Durch einen beeindruckenden 3:0-Erfolg vor 42.000 Zuschauern in Pretoria im Loftus Versfeld gegen Italien feierte Brasilien den Sieg in Gruppe B. Somit geht die Seleção im Halbfinale den "Rekordspaniern" aus dem Weg. Die Tore erzielten Luis Fabiano (37./43.) bei einem Eigentor von Dossena (44.).
Der amtierende Weltmeister aus Italien scheidet nach dieser desaströsen Leistung vorzeitig aus dem Confed-Cup aus. Anstelle des amtierenden Weltmeisters erreichten die US-Amerikaner überraschend das Halbfinale. Sie besiegten im letzten Spiel der Gruppe A die Mannschaft aus Ägypten ebenfalls mit 3:0 und treffen nun auf Spanien.
Toni sollte für Gefahr sorgen
Bei den Italienern gab Bayerns Luca Toni seine Startelf-Premiere. Für den 32-Jährigen musste Rossi weichen. Außerdem stellte Trainer Lippi Dossena, Montolivo und Camoranesi anstelle von Grosso, Gattuso und Quagliarella auf. Italien zum punkten gezwungen, begann daher im offensiven 4-3-3-System, in welchem Iaquinta und Camoranesi Mittelstürmer Luca Toni flankierten.
Brasiliens Coach Dunga veränderte sein Team hingegen nur auf einer Position. Für Miranda rückte der Ex-Leverkusener Juan in die Innenverteidigung. Er wurde zuletzt, da leicht angeschlagen, geschont.
Zu Beginn ein munteres Spiel
Nach kurzem Abtasten ging das Spiel munter los. Der Weltmeister sorgte mit einem ersten Angriff gleich für Gefahr, eine scharfe Hereingabe von der linken Seite fand aber keinen Abnehmer. Auch die Brasilianer ließen sich nicht lumpen. In der 6. Minute spielte Fabiano auf Ramirez, der zog den Ball halb-rechts im Strafraum jedoch nur an den Außenpfosten.
Das Spiel ging lebhaft weiter, die Brasilianer waren dabei die auffälligere Mannschaft. Meist über Maicon auf der rechten Seite agierend, kamen sie immer wieder in aussichtsreiche Positionen, ohne letztlich den erfolgreichen Torabschluss zu finden. Der vierfache und aktuelle Weltmeister wirkte vor allem in der Innenverteidigung zu behäbig und hatte Glück, nicht schon hinten zu liegen.
Italien trotz leichter Vorteile ohne Biss
In der 21. Minute dann ein Geistesblitz von Luca Toni, er spielte einen Traumpass aus dem zentralen Mittelfeld auf Iaquinta, der wurde von Juan bedrängt, doch die Aufregeung war umsonst, da Iaquinta klar im Abseits stand. Die Aktion hatte aber Folgen für den Brasilianer Juan. Er musste das Feld aufgrund einer Verletzung verlassen, für ihn kam Luisao.
Die Italiener eroberten sich dann Mitte der ersten Halbzeit leichte Feldvorteile. Der erste gefährliche Torschuß war die Folge, doch Camoranesi zog den Ball aus 23 Metern über das Tor. Die taktisch klugen Italiener verschoben ihre Reihen immer wieder, aber Brasilien wirkte flinker, spritziger und kam durch Lucio zu einer Doppelchance. Nach einem Eckball gelangte der Ball links in den Strafraum. Lucio ließ gleich zwei Gegenspieler stehen und spielte den Ball in die Mitte. Der Ball wurde noch von einem Italiener abgefälscht und tuschierte die Latte. In Puncto Lattentreffer führten die Brasilianer nun mit 2:0, aber auch ein regulärer Treffer ließ nicht lange auf sich warten.
Kobinationsmaschine Brasilien kam in Gang
In der 37. Minute zog der mit viel zu viel Platz ausgestattete Maicon aus 30 Metern ab. Den Schuss stoppte Luis Fabiano geschickt und schob den Ball an Keeper Buffon zum 1:0 vorbei ins lange Eck. Lippi reagierte und brachte für Iaquinta, an dem das Spiel bis dahin vorbei lief, Rossi ins Spiel. Aber auch das brachte nichts - im Gegenteil.
In der 43. Minute griffen die Brasilianer über die linke Seite, auf der sie auch mehr Freiheiten als Einschränkungen genossen, an. Eine schöne Kombination über Fabiano und Robinho folgte. Dieser spielte den Ball auf Kaka, der in den Strafraum eindrang und dessen Pass auf Robinho zurück gelangen sollte. Aber weder Robinho noch der dilettantisch vorbei rutschende de Rossi kamen an den Ball. Der lachende dritte hieß Luis Fabiano. Mit einem leichten Lupfer überwand er den schon am Boden liegenden Buffon zum 2:0 für die Seleção.
Von taktischer Ordnung war jetzt bei den Italienern nicht mehr viel zu sehen. Einem erneuten Konter der Südamerikaner half eine verunglückte Italienische Abseitsfalle. Robinho war der Nutznießer und fand sich völlig frei stehend auf der linken Seite wieder. Seinen Flachpass in die Mitte grätschte Dossena zum 0:3 ins eigene Tor.
Höchster Halbzeit-Rückstand für Italien seit 1929
Italien wurde ab Mitte der ersten Halbzeit vorgeführt. Sie spielten vorne ohne Durchschlagskraft. In der Abwehr leisteten sie sich katastrophale Fehler, die gegen Brasilien nicht unbestraft bleiben konnten.
Zur zweiten Hälfte ersetzte dann Simone Pepe den schwachen Riccardo Montolivo. Die Italienern kamen mit viel Wut aus der Kabine und zeigten, dass sie sich nicht gänzlich abschießen lassen würden. Ein rüdes Einsteigen von Chiellini gegen Luis Fabiano gab zu Recht Gelb für Juves Chiellini.
Aber auch sportlich gingen die Italiener nun zur Sache: erste mäßig gefährliche Torschüsse (64./65./66.) deuteten ein Leistungssteigerung beim Weltmeister an. Mitten in die Anstrengungen der Italiener, wieder in die Partie zu finden, streute Kaka eine Großchance ein. Ob der Konstellation hier ein Tor zu erzielen zu müssen und gleichzeitig die kombinationsstarken Ball-Künstler aus Brasilianer nicht zum Zuge kommen zu lassen, wirkten die Italiener wie gelähmt.
Fehlende Durschlagskraft blieb bestehen
Die vielen Wechsel und der drückende 0:3-Rückstand ließ die Squadra Azzurra auch weiterhin nicht ins Spiel kommen. Sie zeigten viel Krampf und wenig Finesse. Brasilien dagegen kontrolliert ab und an mit gefährlichen Einzelaktionen. Insgesamt verflachte die Partie gegen Ende zunehmend und erhielt die Spannung nur durch die statistische Konstellation, nach der Italien nur einen Treffer zum Weiterkommen benötigte.
Und so zog der Rekordweltmeister aus Südamerika souverän mit drei Siegen aus drei Spielen in das Halbfinale ein, wo sie auf Gastgeber Südafrika treffen werden. Währenddessen ist Weltmeister Italien sang- und klanglos ausgeschieden. Marcello Lippi und seine Männer werden sich in der Heimat einige Vorwürfe gefallen lassen müssen.