Pepe...), die Umstellungen nötig gemacht hätten. Am schwersten wog natürlich der Ausfall von Cristiano Ronaldo.

Mit dem Portugiesen hatte man in sieben Pflichtspielen in Liga und Champions League in Folge gewonnen, wobei Ronaldo neun Treffer erzielen konnte. Seit seinem Ausfall hingegen verlor Real drei Mal, spielte ein Mal Remis und gewann nur zwei Spiele. Nackte Zahlen, die einen weiteren Grund für die Schwierigkeiten der Königlichen illustrieren und Marca zu folgender These verleiteten: "Real leidet an einer CR9-Abhängigkeit."

Pellegrini hat sein System ganz und gar auf Ronaldo ausgerichtet. Er gewährt dem teuersten Spieler der Welt im Prinzip alle Freiheiten, so dass dieser seine Klasse ausspielen kann. Ronaldo darf sowohl auf die nicht besetzten Außen ausweichen und das Angriffsspiel von dort beleben, aber auch nach Belieben in die Mitte ziehen. Ohne Ronaldo fehlen dem Spiel derartige Impulse. Der Trainer sieht da die anderen Spieler in der Pflicht und fordert: „Das Team muss solche Ausfälle kompensieren."

Neuzugänge bleiben hinter den Erwartungen zurück

Doch auch das gelingt nicht. Etablierte Stars wie Iker Casillas schwanken derzeit in ihren Leistungen zu sehr. Der Keeper war nicht nur gegen den AC Milan nicht immer ganz auf der Höhe, sah gegen die Italiener im Hinspiel an zwei Gegentoren nicht glücklich aus. Auch Rechtsverteidiger Sergio Ramos füllt seine Rolle nicht immer unbedingt sicher aus, wirkt auf dem Flügel allein gelassen.

Aber auch die potentiellen neuen Leistungsträger Xabi Alonso und Karim Benzema rufen momentan einfach zu wenig ab. Das gilt auch für Neuzugang Kaká, der sich im System von Pellegrini nicht zurecht findet. In Abwesenheit von Ronaldo muss er dessen Part mit übernehmen. Doch der Brasilianer ist anders als der Portugiese niemand, der gern auch mal auf die Flügel ausweicht.

Immer wieder kommt er aus der Zentrale, wo es jedoch im taktischen Grundkonzept des Coaches her dann einfach zu eng wird. Stimmen, die kritisch anmerken, das System passe einfach nicht zum vorhandenen Spielermaterial konterte Kaká jedoch selbst und erklärte, wie wohl er sich doch im 4-2-2-2 fühle: "Ich liebe diese Formation, denn hier hat man als Spieler die Freiheit hinzulaufen, wo man möchte, wenn man den Ball hat, man ist nicht so eingepfercht in ein starres Konzept."

Real ist noch keine Mannschaft

Doch damit alle diese Rädchen auch vortrefflich ineinander greifen können, ist eines Grundvoraussetzung, dass "die Profis mehr für die Mannschaft spielen und nicht nur als Solisten auftreten", erklärte kürzlich Real-Legende Alfredo di Stefano. Doch davon ist Real derzeit noch weit entfernt. Real lebt nicht vom Kollektiv, sondern von einer Ansammlung von Individualisten. Dazu trägt sicher auch bei, dass durch die teuren Neuzugänge Ronaldo, Kaká und Karim Benzema die bestehende Hackordnung der letzten Saison gehörig durcheinander gewirbelt wurde.

Ein Gonzalo Higuain z.B., der noch in der letzten Saison mit vielen Toren den Durchbruch geschafft hatte und in der teaminternen Hierarchie aufgestiegen war, fand sich plötzlich auf der Bank wieder. Klar, dass dies für internen Ärger sorgt. Bis sich die Rangordnung neu sortiert haben wird und jeder persönliche Animositäten und Ansprüche zu Gunsten des Teams zurückschraubt, wird sicherlich noch etwas Zeit benötigt.

Zeit, aber eigentlich auch eine Autoritätsperson als Trainer. Aber der Respekt gegenüber Pellegrini ist Berichten zu Folge offenbar schon erheblich angekratzt. So soll Guti den Coach in der Halbzeitpause der Pokalpleite gegen Alcorcon höflich aufgefordert haben, ihn doch mal an seinen vier Buchstaben zu lecken. Öffentlich dementieren zwar alle Beteiligten, verwunderlich ist jedoch, dass der Mittelfeldspieler seitdem nicht mehr in den Kader der Königlichen berufen wurde, Guti selbst zunächst erklärt hatte, fit zu sein, der Coach dessen Nichtnominierung aber mit einer Verletzung begründete.

Kontinuität bei Real fehlt - Der Club muss umdenken

Viele Baustellen, um die zu bearbeiten Pellegrini nicht allzuviel Zeit bekommen wird, denn obwohl ihm der Präsident nach dem Sieg in Unterzahl gegen Getafe eine Jobgarantie bis Saisonende gab („Ich bin sicher, dass Pellegrini bis zum Ende der Saison im Amt bleiben wird"), glauben nur wenige daran, dass der Coach das tatsächlich schaffen sollte, wenn es weitere Nackenschläge - eine Niederlage gegen den AC Milan z.B. - geben sollte.

Zuletzt lief es immer so bei Real: Es wurden neue Spieler in der Großpackung gekauft, ein neuer Trainer installiert, doch stellte sich der Erfolg nicht binnen kürzester Zeit ein, wurde das gesamte Konzept in Frage gestellt, der Trainer entlassen und weitere neue Spieler dazugekauft, die wiederum mit Integrationsproblemen zu kämpfen hatten. Geld schießt eben keine Tore. Das hätte Perez bereits in seiner ersten Amtszeit von 2000 bis 2006 einsehen müssen, als er nach der Entlassung von Vicente del Bosque reihenweise Trainer verschliss. Der Erfolg blieb aus, Real blieb drei Jahre titellos - auch seitdem ist von Dominanz in der Liga trotz zweier Meisterschaften 2007 und 2008 nichts zu sehen - zuletzt hatte man neun Punkte Rückstand auf Barca.

Vielleicht hat der Präsident in seiner zweiten Amtszeit aber aus seinen alten Fehlern gelernt, setzt auf Kontinuität und gibt Pellegrini die Chance, wirklich nachhaltig etwas bei Real Madrid zu bewirken und aus seiner Staransammlung ein echtes Team zu formen. Denn um wieder dauerhaft eine dominante Rolle in Spanien und Europa zu spielen, braucht der Club Ruhe, Gelassenheit und Geduld. Dass der Chilene erfolgreich arbeiten kann, hat er in mit viel kleineren Mitteln bei Villarreal eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Malte Asmus

FUSSBALL | CHAMPIONS LEAGUE
Bayern im Glück - Hammerlos für Leverkusen
Aus Bayern-Sicht hat Paul Breitner alles richtig gemacht. Seinem Club bescherte die Glücksfee in Nyon den vermeintlich leichten FC Basel als Achtelfinalgegner, während er Bayer Leverkusen ausgerechnet Topfavorit und Titelverteidiger FC Barcelona aus dem Topf zauberte. 
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