''Nervöse'' Bayern gegen Bordeaux zum Siegen verdammt

Mark van Bommel
Noch ist bei den Bayern alles im Lot, bei einer Pleite gegen ein selbstbewusstes Girondins Bordeaux könnte die Welt von Trainer Louis van Gaal schnell aus den Fugen geraten. Uli Hoeneß gibt sich "ziemlich nervös".
Auch van Gaal spürt die "Anspannung" - bei den Münchnern geht die Angst vor dem Champions-League-K.o. um. Im Heimspiel gegen Bordeaux ist der mit großen Ambitionen gestartete deutsche Rekordmeister auch ohne die verletzten Angreifer Franck Ribéry und Ivica Olic sowie die gesperrten Leistungsträger Daniel van Buyten und Thomas Müller zum Siegen verdammt. "Wir wollen weiterkommen, darum müssen wir gewinnen", sagte Trainer Louis van Gaal vor dem Schlüsselspiel in der Allianz Arena. Dabei setzen die Münchner auch auf die Historie, dann da zu sein, wenn es drauf ankommt. "Das ist Tradition bei Bayern München", meinte van Gaal.
Wie ernst die Lage ist, bewies Mark van Bommel: Der Kapitän warb sogar öffentlich um die Unterstützung der 66.000 Zuschauer. "Das Publikum kann uns auch helfen." Nur als Teilzeit-Hoffnungsträger kommt dagegen Arjen Robben nach seiner Knie-Operation infrage. "Er kann nicht 90 Minuten spielen, vielleicht 30, 35", meinte van Gaal: "Er hat aber auch als Joker immer Tore gemacht, das ist wichtig."
Robben als Joker
Eine Niederlage wäre fatal - für den FC Bayern und van Gaal. "Ich weiß, wie wichtig das Weiterkommen ist. Anspannung ist aber nicht verkehrt, sondern sie ist eine Herausforderung für die Spieler und für mich selbst", gestand der Coach. Bordeaux wäre bei einem Erfolg bereits als erstes Team für das Achtelfinale qualifiziert. Mit vier Zählern sind die Bayern in Gruppe A nur Dritte hinter Girondins (7) und Juventus Turin (5). Wer wird Erster und Zweiter, wurde van Gaal gefragt - und der Niederländer antwortete mit einem Lächeln: "Das können wir nicht sagen - ich bin kein Gott!"
Gewiss ist, dass die Bayern "Druck haben", wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bekannte. "Wir wissen, worauf es ankommt. Wir müssen die beiden Heimspiele gegen Bordeaux und Haifa gewinnen", sagte Torwart Jörg Butt, der im Hinspiel zwei Elfmeter gehalten hatte. Erst einmal bei den vorangegangenen zwölf Königsklassen-Starts schieden die Bayern in der Vorrunde aus - 2002 als blamabler Gruppenletzter.
Der direkte Vergleich zählt
Da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, ist nach dem 1:2 vor zwei Wochen ein Sieg mit zwei Toren Unterschied im Rückspiel praktisch Pflicht - mit einer Ausnahme. "Es reicht ein 1:0", sagte van Gaal: "Ich bin sehr froh, dass wir unsere Chancen noch in der eigenen Hand haben." Der Holländer machte seinem Team zwei Auflagen: "In jedem Fall wollen wir das Spiel mit elf Mann beenden", sagte er in Anspielung auf die Platzverweise von Müller und van Buyten im Hinspiel. Zudem sollen weniger Standards zugelassen werden; im Hinspiel fielen die Gegentore nach Eckball und Freistoß. "Wir müssen schlau spielen", mahnte auch van Bommel. Abwehrchef van Buyten wird durch Martin Demichelis ersetzt. "Ich habe viel Vertrauen in ihn", sagte van Gaal. Luca Toni und Miroslav Klose sollen in der schwächelnden Offensive für Tore sorgen.
Frankreichs Meister reiste mit breiter Brust nach München an. Mit einem 1:0 im Topspiel gegen AS Monaco behauptete die vom früheren Bayern-Amateur Alou Diarra angeführte Mannschaft die Tabellenführung in der Ligue 1. "Wir müssen uns steigern, das ist logisch", merkte van Bommel nach der Langweiler-Nullnummer in der Bundesliga beim VfB Stuttgart an. Innerhalb des Teams sei die Lage aber "ziemlich ruhig", behauptete der Kapitän und verwies auf die immer wiederkehrende Alarmstimmung rund um den FC Bayern. "Wenn wir gewinnen, ist es normal. Ein Unentschieden ist eine Katastrophe - und wenn wir verlieren, geht die Welt fast unter", zählte van Bommel auf. Diesmal hat er Recht.