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Die Zukunft des Bundesliga-Fußballs
Die Zukunft des Bundesliga-Fußballs
FIFA-Präsident Joseph Blatter wird die 6+5-Regelung nicht einführen dürfen

Ein Samstag im Mai 2030. Hoffenheim und Wolfsburg stehen sich im dritten und entscheidenden Finale um die Deutsche Fußball-Meisterschaft gegenüber. Bereits in der zweiten Minute nutzen die Gastgeber nach einer strittigen Entscheidung eines ihrer drei Veto-Rechte. Sie bemühen den Videobeweis.

Die 80.000 Fans im Stadion halten den Atem an, die Millionen Zuschauer vor den Fernsehern, Computern und Mobiltelefonen werden unverzüglich zielgruppengerecht mit Werbeeinblendungen versorgt. Kurz darauf präsentiert ein Sponsor, der Produzent einer Anti-Aging-Creme, die Entscheidung: Strafstoß! Hoffenheim nutzt die Gelegenheit zur frühen Führung. Nach 2 x 30 Minuten Nettospielzeit liegt der Favorit schließlich mit 5:3 vorn. Die Kraichgauer feiern damit nicht nur den vierten Titel der Vereinsgeschichte, sondern auch die Qualifikation für die lukrative Euro League, in der sie sich im folgenden Jahr unter anderem mit den übermächtigen Vertretern der russisch-ukrainischen Liga messen dürfen.

Das Bild, das Experten der Berenberg Bank und des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) vom Fußball der Zukunft zeichnen, ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Detailliert haben die Ökonomen darin skizziert, wie sich die weltweit beliebteste Sportart in den kommenden zwei Jahrzehnten entwickeln könnte.

Dr. Henning Vöpel, Senior Economist im Bereich Wirtschaftliche Trends am HWWI, erklärt den Ansatz: "Wir haben einfach geguckt, welche Faktoren in der Vergangenheit den Fußball bestimmt haben, wie sie sich voraussichtlich in der Zukunft entwickeln werden, wie sie interagieren - und was das wiederum für den Fußball bedeutet."

Insgesamt sechs Einflussfaktoren wurden ausgemacht: In der Politik erwarten die Autoren der Studie ein Voranschreiten des europäischen Einigungsprozesses. Die Veränderung der Gesellschaft werde vor allem durch eine stärkere Freizeitorientierung und Individualisierung geprägt sein, die regionale Identifikation hingegen abnehmen. Auch die Globalisierung der Wirtschaft werde nach überstandener Finanz- und Weltwirtschaftskrise fortgeführt, die Märkte sollten sich also weiter öffnen und zusammenwachsen. Die demografische Entwicklung werde durch eine alternde und schrumpfende Bevölkerung gekennzeichnet sein, somit dürften im Jahr 2030 auch viele Freizeitangebote und Konsumprodukte auf die Präferenzen älterer Menschen ausgerichtet sein. Nicht zuletzt hätten auch technologische Neuerungen Einfluss auf den Fußball, beispielsweise in der Übertragungstechnik. Zudem werde auch der Siegeszug der neuen Medien das Nutzerverhalten, die Formate und Inhalte der Berichterstattung beeinflussen. Printmedien dürften tendenziell an Bedeutung verlieren, elektronische Medien im Gegenzug gewinnen.

Bewahrer vs. Modernisierer

Gleichzeitig verweist Vöpel auf eine wichtige Besonderheit des Fußballs: "Die gesamte Branche ist überdurchschnittlich konservativ veranlagt und nur wenig innovationsfreudig. Das gilt für die Entscheider wie auch für die Fans." Der Kreis der Trainer und Manager rekrutiere sich fast ausschließlich aus ehemaligen Spielern, von außen kämen kaum Impulse. "Veränderungen werden grundsätzlich eher als Bedrohung denn als Chance empfunden." So entstehe ein permanenter Konflikt zwischen Bewahrern und Modernisierern. Auf der einen Seite stehe die sozialromantische Verklärung der guten alten Fußballzeiten, auf der anderen Seite dominiere die Auffassung von Fußball als lukrativem Business. In diesem Spannungsfeld vollzögen sich auch alle möglichen Veränderungsprozesse nur sehr langsam.

Die Spielermärkte, so prophezeien die Finanzspezialisten, werden auch im Jahr 2030 noch offen sein - eine deutliche Absage also für die vom Weltverband FIFA befürwortete "6+5-Regel". Dessen Wunschvorgabe, dass in nationalen Vereinsmannschaften ab dem Jahr 2013 mindestens sechs einheimische Spieler eingesetzt werden müssen, stelle nicht nur eine Einschränkung von Arbeitsmöglichkeiten auf Grund der Nationalität dar und verstoße somit gegen eherne Grundsätze des EU-Rechts. Zudem sei in Zeiten fortschreitender Globalisierung jede Ausländerklausel ohnehin ein Anachronismus.

Kein deutscher Pass - und trotzdem in der DFB-Auswahl?

"Nationalstaaten spielen in Zukunft eine immer geringere Rolle", ist Vöpel überzeugt. Er geht in seiner Prognose sogar davon aus, dass in 20 Jahren auch Ausländer für Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Selbst wenn eine vollständige Liberalisierung nicht zu erwarten sei, würden doch voraussichtlich zumindest die Kriterien aufweichen, die für die Spielberechtigung für das Nationalteam vorliegen müssen. Ein bestimmtes Kontingent von Spielern ohne den Pass des jeweiligen Landes könnte dann die Spielberechtigung erhalten, beispielsweise nach einer gewissen Vertragszeit in der dortigen Liga. "Wir haben ja gerade den Fall erlebt, dass Argentinien große Probleme hatte, sich für die kommende WM zu qualifizieren. Auf einen Weltstar wie Lionel Messi will die FIFA aber bei diesem Großereignis schon aus Vermarktungsgründen nicht verzichten", führt Vöpel aus. "Ein Weg aus diesem Dilemma wären Sonderregelungen in den Qualifikationsrunden. Die Alternative ist tatsächlich, dass Messi, der in Barcelona spielt, dann vielleicht eben für Spanien aufläuft."

Schon heute absolvierten Bundesligisten komplette Spiele ohne einen einzigen deutschen Akteur, der Zuschauerzuspruch lasse trotzdem nicht nach. Es sei nur konsequent, dass die Internationalisierung des Sports früher oder später auch die Nationalteams erfasse, erklärt Vöpel weiter. "Das ist zwar momentan noch relativ weit von der Realität entfernt, aber vorstellbar."

Vor allem dürfte jedoch die ständige Suche nach zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten den Fußball verändern. Die Studie prophezeit das Ende der zentralen Fernsehvermarktung sowie des staatlichen Wettmonopols. Meisterschaftsspiele im Ausland halten die Ökonomen für ebenso wahrscheinlich wie eine weitere Aufsplitterung des Bundesliga-Spieltags. "Je weniger Spiele gleichzeitig stattfinden, desto mehr Nachfrage können die einzelnen Vereine absorbieren", heißt es in der Studie. Auch auf die jetzt schon diskutierten Spiele zur Mittagszeit, die in Asien entsprechend zur bestmöglichen Sendezeit begännen, müsse sich der Zuschauer einstellen.

Ein losgelöstes Endspiel zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Punktrunde oder gar eine komplette Playoff-Phase könnten künftig über den Titel entscheiden. Zusätzliche Partien mit hohem öffentlichen Interesse - dieser Ansatz habe in der vergangenen Saison ja bereits zur Wiedereinführung der Abstiegsrelegation geführt.
Auch der vielfach schon aus sportlichen Gründen geforderte Videobeweis werde wohl in den kommenden Jahren eingeführt, bietet die erforderliche Beratungspause des Schiedsrichtergespanns den TV-Stationen doch endlich die Möglichkeit, auch während der Spielhälften Werbeblöcke zu platzieren.

Der Mehrheitseigner - bald auch ein Modell für die Bundesliga?

Zusätzlich erwarten die Ökonomen auch das Ende der "50+1-Regel", wonach bislang deutsche Vereine in Aktien- oder Kapitalgesellschaften stets 50 Prozent plus eine Stimme halten müssen, um vor externen Einflüssen geschützt zu sein. Vöpel: "Das Argument für diese Beschränkung ist ja immer: Den ersten Investor kann man sich noch aussuchen; wenn der dann aber aussteigt, und es geht um die Anschlussfinanzierung, dann kann man sich den zweiten eben nicht mehr aussuchen. Wer das wird, liegt dann komplett in der Hand des Mehrheitsinvestors." Der Druck, im internationalen Wettbewerb zu bestehen, werde wahrscheinlich dennoch dazu führen, dass auch Bundesligisten bald von Mehrheitseignern übernommen werden können.
Denkt man jedoch beispielsweise an die massiven Proteste englischer Fans, die in den vergangenen Jahren erlebten, wie ausländische Kapitalgeber das Kommando in ihren Vereinen übernahmen, dürfte diese Metamorphose auch hierzulande nicht ganz geräuschlos über die Bühne gehen. Was ist dem Fußball-Fan noch zuzumuten? Wo liegt seine Schmerzgrenze?

Man müsse grundsätzlich unterscheiden, erklärt Vöpel. Traditionelle Anhängerschaften wendeten sich ja tatsächlich schon heute infolge der Kommerzialisierung ab. Bei vielen Zuschauern stehe derweil aber der kurzfristige Eventkonsum im Mittelpunkt des Fußballerlebnisses. "Und inzwischen ist es eben die wachsende Gruppe dieser Event-Fans, die bestimmt, wohin der Fußball geht - während es früher vor allem die Traditionalisten waren."

"Der traditionelle Fußball-Fan spielt keine Rolle mehr."


Einen Fanprotest, wie er sich aktuell in Liverpool regt, weil die beiden US-amerikanischen Eigentümer nicht anerkannt werden, nehme die Öffentlichkeit zwar wahr, er bewirke letztlich aber nichts mehr. "Die Eventzuschauer, die vielleicht an den Werten und der Geschichte eines Clubs gar nicht mehr so sehr interessiert sind, die dominieren zunehmend", beschreibt Vöpel. "Der traditionelle Fußball-Fan und seine Präferenzen spielen, so ernüchternd das klingen mag, keine Rolle mehr."

Die 36 deutschen Erst- und Zweitligisten haben im Spieljahr 2008/09 einen Gesamtertrag von etwa zwei Milliarden Euro erwirtschaftet. Für die kommenden Jahre erwarten die Experten der Berenberg Bank und des HWWI weiterhin eine Wachstumsrate, die doppelt so hoch ist wie die des Bruttoinlandsprodukts. Gerade weil der Fußball sich zu einem so gewaltigen Wirtschaftsfaktor entwickelt habe, werde er sich den Gesetzen des Marktes nicht entziehen können. Gänzlich beugen sollte er sich allerdings auch nicht.

"Die Kommerzialisierung ist schon ein Problem", gibt Vöpel schließlich zu bedenken. "Im Fußball zählt halt dieses Versprechen an den Zuschauer, durch ehrliche Arbeit, durch Kompetenz, durch überlegene Technik alles erreichen zu können. In dem Moment, wo geballte Finanzkraft das verdrängt, wird die Glaubwürdigkeit untergraben. Da sehe ich schon eine Gefahr."

Christian Helms

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Keinen Zentimeter bewegt
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Die Saisontore 14 und 15 von Claudio Pizarro reichten Werder Bremen nicht, um in Freiburg drei Punkte mitzunehmen.
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Nürnberg - Dortmund 0:2
Leverkusen - Stuttgart 2:2
Schalke - Mainz 05 1:1
Hoffenheim - Augsburg 2:2
Wolfsburg - M'gladbach 0:0
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Hamburg - FC Bayern 1:1
Freiburg - Bremen 2:2
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