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Bundesliga-Check: Werder Bremen
Bundesliga-Check: Werder Bremen
Endlich in Bremen gelandet: Marcelo Moreno

Nach der verkorksten Bundesliga-Saison soll es für Werder Bremen in dieser Spielzeit wieder in höhere Regionen gehen. Für Meistertrainer Ottmar Hitzfeld gehören die Hanseaten sogar zum Kreis der Titelkandidaten - sollte Claudio Pizarro weiter verpflichtet werden können.

Bisher wurden mit Marko Marin, Marcelo Moreno und Tim Borowski Thomas Schaaf nur drei neue Spieler zur Verfügung gestellt, deshalb fordert das Trainer-Urgestein auch noch Verstärkungen, aber wirklich im Gespräch ist derzeit nur Pizarro.

Dabei soll zur neuen Saison das Spielsystem geändert werden und aus der Rauten-Schießbude eine Betonabwehr hinter einer Doppel-Sechs werden. Hingegen fehlt Schaaf dafür noch das Spielermaterial. Es stehen derzeit also noch viele Fragezeichen hinter der Schlagkraft der Grün-Weißen. Im dritten Teil der großen Bundesliga-Serie kümmert sich sportal.de um Werder Bremen.

Torwart
Der Platz zwischen den Pfosten bereitet Thomas Schaaf wohl die geringsten Probleme in seinem Kader. Tim Wiese steht dort sicher wie die sprichwörtliche Deutsche Eiche. Seine gelegentlichen Patzer hat Wiese beinahe komplett abgestellt und die Erfolge zum Ende der Saison in Pokal und UEFA-Cup hatte Werder zu einem großen Teil seinem Goalie zu verdanken.

Mit seinen konstant starken Leistungen hat sich der 27-Jährige in den Kreis der besten Torhüter Deutschlands gespielt und darf sich berechtigte Hoffnungen machen, 2010 mit zur Weltmeisterschaft nach Südafrika zu fahren. Ersatzmann Christian Vander wusste bei seinen wenigen Einsätzen vergangene Saison durchaus zu überzeugen und mit Sebastian Mielitz steht ein junger dritter Mann zur Verfügung.

 

Abwehr
Mit exakt der gleichen Abwehr wie in der vergangenen Saison geht Bremen in die neue Spielzeit. Und bei kaum einem anderen Club klafft die Lücke zwischen Innen- und Außenverteidigern so weit wie bei Werder. Während mit Per Mertesacker und Naldo eines der stärksten Innenverteidigerpaare der Liga aufgeboten werden kann, fallen Clemens Fritz und Sebastian Boenisch dem gegenüber doch deutlich ab.

Zwar konnte U-21-Europameister Boenisch defensiv gegen Ende der Saison andeuten, was bei ihm noch möglich ist, so scheint der Zug bei Fritz doch wohl abgefahren und der Posten des rechten Außenverteidigers ist die Position, auf der am dringensten noch eine Verstärkung benötigt wird.

Abzuwarten bleibt, wie sich der zum Rechtsverteidiger umgeschulte frühere Stürmer Martin Harnik auf dieser Position schlagen wird. Und für diese Umschulung gibt es im eigenen Verein ein gelungenes Vorbild. Vor seinem Wechsel war Torsten Frings eigentlich Stürmer, bei Werder wurde er als rechter Verteidiger Nationalspieler.

Boenisch-Ersatz auf links ist Dusko Tosic, der es bisher nicht geschafft hat, Bundesliga-Format nachzuweisen. Besser sieht es da in der Innenverteidigung aus: Mit Petri Pasanen und Sebastian Prödl hat Thomas Schaaf zwei Ersatzleute in der Hinterhand, von denen er weiß, dass er sie jederzeit ins kalte Wasser werfen kann.

Mittelfeld
Im Mittelfeld wird vieles neu bei Werder Bremen. Nach dem Abgang Diegos lastet große Verantwortung auf den Schultern Mesut Özils, da diese aber noch relativ schmal sind, wurde ihm mit Marko Marin ein zweiter offensiver Mittelfeldmann an die Seite gestellt. Özil hat sein außergewöhnliches Talent bereits einige Male unter Beweis gestellt und bei der U-21-EM auch international auf sich aufmerksam gemacht.

Wie bereits erwähnt, strebt Schaaf im Mittelfeld einen Taktikwechsel an, der durch eine Doppel-Sechs die Flut der Gegentore versiegen lassen soll. Einzig: Im Moment fehlt ihm dafür noch das Personal. Nominell wären Torsten Frings und Daniel Jensen wohl die beste Besetzung für das defensive Mittelfeld aus dem aktuellen Kader.

Doch Jensen war in der Vergangenheit äußerst verletzungsanfällig und Frings hat gerade die vielleicht schwächste Bundesliga-Saison seiner Karriere hinter sich. Eine Alternative ist noch Tim Borowski, den Werder von Bayern München zurückgeholt hat, doch das defensive Mittelfeld ist nicht seine Lieblingsposition und er ist eher eine Alternative für die Offensive oder Außen.

Verstärkungen im Mittelfeld waren auch dringend nötig, denn Bremen fehlt dort auch die zweite Reihe. Aaron Hunt, Jurica Vranjes und Peter Niemeyer haben zwar immer wieder ihre Einsätze bekommen, doch vor allem der Kroate hat in letzter Zeit nur selten sein Können unter Beweis gestellt. Liest man die weiteren Namen wie Kevin Artmann, Philipp Bargfrede, Said Husejinovic, José Alex Ikeng und Timo Perthel, so sieht man auf einen Blick, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Sturm
In der vergangenen Spielzeit war der Bremer Angriff sehr abhängig von Claudio Pizarro. Der ist - im Moment - wieder beim FC Chelsea. An einer Rückholaktion wird fieberhaft gebastelt, doch die gestaltet sich noch schwierig und ober der Peruaner auch kommende Saison im Weserstadion aufläuft, ist fraglich.

Ein Neuzugang für den Angriff steht bereits fest: Marcelo Moreno wurde von UEFA-Cup-Sieger Shakhtar Donezk ausgeliehen. Den Bolivianer wollte Werder bereits vor der vergangenen Spielzeit verpflichten, doch damals zog es ihn in die Ukraine. Sollte er sich in der Bundesliga durchsetzen, so besitzen die Grün-Weißen eine Kaufoption für weitere vier Jahre.

Mit Markus Rosenberg und Hugo Almeida hat Schaaf weiterhin gute Alternativen für den Angriff und dann ist da immer noch der aus Hoffenheim zurückgekehrte Boubacar Sanogo, für den noch ein neuer Club gesucht wird. Mit Marko Futacs, John Jairo Mosquera und Torsten Oehrl stehen drei weitere junge Spieler bereit, die aber maximal zu Kurzeinsätzen kommen dürften und vielleicht noch ausgeliehen werden.

Trainer
Einmal Meister und dreimal Pokalsieger ist Werder Bremen unter der Leitung Thomas Schaafs geworden. Seit mehr als zehn Jahren ist er Trainer der Bremer Profimannschaft und damit länger im Amt als jeder anderen aktuelle Coach der 1. oder 2. Liga. Im Verein ist der 48-Jährige seit 31 Jahren. Schaaf passt zu Werder und bei Werder weiß man, was man an seinem Trainer hat.

Nachdem Schaaf mit dem Rauten-System im Mittelfeld erfolgreich war, haben sich die gegnerischen Clubs in den vergangenen Jahren immer besser auf die Werder-Spielweise eingestellt und dem Club einige empfindliche Niederlagen beigebracht. In der Kritik stand dabei vor allem immer wieder die Defensive, die aber teilweise aufgrund der offensiven Werder-Spielweise bei schnellen Gegenangriffen völlig überfordert war.

Dies soll nun alles anders werden. Nachdem vergangene Saison bereits leise Kritik am starren Spielsystem der Bremer - und damit auch an Thomas Schaaf - geübt wurde, soll es nun eine Systemunstellung auf eine defensivere Grundaufstellung geben. Nachdem nach der einigermaßen verkorksten Vorsaison bereits einige Bundesliga-Konkurrenten ihre Fühler nach Schaaf ausgestreckt hatten, wird der Erfolg kommende Spielzeit zeigen, ob die Ehe zwischen Schaaf und Werder auch weiterhin eine Zukunft haben wird.

Schlüsselfaktor
Mit 50 Gegentoren hatte Werder in der vergangenen Saison die zehntschlechteste Abwehr, mit 64 erzielten Toren den drittbesten Angriff. Hier gilt es was zu ändern und dies strebt Thomas Schaaf ja auch an. Wenn die Systemumstellung zu der Doppel-Sechs und zwei offensiven Mittelfeldspielern klappt, könnten die Verteidiger entlastet werden und nicht mehr wie so oft in der Vergangenheit vom Gegner überrannt werden.

Prognose
Hinter Werder Bremen stehen noch viele Fragezeichen: Kommt Claudio Pizarro zurück? Gibt es noch Verstärkungen für das defensive Mittelfeld? Wo bleiben die Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen? Klappt die Systemumstellung? Viele Fragen und bis dato keine Antworten. Für sportal.de reicht es deshalb nach dem derzeitigen Stand der Dinge auch nur zu einer kleinen Verbesserung in der Tabelle: Werder Bremen landet auf Platz 8.

Henning Schulz

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