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Flop 5: Die EM-Versager
Flop 5: Die EM-Versager
Luca Toni blieb hinter den Erwartungen zurück

Die Gewinner der EURO 2008 haben wir Ihnen bereits präsentiert. Nun sind die Spieler dran, die vor dem Turnier ebenfalls als solche gehandelt wurden, in Österreich und der Schweiz diesen Ruf aber nicht bestätigen konnten. sportal.de hat fünf Fälle herausgepickt und stellt sie an den Pranger.

Luca Toni: (5,5; 3; 2,5; 4,5)

Eigentlich hatten alle Experten damit gerechnet, dass der Italiener bei der EM aus dem Ohren schrauben gar nicht heraus käme. Seine beeindruckende Trefferbilanz, mit der er Bayern München zum Titel und sich selbst zur Torjägerkrone schoss, hatte Geschmack auf mehr gemacht. Doch im Trikot der Squadra Azzurra wollte ihm sein "Freund der Ball" nicht mehr gehorchen, wie er Miro Klose per SMS sein Leid klagte.

Reihenweise beste Chancen ausgelassen - statt zum Torjäger der EM wurde Toni der "Jäger des verlorenen Tores" und damit Sinnbild für den schwachen Auftritt seiner Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister durch die Vorrunde rumpelte und im Viertelfinale scheiterte. "Ich habe gegen Frankreich einen Elfmeter herausgeholt. Das zählt wie ein Tor für mich. Ich bin zufrieden", lautete Tonis optimistisches Fazit noch nach der Vorrunde.

Doch ein herausgeholter Strafstoß, immerhin inklusive Rote Karte für Eric Abidal und ein wegen Abseits aberkanntes Tor gegen Rumänien sind zu wenig für einen Mann seiner Klasse und Ansprüche. Auch wenn er viel arbeitete, lief und auch Pech hatte, dass seine Mitspieler seine Vorarbeiten nicht verwerteten. Ein Stürmer wird an Toren gemessen. Am Ende blieb nur eine Entschuldigung an die Nation: "Es tut mir sehr leid, dass ich kein Tor gemacht habe."

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Mario Gomez: (4; 4,5; 5)

Auf eine Entschuldigung des hinter Toni zweitbesten Torjägers der abgelaufenen Bundesligasaison wartete man vergebens. Auf der Bühne Europameisterschaft wollte Gomez für Engagements bei den ganz großen europäischen Clubs vorspielen. Barcelona sollte Interesse gehabt haben, auch in Italien weckten seine Auftritte beim VfB Stuttgart angeblich Begehrlichkeiten. Doch bei der EM verprellte er die meisten Interessenten und kam mit der gleichen Ausbeute wie Toni nach Hause. Tore: Fehlanzeige.

Es lief aber auch einfach alles schief. Schwache Auftritte gegen Polen und Kroatien, dazu die vergebene 1000-prozentige Chance gegen Österreich - der Stammplatz auf dem Feld war futsch. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. Das erledigte VfB-Aufsichtsratsboss Dieter Hund höchstselbst und verspottete seinen Stürmer im Fernsehen auch noch öffentlich. Dessen nicht genug, durfte Gomez vor dem Halbfinale gegen die Türkei wenigstens zur offiziellen UEFA-Pressekonferenz erscheinen, wurde aber wegen Verspätung der deutschen Delegation nach nur einer beantworteten Frage einfach abgewürgt.

Immerhin der FC Bayern will den torlos Stürmer noch haben. "Sollte Mario Gomez zur kommenden Saison wechseln, sind unsere Chancen ziemlich gut, glaube ich", erklärte Uli Hoeneß noch gestern. Klar, schließlich werden die meisten internationalen Anfragen wohl nach der verkorksten EM zurückgezogen worden sein. Oder beruhte der peinliche Auftritt des Stürmers etwa auf einem Plan von Hoeneß, um die Ablöse zu drücken?

Mladen Petric: (4,5; -; 4; 4)

Die EM war einfach keine Bühne für treffsichere Bundesliga-Profis. Mit dem Kroaten reihte sich noch ein Dritter in die Phalanx ein. 13 Tore für Borussia Dortmund, keins für die Nationalmannschaft. Gegen Österreich im Eröffnungsspiel blieb er ohne nennenswerte Aktion, avancierte zum schwächsten Akteur seiner Mannschaft. Folgerichtig rotierte er in der zweiten Partie auf die Bank und durfte gegen Deutschland nur 18 Minuten am Ende ran, allerdings auch hier, ohne größere Akzente zu setzen. Im für Kroatien bedeutungslosen Match gegen Polen mischte er noch einmal mit, blieb jedoch auch hier wirkungslos.

Im Viertelfinale gegen die Türkei wurde er in der 65. Minute eingewechselt und hätte im Elfmeterschießen die verkorkste Vorrunde mit einem einzigen Schuss vergessen machen können. Doch der nervlichen Belastung war er nicht gewachsen. Er scheiterte an Rüstü und für Kroatien war das Turnier beendet. Petric war am Boden zerstört und ließ sich erst von Rüstü, später von Schiedsrichter Rosetti tröstend in den Arm nehmen lassen.

Eric Abidal: (4; -; 5)

Man kann nur hoffen, dass auch Abidal tröstende Kameraden gefunden hatte, denn der Abwehrspieler des FC Barcelona steht stellvertretend für eine komplett versagende Equipe Tricolore bei diesem Turnier. Zum Auftakt gegen Rumänien hatte Raymond Domech dem Linksverteidiger das Vertrauen gegeben. Doch der zahlte es nicht zurück, bot eine schwache Leistung.

Zwar hatte er auf seiner Seite viele Freiräume nach vorne, aber mehr als ein einziger harmloser Distanzschuss kam nicht dabei raus. Gegen die Niederlande saß Abidal dann auch folgerichtig auf der Bank. Allerdings durfte er gegen Italien doch wieder mitmischen - in der Innenverteidigung. Der Schachzug ging nach hinten los. Abidal leistete sich in seiner kurzen Einsatzzeit permante Stellungsfehler und holte in der 25. Minute Luca Toni von den Beinen. Konsequenz: Rote Karte wegen Notbremse und Elfmeter für die Squadra Azzurra, der das Ende Frankreichs bei der EM einleitete. Immerhin konnte er sich trotzdem in die EM-Geschichtsbücher eintragen. Sein Platzverweis war der schnellste jemals bei einer EURO verhängte.

Karim Benzema: (4,5; -; 5)

Selbst mit so einem zugegeben fragwürdigen Rekord konnte sein stürmender Mannschaftskollege nicht aufwarten. "Benzema sollte die große Überraschung werden", hatte Arsenal-Coach Arsène Wenger vor der EM prognostiziert und folgendermaßen begründet: "Er ist vor dem Tor in fantastischer Weise effizient und spielt wunderbar mit." Doch nichts von dem traf ein.

Gegen Rumänien hatte der 20-jährige Stürmer den Siegtreffer auf dem Fuß, vergab aber kläglich und war an Harmlosigkeit eigentlich kaum zu überbieten. Gegen die Niederlande bekam er deshalb auch eine Denkpause verordnet, die ihn aber auch nicht zu einer besseren Leistung gegen Italien anstachelte. Zwar mühte er sich redlich, aber ließ jegliche Durchschlagskraft, die er in Lyon in der abgelaufenden Saison unter Beweis gestellt hatte, vermissen und lieferte eine ganz schwache Vorstellung ab.

"Ein wahrer Alptraum", lautete das Fazit des jungen Mannes nach dem Turnier folgerichtig. Unterkriegen lassen will er sich aber nicht und kündigte an: "Wenn man geschlagen wird, muss man wieder aufstehen. Dadurch wird man stärker." Benzema hat noch viel Zeit zu wachsen.

Malte Asmus

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