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Wir sind Lauter(n)!
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König Otto lässt sich feiern

Vom Tellerwäscher zum Millionär - so ähnlich und stark verkürzt lautet wohl die Erfolgsbiographie des Dietmar Hopp. Vom Aufsteiger zum Meister, so könnte die Geschichte des Tabellenersten Hoffenheim am Ende der Saison lauten. Doch dieses Märchen ist nicht neu, sportal.de erinnert an den 1. FC Kaiserslautern von 1998.

Am 9. Mai 1998 stemmte Kapitän Ciriaco Sforza am 34. Spieltag die Schale in die Höhe und ließ dabei die Szenen zwei Jahre zuvor vergessen, als das Schicksal die Pfälzer mit dem Abstieg arg beutelte - wer erinnert sich nicht an den weinenden Andreas Brehme, der von Kumpel Rudi Völler getröstet wurde. Doch genau dieser Abstieg begünstigte schließlich die Ereignisse in der Meistersaison der Pfälzer.

So musste Trainer Eckhard Krautzun in Folge des Abstiegs gehen - sein Nachfolger wurde der im April bei den Bayern geschasste Otto Rehhagel, der seiner alten Liebe neuen Schwung verlieh und unter anderem Zaubermaus Ratinho, Michael Schjönberg und Ergänzungsspieler Wynton Rufer in die Pfalz holte. Der Wiederaufstieg war schnell geschafft, mit zehn Punkten Vorsprung und nur vier Niederlagen ging es zurück ins Oberhaus.

Sieg über Bayern - der Anfang

Vor der Spielzeit in der Bundesliga machte man in der Pfalz weiter die von Rehhagel geforderten "Nägel mit Köpfen", der Schweizer Sforza wurde nach zwei Jahren bei den Bayern und Inter Mailand wieder zurückgeholt, Marian Hristov, Andreas Buck und das Talent Michael Ballack verpflichtet.

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Die Weichen für eine erfolgreiche Saison stellte man bereits am ersten Spieltag ausgerechnet im Münchener Olympiastadion - der Stätte, an der Coach Rehhagel die wohl düstersten Stunden seines Trainerdaseins erlebt hatte. In der 80. Minute sorgte Abwehrspieler Schjönberg mit seinem per Kopf erzielten ersten von insgesamt vier Saisontoren für die Schmach der Bayern und den Triumph des Aufsteigers, der ab dem vierten Spieltag die Tabelle anführen und diesen Platz bis zum Ende nicht mehr abgeben sollte.

Der Fußballgott

Während der spätere DFB-Kapitän Ballack in der Meistermannschaft eine eher untergeordnete Rolle spielen sollte, stach neben Kapitän Sforza besonders einer hervor, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere von den Lautern-Fans als Fußballgott gefeiert wurde: Olaf Marschall.

Der Torgauer verbuchte mit seinen 21 Toren in nur 24 Spielen den zweiten Platz in der Torjägerliste hinter Ulf Kirsten und schoss die Pfälzer gerade in den ersten 13 Partien - genau 13 Tore standen nach diesem Spieltag auf seiner Haben-Seite - des öfteren zum Erfolg. So sorgte er mit sechs Treffern alleine für eine Vorentscheidung oder die Entscheidung zugunsten des FCK. Gemeinsam mit dem Sturmkollegen Jürgen Rische zeichnete Marschall für die Hälfte aller Lauterer Tore in dieser Saison verantwortlich.

Mit den Bayern geht es weiter

Einen Tag vor Nikolaus des Jahres 1997 bescherten sich die Roten Teufel erneut selbst. Im Revanche-Spiel - dem ersten Spiel der Rückrunde - wollte der ärgste Verfolger Bayern mit einem Dreier am Betzenberg dem frechen Aufsteiger weiter in Reichweite halten.

Doch in der Hölle des mit 38.000 Zuschauern ausverkauften Fritz-Walter-Stadions versagten selbst den gestandenen Nationalspielern in Reihen des Rekordmeisters die Nerven. So überwand Dietmar Hamann fast mit dem Pausenpfiff seinen eigenen Torhüter Oliver Kahn, den Deckel auf den Sieg setzte dann Hristov mit dem 2:0 in der 85. Minute. Bayern war zum zweiten Mal innerhalb einer Saison geschlagen, der Vorsprung auf sieben Punkte angewachsen.

"Wir haben König Otto"

Doch ein Spiel dauert 90 Minuten und eine Saison 34 Spieltage und so gerieten auch noch mal die Teufel in die Hölle. Vom 27. bis 31. Spieltag wollte der Dreier bei vier Unentschieden und einer Niederlage nicht gelingen. Die Bayern kamen wieder bis auf zwei Punkte heran und drohten den Aufsteiger mit ihrer Übermacht zu ersticken.

Noch schlimmer wurde es drei Spieltage vor Schluss in der Begegnung gegen Borussia Mönchengladbach - durch das 0:2 von Jörgen Petersson in der 43. Minute hatten die Bayern die Tabellenführung zumindest virtuell wieder inne - doch es folgte der entscheidende Auftritt des pfälzerischen Fußballgottes: Olaf Marschall schickte sein Team mit dem Anschlusstreffer in die Pause, um das Spiel in der 61. Minute auszugleichen und der letzten Minute noch erfolgreich zum 3:2 zu drehen.

Eine Woche später machten die Lauterer erneut im eigenen Stadion den Triumph perfekt: Marschall verabschiedete sich standesgemäß mit zwei Toren beim 4:0-Erfolg gegen Mitaufsteiger Wolfsburg vom Heimpublikum, während der große FC Bayern beim MSV Duisburg nur eine Nullnummer hinlegte. Das Märchen vom Aufsteiger zum Deutschen Meister war wahrgeworden.

Wem sie diesen Triumph zu verdanken hatten, wussten die Anhänger der Roten Teufel genau und der Barde Heino besang diesen auch in seinem Meisterlied: "Der Betzenberg in neuem Glanz, so lautet unser Motto, wir brauchen keinen Kaiser Franz, wir haben König Otto."

Und die Moral von der Geschicht'?

Natürlich ist 1899 Hoffenheim mit Platz eins vom neunten Spieltag weiter als eine von Kaiserlautern nach Hoffenheim dauernde Fahrt von einem Remake dieses Klassikers entfernt. Und natürlich lassen sich die Parallelen zwischen beiden Clubs nur bedingt ziehen. Eine damalige Faustregel Otto Rehhagels scheinen die Nordbadener allerdings verinnerlicht zu haben: "Dann habe ich den Leuten klar gemacht, dass man alle Kräfte bündeln muss in einer konzentrierten Aktion die Arbeit angehen kann."

Sven Kittelmann

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