22.06.2009
Weltmeister am Boden: ''Italien eine Schande''

Luca Toni konnte seine Chance von Beginn an nicht nutzen
Nach dem Vorrunden-Aus beim Confed Cup überschlagen sich die italienischen Medien mit Schmähungen für die Squadra Azzurra. Torwart Gianluigi Buffon sieht nach dem Debakel gegen Brasilien sogar ein grundsätzliches Problem: "Wir sind im Moment nicht konkurrenzfähig, so wie unsere Liga!"
Der sonst so stolze Kapitän Fabio Cannavaro schlich mit hängendem Kopf aus dem Loftus Versfeld Stadion von Pretoria: Der Weltmeister beklagt nach dem blamablen Aus in Südafrika das Ende einer Ära. "Alt und geschlagen: Die Helden sind k.o. - das traurige Ende des Märchens von Berlin. Ein Jahr vor der WM muss die Nationalelf erneuert werden", kommentierte die Zeitung La Repubblica das blamable 0:3 (0:3) gegen Titelverteidiger Brasilien.
"Italien - eine Schande!", titelte Corriere dello Sport. "Italienische Finsternis. Wir waren Mumien, und wir bleiben Mumien" schrieb die Gazzetta dello Sport in Anspielung auf die Pleite zuvor gegen Ägypten. Verbandspräsident Giancarlo Abete macht sich für die WM jedoch "keine Sorgen" und meinte: "Das war zu hässlich, wir sind verdientermaßen ausgeschieden. Man sollte aber jetzt nicht mit den Weltmeistern abrechnen, sie sind nicht zu alt. Das Problem war, dass sie nicht in Form waren."
Lippi legt sich mit Journalisten an
Mit grimmiger Miene erschien Trainer Marcello Lippi bei der Pressekonferenz. Während draußen in der Arena ein paar brasilianische Fans im Siegesrausch eine Kopie des WM-Pokals schwenkten, schien die goldene Aufschrift "italia" auf der grauen Trainingsjacke des Nationaltrainers bereits verblasst. Warum er nicht mehr junge Spieler bringe und den Generationswechsel beim vierfachen Weltmeister vorantreibe? "Junge Spieler, junge Spieler!", blaffte er die Journalisten an. "Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Giuseppe Rossi war bei allen drei Spielen dabei. Ich kann doch nicht alle ins kalte Wasser werfen."
Trotzig erklärte der 61-Jährige: "Wir sind raus und das tut uns sehr leid, aber wir gehen unseren Weg weiter. Die Zukunft wird anders sein." Warum er die Mannschaft nicht in der Halbzeit wachgerüttelt habe? "Wachrütteln! Wachrütteln! Wachrütteln! Ihr sagt immer, wachrütteln. So einfach funktioniert das nicht."
Zu den großen Verlierern in der Squadra Azzurra gehörte Bayerns Stürmer Luca Toni: Der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig spielte zwar erstmals bei der Mini-WM von Anfang an, machte gegen seinen Bayern-Kollegen Lucio aber keinen Stich, wurde ausgewechselt und muss nun um seine WM- Teilnahme bangen. "Toni ist nur noch ein Gespenst des einstigen Mittelstürmers", urteilte Gazzetta dello Sport. Der Angreifer gab sich wenigstens selbstkritisch: "Wir sind ausgeschieden, weil wir nicht fit waren. Der Confed-Cup muss uns eine Lehre sein. Wir sind nicht mehr das Italien der Weltmeisterschaft. Wir müssen arbeiten, um wieder auf so ein Niveau zu gelangen."
Fabiano denkt schon ans Finale
Arrivederci Italia, super Seleção. Der Rekord-Weltmeister hatte sich seinen ersten trainings- und reisefreien Tag seit drei Wochen am Montag redlich verdient. "Das Wichtigste ist, dass sich die Mannschaft entwickelt. Immer wenn wir über einen längere Zeitraum zusammen arbeiten können, erzielen wir gute Ergebnisse. Die erste Halbzeit war exzellent", sagte Superstar Kaká. Der künftige Madrilene hatte zusammen mit dem ebenfalls pfeilschnellen Robinho und dem Doppel-Torschützen Luis Fabiano die italienische Abwehr nach Herzenslust auseinander genommen.
Luis Fabiano vom FC Sevilla, der seine Treffer Nummer zwei und drei seinen Töchtern Giovana und Gabriella widmete und nun unbedingt Torschützenkönig werden will, hielt sich vor dem Halbfinale in Johannesburg erst gar nicht mit Höflichkeitsbekundungen an Gastgeber Südafrika auf. "Ich glaube nicht, dass es jetzt noch Überraschungen gibt. Die Sensationsmannschaft waren die USA. Das Endspiel werden mit Sicherheit Brasilien und Spanien bestreiten."
Nationaltrainer Carlos Dunga kann nun auf eine Serie von sechs Siegen verwiesen - und auf seine unverkennbare Handschrift, die Brasilien ein Jahr vor der WM trägt: schnörkelloser, blitzschnell vorgetragener Angriffsfußball und ungewohnte Zweikampfstärke. Kaum vorstellbar, dass ein Ballzauberer wie Ronaldinho jemals in diese Mannschaft zurückkehren wird. "Wenn wir dem Gegner wehtun können, dann machen wir das", sagte Dunga - und lächelte.