Beim IF Brommapojkarna spielen in dieser Saison 250 Mannschaften
Sie sitzen bei „Wer wird Millionär?". Es geht um eine Million Euro. Und Günter Jauch fragt Sie nach dem größten Fußballclub Europas. Antworten Sie jetzt nicht Real Madrid, nicht FC Barcelona und auch nicht Manchester United. Sagen Sie stattdessen: IF Brommapojkarna. sportal.de stellt den schwedischen Club vor.
Der Verein aus dem Stockholmer Stadtteil Bromma hat in dieser Saison 250 (!) Mannschaften, die allesamt im regulären Ligabetrieb spielen. Damit tragen in diesem Jahr rund 4000 Spielerinnen und Spieler in zehn verschiedenen Altersklassen das schwarz-rot gestreifte Trikot des Clubs aus dem Westen der schwedischen Hauptstadt.
Jung und erfolgreich
Der Idrottsföreningen Brommapojkarna - zu Deutsch in etwa der „Sportverein der Bromma-Jungs" - wurde erst im Jahr 1942 gegründet und gehört damit zu den jüngeren Fußballvereinen in Stockholm. Zum Vergleich: Die Lokalrivalen AIK und Djurgården, Schwedens populärste Clubs, sind jeweils weit mehr als 110 Jahre alt.
Angesichts dieser Konkurrenz überrascht es nicht, dass man bei Brommapojkarna von Anfang an auf den Nachwuchs setzte. Erstmals gewann mit der A-Jugend im Jahr 1976 eine Mannschaft den nationalen Meistertitel, dem bis heute viele weitere folgen sollten. Insgesamt stemmten die A-Jugendlichen bereits viermal den schwedischen Meisterpokal in die Höhe, zuletzt 2008, während in der B-Jugend sogar schon sechs Meisterschaften bejubelt werden konnte.
„Who is Who" des schwedischen Fußballs
In der landesweit angesehenen Nachwuchsakademie von „BP" haben über die Jahre schon viele herausragende Fußballer das Kicken gelernt. Die Liste der Absolventen jedenfalls liest sich wie ein „Who is Who" des schwedischen Fußballs: Am bekanntesten dürfte Anders Limpar sein, der in den frühen 1990er Jahren für Arsenal London und den FC Everton spielte und 1994 mit der schwedischen Nationalmannschaft WM-Dritter wurde.
Innenverteidiger Daniel Majstorovic wechselte von Brommapojkarna zum damaligen Zweitligisten Fortuna Köln und wurde dort auf Anhieb Stammspieler. Später trug der Nationalspieler (34 Länderspiele) auch noch die Trikots von Twente Enschede, des FC Basel und aktuell von AEK Athen. Pascal Simpson war ebenfalls schwedischer Nationalstürmer und spielte sich im Jahr 1997 mit einem Treffer gegen den großen FC Barcelona in die Herzen der schwedischen Fans. Und Tomas Gustafsson - auch bekannt als Tomas Antonelius, nach dem Namen seiner Schwester, den er wählte, um Verwechslungen zu vermeiden - war Leistungsträger in Coventry und beim FC Kopenhagen und erlebte für Schweden die Europameisterschaft 2000 sowie die WM 2002.
Jugend auf dem Sprung
Nicht selten verließen die besten Spieler Brommapojkarna bereits in jungen Jahren. Bojan Djordjic zum Beispiel wechselte im Jahr 2000 schon als Jugendspieler zu Manchester United, wo er allerdings nur zweimal in der ersten Mannschaft auflief, aber immerhin die Auszeichnung als „Young Player of the Year " gewann. Später spielte er für Sheffield, Roter Stern Belgrad und die Glasgow Rangers.
Den Finnen Daniel Sjölund lockte West Ham United mit erst 16 Jahren von „BP" nach England. Wenig später wurde der frühere Bromma-Junge für die stattliche Summe von einer Million Pfund vom FC Liverpool verpflichtet.
2008 schließlich entschied sich Albin Ekdal für einen Wechsel zum italienischen Spitzenclub Juventus Turin, nachdem er zuvor bereits Angebote von Chelsea London und Inter Mailand angelehnt hatte, um zunächst noch die Schule in Schweden abschließen zu können. Ekdal, der inzwischen an den AC Siena ausgeliehen wurde, um sich dort weiterentwickeln zu können, wird von den Medien mit dem legendären Fredrik Ljungberg verglichen, dem womöglich besten schwedischen Mittelfeldspieler aller Zeiten.
Ewiger Kreislauf
Der regelmäßige Verlust der besten Spieler - für einen kleinen und wenig finanzstarken Club wie Brommapojkarna gehört er zum Fußballgeschäft wie das Amen in die Kirche. Doch im Westen Stockholms hat man sich mit diesem ewigen Kreislauf arrangiert und ihn sogar als eine Art Geschäftsmodell für sich kultiviert, wie Nachwuchskoordinator Tommy Söderström erzählt.
„Es ist sehr wichtig für uns, immer wieder neue Spieler zu entdecken und zu fördern und sie dann an die großen Vereine zu verkaufen", sagt Söderström. „Wenn Arsenal oder Juventus anklopfen, dann wünschen wir den Jungs alles Gute", versucht er noch nicht einmal die besten Spieler zum Bleiben zu bewegen. Erst 2006 gelang der Aufstieg
Doch der Spielerschwund hat auch seine Nachteile. Über Jahre hinweg dümpelte die Profimannschaft von Brommapojkarna in den Niederungen des schwedischen Fußballs und pendelte zwischen der zweiten und dritten Liga hin und her. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts konnte man sich endgültig in Liga 2 (Superettan) etablieren.
Im Jahr 2006 bezwangen die „Bromma-Jungs" in der Relegation sensationell BK Häcken Göteborg und stiegen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die erste Liga (Allsvenskan) auf. Als Tabellenletzter ging es von dort in der folgenden Saison postwendend wieder nach unten. Doch schon 2008 (in Schweden wird im Jahresrhythmus gespielt) folgte der erneute Aufstieg. Derzeit belegt „BP" mit fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze Platz 13 in der 16er-Liga und könnte somit erstmals den Klassenerhalt schaffen und zwei Jahre in Folge in der höchsten Spielklasse vertreten sein.
Zu den Leistungsträgern des aktuellen Teams - und damit wohl auch zu den potentiellen Abgängen in der kommenden Spielzeit - gehören der erst 20 Jahre alte Torwart Kristoffer Nordfeldt, Ex-Nationalspieler Olof Guterstam im Sturm sowie Mittelfeldspieler Philip Haglund, der mit bislang sechs Treffern auch der beste Torschütze der Rand-Stockholmer ist.
Ziel: Ein normaler Club sein
„Irgendwann", so die Hoffnung von Tommy Söderström, „werden wir ein ganz normaler Club sein." Ein Verein mit weiterhin guter Nachwuchsarbeit, aber eben auch mit einer soliden Erstligamannschaft und ohne den ständigen Zwang immer und immer wieder seine Leistungsträger verkaufen zu müssen.
Den Traum von der Normalität unterstreicht auch das ambitionierte Stadionprojekt. Anstelle der bisherigen Spielstätte, die zwar nur über 4500 Plätze, dafür aber über mächtig Charme verfügt, soll nun an gleicher Stelle eine moderne Arena für mehr als 10.000 Zuschauer entstehen.
Auch neue Trainingsplätze sind geplant. Das heißt: Noch mehr Platz für den Nachwuchs. Und damit hoffentlich noch viele weitere Kapitel in der sympathischen Erfolgsgeschichte des IF Brommapojkarna.