Zwei exzellente Defensivreihen verhinderten im Freitagsspiel der Bundesliga ein Spektakel. Aber die Schalker Stärke beim ruhenden Ball führte zu einem 2:0-Sieg über Eintracht Frankfurt, den Gerald Asamoah und Jefferson Farfan sicher stellten. Es war ein Spiel für Taktikfreunde, aber von denen gibt es in der Redaktion von sportal.de eine ganze Reihe.
In der ausverkauften Veltins Arena dauerte es bis zur Mitte der zweiten Halbzeit, ehe der eingewechselte Gerald Asamoah zum ersten Mal seit Herbst 2008 wieder traf, nach einem Freistoß von Lukas Schmitz. In der Schlussminute verwandelte Farfan einen von ihm selbst herausgeholten Strafstoß zum Endstand.
Felix Magath hatte heute keine Überraschung in der Aufstellung parat - es sei denn, man wertet das Comeback Kevin Kuranyis nach seiner Grippe als solche. Für den Stürmer musste Halil Altintop auf die Bank.
Skibbe krempelte fast alles um
Dagegen nahm Michael Skibbe nach der ersten Saisonniederlage einige taktische Umstellungen vor. In der Viererkette wurde Patrick Ochs nach seiner Rotsperre wieder willkommen geheißen. Das bedeutete, dass Maik Franz seinen Platz rechts hinten räumen musste, aber praktischerweise begann mit Marco Russ gleich der nächste Eintracht-Verteidiger seine Rotsperre, sodass Franz dessen verwaisten Platz in der Innenverteidigung neben Chris einnehmen konnte. Chris selbst sprang wieder für den verletzten Aleksandar Vasoski ein und fehlte so im defensiven Mittelfeld, das Skibbe mit einer Doppel-Sechs ausstattete: Pirmin Schwegler und Selim Teber sollten Schalke bremsen, Markus Steinhöfer und Benjamin Köhler nahmen die Außenbahnen ein, die zuvor noch in der Raute aufgebotenen Caio und Zlatan Bajramovic mussten weichen. Schließlich kehrte Ioannis Amanatidis an Stelle von Nikos Liberopoulos zurück in den Angriff.
Sind Sie noch da? Keine Angst, die Geschichte der ersten Halbzeit ist schneller erzählt als die der Frankfurter Taktik. In einem unterdurchschnittlichen Match hatte Frankfurt lediglich durch einen Kopfball von Amanatidis eine Chance, der nach einer Ochs-Flanke das Tor um zwei Meter verfehlte (15.). Und bei Schalke? Ein Schuss von Heiko Westermann, den Oka Nikolov zur Ecke lenkte (22.), ein Kopfball von Marcelo Bordon, den Steinhöfer von der Torlinie schlug (24.) und eine Kopfballablage von Kuranyi, die Levan Kenia nicht aufs Tor brachte, ergaben zusammen vielleicht eine richtige Chance.
Einige zaghafte Pfiffe zur Pause wurden durch böse Blicke der neuerdings positiv gestimmten und getrimmten Fans schnell zum Verstummen gebracht ("Nein, Du wirst nicht pfeifen, Troubadix"). Mangelnden Einsatzwillen konnte man den Knappen wahrlich nicht vorwerfen - dafür aber die fehlende Dominanz, um Gegner mit defensiver Grundausrichtung in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen. Das gelang in dieser Saison nur gegen Bochum.
Neuer Keeper bei Frankfurt und Schalke
In die zweite Spielhälfte ging die Eintracht mit neuem Torhüter. Für den verletzten Oka Nikolov kam der zuletzt selbst noch lädierte Jan Zimmermann. Er führte sich gleich gut ein und ließ einen nicht allzu starken Schuss Jefferson Farfans unter sich durchrutschen. Zu seinem Glück stand hinter ihm Ochs dichter am Ball als Kuranyi und konnte die Situation bereinigen. Warum wir uns hier über einen Ersatzkeeper lustig machen, der es im Leben schon schwer genug hat? Weil es ansonsten nahezu keine brisanten Szenen um den Frankfurter Strafraum gab. Das soll die exzellente Defensivarbeit der Schalker nicht schmälern. Aber nach vorne kam zu wenig, weil Teber und Spycher Farfans Vorstöße konsequent unterbinden konnten, sodass Schalke eigentlich nur bei Standardsituationen Gefahr verbreitete.
Manuel Neuer war heute fast beschäftigungslos. Bei der Chance von Amanatidis (15.) wäre er am kurzen Pfosten zur Stelle gewesen. Die Freistoßflanke von Steinhöfer (30.) konnte er klären. Insgesamt zeigte er eine solide Leistung.
Dagegen ist aber ja auch nichts zu sagen, wenn es klappt. So in der 66. Minute, als Lukas Schmitz einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Strafraum schlug und der gerade für Levan Kenia eingewechselte Gerald Asamoah die Tatsache ausnutzte, dass Maik Franz zwei Gegenspieler hatte. Denn die Zuordnung in der Eintracht-Deckung stimmte bei diesem ruhenden Ball nicht, der seinerseits für Amanatidis gekommene Nikos Liberopoulos blieb stehen, sodass der Ball auf das Trio Farfan, Franz und Asamoah zusegelte. So entstand eine Sandwich-Situation, vorne Gerald, hinten Jefferson und in der Mitte Maik. Asamoah hatte keine Mühe, den Ball neben den kurzen Pfosten zu köpfen.
Es sollte nicht die einzige Standardsituation bleiben, die für Aufregung im Frankfurter Strafraum sorgte. Nach einem weiteren Freistoß boxte Asamoah den Ball drei Minuten vor Schluss aber mit der Hand ins Netz und wurde zu Recht von Schiedsrichter Michael Kempter verwarnt. Der Unparteiische hatte zuvor bereits Pirmin Schwegler mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, nach einem Foul an Rafinha. Der Schweizer fehlt seinem Team nun ebenso wie Russ und Selim Teber, der einen Fehler des eingewechselten Caio nur mit einem Foul auszubügeln wusste und dafür die fünfte gelbe Karte sah.
Weitere Sperren gegen die Eintracht
Michael Skibbe muss sogar von Glück sagen, dass ihm nicht noch ein weiterer Spieler weggesperrt wurde. Denn in der Schlussminute senste Keeper Zimmermann Farfan noch im Strafraum um, sah dafür aber nur Gelb, obwohl der Peruaner sonst sicher getroffen hätte. Elfmeter gab es trotzdem, Farfan vollstreckte ganz sicher in die rechte Ecke.
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