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Lehmann spürt die große Enttäuschung
Lehmann spürt die große Enttäuschung
War es das für Jens Lehmann?

Es hatte einen Hauch von Abschied, wie Jens Lehmann erst starr in der schwarz-rot-goldenen Fankurve stand und sich dann nochmals in die Mitte "seines" Tores begab, wo er minutenlang verharrte, während die Spanier den Pokal emporreckten. Doch offiziell verkünden wollte der Keeper das Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere noch nicht.

"Ich habe mir das angeschaut, es war ja auch eine schöne Atmosphäre im Stadion. Leider auch mit der Enttäuschung, dass wir diesmal nicht auf der Gewinnerseite gestanden haben", schilderte Lehmann nach seinem 61. DFB-Einsatz jene bewegenden Momente, mit denen möglicherweise über zehn Jahre im DFB- Team zu Ende gegangen sind.

Am 18. Februar 1998 hatte der gebürtige Essener beim 2:0-Sieg im Oman debütiert, am 29. Juni 2008 kassierte er durch Fernando Torres nach 33 Minuten das am Ende entscheidende 0:1. Lange nach dem Abpfiff "hütete" Lehmann noch immer genau dieses Tor, lehnte sich schließlich in seinem giftgrünen Trikot an den Pfosten.

Erst Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Chef Theo Zwanziger konnten den 38-Jährigen aus seinen Gefühlen reißen. "Wenn man so ein Finale verliert, dann bleibt die Enttäuschung ein Leben lang. Das lässt sich nicht mehr gutmachen", bemerkte Lehmann und ließ damit durchblicken, was in ihm in diesen Minuten vorgegangen war.

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Keine EM-Spiel mehr

Zu einem "Good Bye" gleich nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen, wie es sein Vorgänger Oliver Kahn nach dem "kleinen Finale" bei der WM vor zwei Jahren getan hatte, wollte sich der ehemalige Londoner Lehmann in Wien nicht durchringen. "Ich rede jetzt erst einmal über gar nichts, bin zu enttäuscht vom Ausgang des Finals. Wenn ich eine Entscheidung bekanntzugeben habe, werde ich die erstmal meinen Mitspielern und dem Trainer bekanntgeben", erklärte Lehmann. Nur eines räumte der extrem polarisierende Schlussmann schon ein. "Das war mein letztes EM-Spiel. Eine Europameisterschaft werde ich nicht mehr spielen."

Ein wenig steckt Lehmann im Dilemma. Verkündet er in den nächsten Tagen doch den erwarteten Abschied aus der Nationalelf, könnte seine kommende Saison beim neuen Arbeitgeber VfB Stuttgart schnell den Charakter einer Abschiedstournee bekommen. Auf der anderen Seite scheinen die Zeichen der sportlichen Leitung des Nationalteams deutlich.

Einen dann 40-Jährigen könne man sich bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nur schwer vorstellen, hatte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke schon vor der EM erklärt. "Er wird sich da Gedanken machen. Es ist jetzt zu früh, da Prognosen abzugeben", bemerkte der frisch rasierte Christoph Metzelder.

Noch kein Gespräch mit Löw

Joachim Löw sprach in den bitteren Minuten nach dem verlorenen Finale mit Lehmann nicht über dessen Zukunft. "Ich habe ihm gratuliert. Er ist auch ein Leader in unserem Team", berichtete der Bundestrainer vom Gespräch am Torpfosten. Löw hatte monatelang an seiner Nummer 1 festgehalten, obwohl Lehmann beim FC Arsenal seinen Stammplatz und damit auch die nicht zu ersetzende Spielpraxis verlor.

Der Routinier wackelte zwar auch in der Nationalelf einige Male, fand aber im Verlauf des EM-Turniers doch noch zurück zur Sicherheit. Auch wenn die genialen Momente fehlten. "Er ist sehr professionell. Ich habe ihm gedankt für das, was er geleistet hat", erklärte Löw.

Die Zukunft hat Lehmann in den 42 Tagen vor und während der EM zum Teil schon direkt neben sich gespürt. Der 15 Jahre jüngere Rene Adler (23) von Bayer Leverkusen, dritter Torwart beim Turnier, der Schalker Manuel Neuer (22) und der Münchner Michael Rensing (24) werden als Kronprinzen gehandelt. Die erste Option auf eine Lehmann-Nachfolge ist die EM-Nummer 2, Robert Enke. Doch noch haben weder der Routinier selbst, noch Löw die Position überhaupt freigegeben.

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