So viel Abwehrverhalten gab es selten von Maik Franz zu sehen
Nach dem knappen Erfolg in der Liga hatte sich der FC Bayern auf ein hartes Stück Arbeit in Frankfurt eingestellt. Es kam anders. Die Eintracht ging mit 0:4 unter und winkte die Münchner kampflos durch ins Viertelfinale des DFB-Pokals. sportal.de sah spielfreudige Bayern und erschütternd schwache Frankfurter.
Im Vergleich zum Duell vor ein paar Tagen nahm Eintracht-Coach Michael Skibbe zwei Veränderungen vor. Für Selim Teber rückte Markus Steinhöfer in die Startelf, im Angriff durfte Martin Fenin für Nikos Liberopoulos sein Glück versuchen. Taktisch gab es eine weitere Neuerung. Patrick Ochs rückte aus dem Mittelfeld auf die rechte Abwehrseite, dafür kam Chris als Sechser zum Einsatz.
Louis van Gaal kam bei den Bayern dagegen mit einer Umbesetzung aus. Danijel Pranjic musste auf die Bank, seinen Platz auf der linken Abwehrseite übernahm Edson Braafheid. Mario Gomez und Martin Demichelis mussten sich das Geschehen zunächst von außen anschauen.
Fünf Minuten Hoffnung
"Wir müssen besser Fußball spielen. Nur wenn wir uns selbst steigern gegenüber der ersten Halbzeit in München, haben wir eine realistische Chance", so lautete Skibbes Einschätzung vor der Partie gegen den Rekordmeister.
Die ersten fünf Minuten vor 51.500 Fans in der Commerzbank Arena dürften die Hoffnung des Trainers auf eine erfolgreiche Umsetzung dieser Vorgabe noch genährt haben. Seine Mannschaft wirkte engagiert und wesentlich mutiger als bei dem ängstlichen und zaghaften Auftritt in München. Der Heimvorteil schien sich in dieser Hinsicht auszuwirken. In der sechsten Minuten gab es sogar den Hauch einer Torchance, als Alexander Meier bei einer Steinhöfer-Flanke einen Schritt zu spät kam.
Wo ist die Eintracht-Abwehr?
Keine 120 Sekunden später sollte Skibbe an der Seitenlinie das erste Mal stutzig geworden sein. Nach einem Freistoß von Mark van Bommel im Mittelfeld kam Daniel van Buyten sieben Meter vor dem Tor in halbrechter Position völlig ungedeckt zum Kopfball und verfehlte den Kasten nur denkbar knapp. Die Frankfurter Viererkette Ochs, Spycher, Russ und Franz war in dieser Szene überhaupt nicht im Bilde.
Und das sollte nur der Anfang sein. Der FC Bayern war inzwischen Herr der Lage und legte sich den Gegner langsam zurecht. Thomas Müller zielte in der 13. Minute aus zentraler Position noch vorbei, doch schon der nächste Angriff sollte zum Erfolg führen. Van Bommel lupfte den Ball aus dem Mittelfeld in die Spitze. Drei Frankfurter standen in der Nähe von Miro Klose, doch keiner griff ernsthaft ein. Der Nationalstürmer lief auf Oka Nikolov zu und überwand den Keeper mit einem Lupfer zum 0:1.
Frankfurt war überhaupt nicht mehr präsent auf dem Platz und überließ den Bayern kampflos das Feld. Wie im Training folgte ein Torschuss dem nächsten. Müller verfehlte erneut das Tor (16.), ehe Klose seinen zweiten Treffer nachlegte. Müller ließ auf der linken Seite Franz locker aussteigen und legte zurück an die Strafraumgrenze. Dort wartete Klose, der von Russ nicht entscheidend attackiert wurde und Nikolov mit einem Flachschuss bezwang.
Stimmen zum Spiel:
1/4
Heribert Bruchhagen: "Bayern war uns in allen Belangen überlegen. Wir sind förmlich deklassiert worden."
Schlimmer Aussetzer von Maik Franz
Die Stimmung in der Arena war auf dem Nullpunkt und Frankfurt ergab sich seinem Schicksal. Kein Biss, kein Kampf, keine Emotionen und ein katastrophales Abwehrverhalten - die Eintracht gab ein erschütterndes Bild ab. Anatoliy Timoshchuk wurde in der 20. Minute zu einem Schussversuch eingeladen, doch Nikolov konnte sich mit einer Parade auszeichnen.
Diese Chance wurde ihm in der nächsten Szene nicht gewährt. Maik Franz versuchte sich mit einem Rückpass zu seinem Keeper, traf die Kugel aber nicht richtig. Klose spritzte dazwischen und spielte uneigennützig quer auf Thomas Müller, der zum 0:3 einschob. 29 Minuten waren gespielt und man musste beinahe Angst um die Eintracht haben.
Doch die Bayern hatten offenbar Mitleid und nahmen nun das Tempo aus dem Spiel. Von nun an spielte sich das Geschehen nahezu ausschließlich 20 Meter rechts und links der Mittellinie ab. Dem Pausenpfiff folgte ein Pfeifkonzert der Eintracht-Fans und elf Frankfurter Profis schlichen mit hängenden Schultern in die Kabine.
Skibbe wechselt offensiv, Bayern trifft
Van Gaal nutzte die klare Führung und brachte Demichelis für van Buyten. Ob Skibbe noch ernsthaft an eine Wende in diesem Spiel geglaubt hat, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall wechselte er mit Liberopoulos und Teber noch einmal geballte Offensivkraft ein. Bajramovic und Steinhöfer wurden dafür erlöst. Der gezeigte Wille mag Skibbe ehren, doch zwei zusätzliche Abwehrspieler wären wohl die bessere Alternative gewesen.
Warum, das zeigte sich schon wieder in der 52. Minute. Erneut tanzte Mülller auf der linken Seite Franz aus. Er flankte in die MItte und fand Luca Toni, der per Kopf zum 0:4 einnetzte. Bewacher Christoph Spycher schaute sich das aus sicherer Distanz an.
Wie schon in Halbzeit eins konnten die Hessen froh sein, dass die Münchner nicht mit Vollgas weiterspielten. Die Partie plätscherte vor sich hin und so bekamen die tapfer sich selbst feiernden Eintracht-Fans sogar einen Torschuss der eigenen Mannschaft zu sehen. Meier verzog eine schöne Direktabnahme nur knapp (58.).
Liberopoulos verweigert das Geschenk
Weiter Höhepunkte in der Partie waren dann zunächst einige Wechsel. Pranjic kam zunächst für Klose (59.), später durfte auch noch Mario Gomez für Bastian Schweinsteiger aufs Feld (69.).
Tatsächlich kam noch einmal etwas Leben in die Partie. So versuchte sich Badstuber aus acht Metern mit einem Drehschuss, doch Nikolov war zur Stelle. Auf der anderen Seite war Bayern-Keeper Jörg Butt mangels Beschäftigung wohl etwas schläfrig geworden und schob nach einem Rückpass die Kugel direkt in die Füße von Liberopoulos. Der nahm das Geschenk jedoch nicht an und schoss am Kasten vorbei (72.).
Das Spiel quälte sich seinem Ende entgegen. Die Bayern hatten noch eine gute Chance durch Toni, auf der anderen Seite hatte Liberopoulos mit einem Kopfball Pech. Dann war es endlich geschafft, die Bayern stehen nach einem in dieser Höhe völlig verdienten 4:0-Erfolg im Pokal-Viertelfinale.
Einziger Wermutstropfen aus Münchner Sicht an diesem Abend war die Tatsache, dass die phasenweise wirklich gute eigene Leistung von der erschütternden Darbietung der Eintracht überschattet wurde.