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FUSSBALL | EM 2008
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Es war nicht Michael Ballacks EM

Die EM ist vorbei - Deutschland hat sich den zweiten Platz gesichert. Jetzt ist es an der Zeit Rückschau zu halten. sportal.de nimmt den deutschen Kader unter die Lupe und bewertet die Leistung jedes Einzelnen.

Jens Lehmann: 3

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelte sich der Schlussmann mehr und mehr zum sicheren Rückhalt seines Teams. Aussetzer leistete sich der Oldie dann noch einmal im Halbfinale gegen die Türkei, als er sich von der Nervosität seiner Vorderleute anstecken ließ und ein Gegentor auf seine Kappe nehmen musste. Im Finale war Lehmann jedoch wieder auf dem Posten und rettete seine Mitspieler vor einer höheren Niederlage. Eine insgesamt durchschnittliche Turnierleistung des Altmeisters bei seinem wohl letzten Nationalmannschaftsauftritt.

Arne Friedrich: 4

Der Berliner hatte zunächst seinen Stammplatz auf der Ersatzbank. Dank tollen Einsatzes im Training und dem verletzungsbedingten Ausfall von Marcell Jansen hievte Jogi Löw ("So gut habe ich den Arne noch nie gesehen") Friedrich im entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich in die Startelf. Seine EM-Leistung lässt sich trotz streckenweisen starken Spiels gegen Cristiano Ronaldo im Viertelfinale als eher solide bezeichnen. Nach vorne ließ er dringend benötigte Impulse vermissen, nach hinten leistete er sch viele Unsicherheiten. Vor allem im Finale liefen die meisten Gegenangriffe über seine rechte Seite.

Christoph Metzelder: 4

Im Vorfeld der EM war der Madrilene lange verletzt, reiste ohne Spielpraxis zur Nationalmannschaft. Doch der Madrilene machte gegen Polen ein sicheres Spiel und rechtfertigte das Vertrauen von Löw. Danach fiel seine Leistungskurve jedoch rapide ab. Gegen Kroatien und Österreich avancierte er zum großen Unsicherheitsfaktor und Schwachpunkt der deutschen Defensive. Gegen Portugal agierte Metzelder defensiv wieder besser, holte dazu offensiv den wichtigen Freistoß, der zum 2:0 führte, heraus. Auch gegen die Türkei zeigte er ein ordentliches Spiel. Im Finale kehrte dann die Unsicherheit zurück. Fast unterlief dem Spanien-Legionär ein Eigentor, lief ansonsten seinen Gegenspielern meist hinterher.

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Per Mertesacker: 4

Abgesehen vom Kroatien-Spiel (sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus) spielte der Lange eine ordentliche Vorrunde, war vor allem beim Kopfball stark. Mit der Hauptrunde und den starken Gegnern kamen die Unsicherheiten und Schwächen im Zweikampf. Gegen Portugal stand er erst gegen Ronaldo schlecht. Das Resultat war das 1:2, dann kam er beim 2:3 gegen Postiga zu spät. Auch im Halbfinale häuften sich die Stellungsfehler, die zu Gegentoren beitrugen. Hinzu kamen Fehlpässe. Auch im Finale war Mertesacker nur ein Schatten seiner selbst. Den schnellen Antritten der Spanier hatte er nicht entgegenzusetzen, selbst im Kopfballduell war er unterlegen.

Philipp Lahm: 3

Licht und Schatten lagen beim kleinen Münchner bei der EM dicht beisammen. Einem guten Auftritt auf der rechten Seite gegen Polen folgte ein eher mäßiger Kick gegen Kroatien. Gegen Österreich war Lahm bester Deutscher und lieferte eine enorme Laufleistung ab. Gegen Portugal absolvierte er sein bestes Turnierspiel, machte im Eins gegen Eins sogar Ronaldo nass. Im Halbfinale gegen die Türkei offenbarte er bis dato nicht gesehene Defensivschwächen. Er mühte sich gegen die quirligen Kazim und Sabri und sah zudem auch bei beiden Gegentreffern schlecht aus. Erst sein Siegtor kurz vor dem Ende korrigierte den Gesamteindruck. Durchwachsen blieb aber auch seine Leistung im Finale: Beim Gegentor war Lahm nicht entschlossen genug zu Werke gegangen. Zur Halbzeit musste er verletzt ausgewechselt werden.

Marcell Jansen: 4,5

Gegen Polen spielte der Münchner schwach, hatte große Probleme mit seinem Gegenspieler Lobodzinski. Auch gegen Kroatien wirkte Jansen überfordert, war Mitschuld am ersten Gegentreffer. Hätte sich der der Linksverteidiger nicht verletzt, er wäre ohnehin von Löw aus der Stammformation genommen worden. Erst im Finale kam er erneut eine Halbzeit zum Einsatz, nachdem sich Lahm verletzt hatte. Gegen Spanien lieferte er seine beste Turnierleistung ab, leistete sich jedoch einen kapitalen Bock, als er durch Aufheben der Abseitsfalle fast das 0:2 verursacht hätte.

Clemens Fritz: 4

Der Bremer durfte sich während der Vorrunde als Stammkraft fühlen. Doch zu überzeugen wusste er nur im ersten Spiel gegen Polen, als er über die rechte Seite beständig für Gefahr sorgte. Danach fiel er ab, und eher durch Fehlpässe und schlechtes Stellungsspiel auf. Zu wenig für einen Einsatz in der K.o.-Phase, Löw stellte sein System um und ließ den kleinen Werderaner fortan auf der Bank schmoren.

Bastian Schweinsteiger: 3

Das Pech von Fritz war das Glück von Schweini, der schon gegen Polen nach seiner Einwechslung das Offensivspiel der Deutschen merklich belebt hatte. Auch gegen Kroatien sorgte der Bayer für Druck und Stabilität, stellte sich aber durch seine Tätlichkeit und den Platzverweis selbst ins Abseits. Geläutert durch die Sperre und die mahnenden Worte von Bundeskanzlerin Merkel drehte Schweinsteiger dann gegen Portugal auf und wurde dank eines Tores und zweier Assists zum Matchwinner. Auch gegen die Türkei hielt sein Ausgleichstreffer die DFB-Elf im Spiel. Im Endspiel passte er sich der Schwachen Leistung seiner Teamkollegen allerdings an und setzte keinerlei Akzente. Trotzdem: Schweinsteiger ist der deutsche Gewinner dieser EM.

Torsten Frings: 3

Schon seine Gruppenphase verlief durchwachsen. Wenn er sich auf das Stopfen von Löchern konzentrierte, spielte der Bremer ordentlich. Als er sich gegen Österreich 45 Minuten lang in der Spielmacherrolle probierte, brachte ihm das wenig ein. Gegen Portugal zwang den Bremer seine gebrochene Rippe zur Pause. Im Halbfinale wurde er eingewechselt und sorgte mit seinem Biss und seiner Zweikampfstärke trotz Handicaps für die Stärkung der Defensive. Im Finale war Frings ebenfalls bester deutscher Mittelfeldspieler. Allerdings gelang es ihm im gesamten Turnierverlauf kaum, Akzente für die Offensive zu setzen.

Michael Ballack: 4

Es hätte sein Turnier werden sollen, doch am Ende reichte es für den deutschen Kapitän nicht zum großen Wurf. Gegen Polen lieferte er eine starke Defensivleistung ab, blieb offensiv aber wirkungslos. Gegen Kroatien war er nervös und zweikampfschwach. Gegen Österreich konnte der Capitano dem Spiel seiner Mannschaft nur durch einen Freistoßhammer seinen Stempel aufdrücken. Sein einzig wirklich gutes Spiel zeigte er gegen Portugal, als er mit imposanter Körpersprache und viel Einsatz und dem entscheidenden Tor vorweg marschierte und seiner Leaderrolle gerecht wurde. Gegen die Türken fand er dann nicht mehr statt und auch das Finale lief an ihm auch wegen einer Wadenverletzung vorbei. Für seine Ansprüche enttäuschend. Positiv zu bemerken: sein großer Einsatzwille.

Thomas Hitzlsperger: 3

Der Stuttgarter agierte unauffällig, aber souverän. Gegen Österreich sorgte seine Einwechselung für Ruhe und Ordnung im Spielaufbau, gegen Portugal spielte er vor der Abwehr eine rustikale Sicherungsinstanz und belebte zudem das Offensivspiel. Dies gelang im auch im Halbfinale. Mit einem öffnenden Pass setzte er Podolski ein, der den Ausgleichstreffer vorbereitete. Zudem steuerte er den Pass auf Lahm zum Siegtreffer bei und avancierte so zum großen Gewinner der Partie gegen die Türkei. Im Finale war er gegen das starke spanische Mittelfeld dann allerdings überfordert und wurde nach 57 Minuten ausgewechselt. Insgesamt aber einer der Lichtblicke in der deutschen Mannschaft.

Simon Rolfes: 3,5

Gegen Portugal wurde der Leverkusener ins kalte Wasser geworfen und erledigte die Aufgabe den verletzen Frings zu ersetzen mit Bravour. Zweikampfstark und mit tollem Auge für die Situation ordnete er das Spiel und wusste zu überzeugen. Im Halbfinale lieferte er dann das genaue Gegenteil der vorher gezeigten Leistung ab. Gegen die enorm kämpfenden Türken bekam Rolfes kein Bein auf die Erde und musste dann auch noch wegen einer Augenverletzung ausgewechselt werden.

Lukas Podolski: 3

Auf ungewohnter Rolle im linken Mittelfeld lieferte Poldi im ersten Spiel gegen Polen eine Glanzleistung ab. Stark war auch seine große Moral, mit der er sich als eigentlich einziger Spieler versuchte gegen die Niederlage gegen Kroatien aufzulehnen. In den weiteren Partien fiel auf, dass Poldi zwar in der Offensive Akzente zu setzen wusste, sein Hintermann in der Defensive jedoch die Schwerstarbeit alleine verrichten musste. So war gegen Portugal Bosingwa über die linke deutsche Abwehrseite eine beständiger Unruheherd. Auch gegen die Türken wurde Podolski durch viele Fehlpässe in der Defensive zum Risikofaktor. Im Finale blieb er dann komplett blass.

Miroslav Klose: 4

Wie schon in der Rückrunde der Bundesliga lief auch die EM für den einzigen gesetzten deutschen Stürmer nicht nach Wunsch und wie ein Wellental. Gegen Polen fiel er durch seine Assists auf, gegen Kroatien gar nicht. Gegen Österreich zeigte er aufsteigende Tendenz, ehe ihm gegen Portugal sein 40. Länderspieltor erzielte und immerhin den Freistoß herausholte, der zum 3:1 führte. Gegen die Türkei wurde er von seinen Mitspielern lange in der Luft hängen gelassen, ehe seine Torjägerqualität doch wieder aufblitze. Im Finale war er - auch wegen erneut fehlender Unterstützung aus dem Mittelfeld zur Wirkungslosigkeit verdammt. Auch die Systemumstellung auf eine Sturmspitze kam ihm nicht entgegen.

Mario Gomez: 4,5

Gomez enttäuschte auf der ganzen Linie. Seinen Vorschusslorbeeren als bester Bundesligatorjäger wurde er zu keinem Zeitpunkt gerecht. Gegen Polen leitete das 1:0 ein. Danach war von ihm nicht mehr viel Gutes zu berichten. Dem Stuttgarter fehlte die Abstimmung mit Klose, fand kaum Bindung zum Spiel. Gegen Österreich vergab er völlig verunsichert eine 100prozentige Chance zur frühen Führung und fand sich fortan auf der Bank wieder.

Kevin Kuranyi: 4

Bei der WM musste der Schalker zu Hause bleiben. Bei der EM durfte er immerhin zu drei Kurzeinsätzen aufs Feld. Doch überzeugen konnte Kuranyi nicht. Immerhin zeigte er im Finale nach seiner Einwechslung Einsatz. Allerdings ging dieser auch oft über den Rahmen des Erlaubten hinaus - so blieb eine Gelbe Karte die einzige zählbare Erinnerung des Stürmers an die EURO 2008.

David Odonkor: 5

Warum nur hatte Löw den Spanien-Legionär nominiert? Frischen Wind für die Offensive hatte sich der Bundestrainer versprochen. Versuchen dufte es der Flügelflitzer gegen Kroatien in der zweiten Halbzeit. Doch ein glücklicher Flankenlauf wie gegen Polen bei der WM 2006 wollte ihm nicht gelingen. Odonkor blieb blass und wurde von Pranjic mit einfachsten Mitteln aus dem Spiel genommen. Es blieb bei einem Kurzeinsatz, den man sich auch hätte sparen können.

Nicht zu bewerten:

Oliver Neuville und Tim Borowski durften immerhin ein bisschen anschwitzen. Der Oldie aus Gladbach durfte sich gegen Österreich über eine Einwechslung kurz vor Schluss freuen, der Neu-Bayer durfte ebenfalls kurz vor dem Ende gegen die Co-Gastgeber und Portugal auf das Feld. Gar nicht duften die Ersatztorhüter René Adler und Robert Enke auflaufen. Den Titel "Günter Herrmann 2008" teilen sich die einzigen nicht berücksichtigten Feldspieler Piotr Trochowski und Heiko Westermann, die immerhin im Training für gute Laune sorgten und somit auch einen Anteil am zweiten Platz und sich die 150.000 Euro Prämie redlich verdient haben.

Malte Asmus

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