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Triumph nach 44 Jahren
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Das 1:0: Jens Lehmann am Boden, Fernando Torres obenauf

Zum ersten Mal seit 1964 hat die große Fußballnation Spanien wieder einen Titel geholt. Die Seleccion ist ein würdiger Europameister, verglichen mit Griechenland 2004 - und wohl auch verglichen Finalgegner Deutschland, der bei der Euro einfach zu selten zu bester Form auflief.

Ein Tor von Fernando Torres aus der ersten Halbzeit reichte einer überlegenen spanischen Mannschaft aus, um das Endspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit 1:0 (1:0) für sich zu entscheiden.

Das lange Zittern um den Einsatz von Michael Ballack nahm ein gutes Ende, denn der deutsche Kapitän konnte auflaufen. So gab es nur eine Änderung in der deutschen Startelf gegenüber dem Halbfinale. Torsten Frings spielte wie schon in der zweiten Halbzeit gegen die Türkei an Stelle von Simon Rolfes.

Deutschland mit Ballack, Spanien ohne Villa

Spanien musste wie befürchtet auf Topscorer David Villa verzichten. Dadurch wurde ein Platz in der Startelf für Cesc Fabregas frei, der in einer Mittelfeldviererkette auflief, die die einzige Spitze Fernando Torres bedienen sollte.

Den besseren Auftakt im Ernst-Happel-Stadion hatten die Deutschen, die aggressiv und offensiv begannen und vor allem über die linke Seite mit Philipp Lahm und Lukas Podolski immer wieder Sergio Ramos unter Druck setzten. Der Madrilene, gegen Russland im Halbfinale noch überragend, leistete sich im Finale schon nach wenigen Minuten den ersten groben Schnitzer, als sein Fehlpass Miroslav Klose bediente. Der Münchner legte sich den Ball dann aber zu weit vor und vergab so eine der besten Gelegenheiten, die seine Mannschaft in der ersten Halbzeit bekommen sollte.

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Denn nach etwa einer Viertelstunde bekamen die Spanier das Spiel besser in den Griff. Die erste Torchance für die Roja resultierte jedoch aus einer Aktion Christoph Metzelders, der einen Schuss von Andres Iniesta gefährlich aufs eigene Tor lenkte. Nur ein toller Reflex von Jens Lehmann verhinderte den frühen Rückstand.

Torres terrorisiert die deutsche Abwehr

Doch in der Folgezeit kamen die Spanier einem Treffer immer näher. Nach einem Xavi-Freistoß köpfte der stets gefährliche Torres über die Latte, später übersprang der Liverpooler Stürmer nach Sergio Ramos' Hereingabe Per Mertesacker und traf den linken Pfosten.

Nach gut einer halben Stunde zappelte der Ball dann im Netz. Marcos Senna spielte durch die Mitte Xavi an, der den Ball mit einem schönen Steilpass genau zwischen Metzelder und Lahm weiterleitete. Und Torres, der eigentlich schlechter zum Ball stand als Lahm, umlief den Deutschen und spitzelte den Ball perfekt über den aus dem Tor herausstürzenden Lehmann hinweg ins Tor - eine physisch und technische exzellente Aktion des Stürmers.

Nur drei Minuten später hätte es schon 2:0 stehen können - wenn David Silva Iniestas schönes Anspiel quer durch den Strafraum volley richtig getroffen hätte. Es war nicht das beste Turnierspiel des Valencianers, der vor allem gegen Italien brilliert hatte, heute aber mehrfach Mängel in der Ballbehandlung offenbarte.

Jansen für Lahm in der Pause

Nach dem Führungstreffer bekamen die Spanier nun noch mehr Raum für ihr direktes Passspiel, in der Abwehr hatte vor allem Mertesacker immer wieder Probleme mit Torres in der Luft und den wendigen Xavi und Iniesta auf dem Boden.

Zur Pause brachte Joachim Löw Marcell Jansen für den angeschlagenen Lahm - ein Wechsel der erstaunlich gut funktionierte, denn Jansen zeigte zunächst eine deutlich bessere Leistung als im fatalen Gruppenspiel gegen Kroatien. Dennoch musste Lehmann immer wieder Glanztaten zeigen, wie mit einer starken Reflexparade gegen Xavi und dem sicheren Herauskommen vor Torres, der Mertesacker enteilt war.

Dann kam Kevin Kuranyi als zweite deutsche Spitze für Hitzlsperger, und sofort hatten die Deutschen ihre beste Torchance des Spiels - auch, wenn der Schalker Stürmer daran keinen Anteil hatte. Nach Vorarbeit von Jansen und Bastian Schweinsteiger setzte Ballack zu einem Dropkick von der Strafraumgrenze an, der den linken spanischen Pfosten nur haarscharf verfehlte.

Auch Kevin Kuranyi ohne Durchschlagskraft

Die DFB-Elf hatte nun eine kleine Druckphase, auf die Luis Aragonés mit einem Wechsel reagierte. Er brachte wie schon im Halbfinale Xabi Alonso als zweiten defensiveren Mittelfeldmann zur Unterstützung von Senna. Fabregas musste dafür hinunter.

David Silva hatte dann Glück, als ein Kopf-an-Kopf-Rededuell mit Podolski ("Herr Asterix! Herr Obelix!"), dass er mit einem leichten Kopfstoß beendete, vom ansonsten guten Schiedsrichter Roberto Rosetti nicht gesehen wurde - was auch an der fairen Reaktion des Deutschen lag, der sich nur verdutzt an die Stirn fasste, aber nicht theatralisch zu Boden ging. Sonst hätte es hier zumindest eine Gelbe Karte für Silva geben müssen. Das sah wohl auch Aragonés so, denn er nahm ihn umgehend vom Platz und wechselte Santi Cazorla ein.

Es war im Folgenden erneut Lehmann, der Deutschland mit einer guten Parade gegen Ramos' Kopfball im Spiel hielt. Nach der anschließenden Ecke klärte Frings auf der Torlinie gegen einen Schuss von Iniesta. Auch das Absingen der deutschen Nationalhymne von den Rängen konnte die spanische Dominanz nicht brechen, so dass Löw als letzte Maßnahme Mario Gomez für Klose ins Spiel brachte, während Aragonés Daniel Güiza für den ausgepowerten Torschützen Torres einwechselte.

Ein würdiger Europameister

Güizas Kopfball nach einer Santi-Flanke hätte zehn Minuten vor Schluss fast die Entscheidung gebracht, aber der Mann von Villarreal säbelte leicht überrascht am Ball vorbei, als er frei vor Lehmann auftauchte.

Deutschland kam kaum noch zu vielversprechenden Angriffen. Gegen die spanische Mittelfelddominanz kamen weder Ballack noch Frings ernsthaft an. Mehr als vier Torschüsse sprangen für die DFB-Elf in 90 Minuten nicht heraus. Das war zu wenig gegen eine spanische Elf, die in dieser Verfassung hochverdient Europameister wurde.

Joachim Löw hat einiges zu tun im Hinblick auf die WM-Qualifikation für 2010, für ein Turnier, dessen erster Favorit sich heute schon einmal eindrucksvoll angemeldet hat.

Daniel Raecke

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