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FUSSBALL | WM 2010
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Plattfuß in Afrika
Plattfuß in Afrika
Der beste Spieler des Kontinents: Didier Drogba

Wenn man die Spiele des diesjährigen Afrika-Cups bei den Kollegen von Eurosport verfolgt, könnte man glauben, das Niveau war niemals höher. Doch sportal.de ist der Meinung, in Afrika herrscht nicht nur Stagnation, es erfolgte sogar ein Rückschritt.

Wer erinnert sich nicht gerne an die Weltmeisterschaften der 90er Jahre zurück? 1990 erreichte Kamerun als erstes afrikanisches Land ein Viertelfinale bei einer WM, unvergessen dabei der Sieg im Auftaktspiel gegen Titelverteidiger Argentinien, Roger Milla mit seinen Lambada-Tänzen an der Eckfahne und die unglückliche Niederlage im Viertelfinale gegen England, als Gary Lineker den Favoriten per Elfmeter in die Verlängerung brachte.

Vier Jahre später waren es die Nigerianer, die für Begeisterung sorgten und die Erwartungshaltung an den afrikanischen Fußball stiegen. Finidi George, Jay Jay Okocha, Daniel Amokachi und Co. ließen in der Gruppenphase den späteren Deutschland-Bezwinger Bulgarien, Argentinien und Griechenland hinter sich, im Achtelfinale kam dann allerdings das unglückliche Aus in der Verlängerung gegen den späteren Finalisten Italien.

WM-Bilanz spricht gegen Afrika

Sicherlich war es vermessen, daraufhin von dauerhaften afrikanischen Husarenstücken im Weltfußball auszugehen oder sogar auf einen baldigen Weltmeister vom schwarzen Kontinent zu tippen. Doch die Hoffnung auf neue Konkurrenz für die Ballzauberer aus Südamerika oder die taktisch überlegenen Teams aus Europa war groß und berechtigt.

Weiterführende Links:
 
  Ergebnisse: Afrika-Cup
  Ghana-Blog, Teil 4: Hans Sarpei
  Video: Ghana schmeißt Vogts raus
  Dramatischer Sieg für Kamerun
 

Die Ergebnisse der anschließenden drei Weltturniere zeigen allerdings, dass die afrikanischen Bäume nicht mal eben in den Himmel wuchsen. 1998 schaffte es erneut Nigeria ins Achtelfinale, gegen Dänemark (1:4) war das Team von Trainer Milutinovic aber chancenlos. 2002 stand Senegal überraschend im Viertelfinale und bei der letzten WM in Deutschland wusste nur Ghana in Teilen zu überzeugen, schied aber deutlich (0:3) gegen Brasilien aus.

Schlampige Abwehrarbeit

Betrachtete man den Afrika Cup 2008 - der zudem als Generalprobe für die kommende WM in Südafrika galt - vorab, so war die Vorfreude wieder sehr groß. Bei Namen wie Didier Drogba, Yaya Touré, Samuel Eto'o, Freddie Kanouté, Kolo Touré oder Michael Essien schnalzen die Experten auf der ganzen Welt mit der Zunge, doch das Niveau lässt viele Wünsche offen.

Sicher, es fallen mehr Tore als bei den vergangenen Welt- oder Europameisterschaften, bei genauerer Analyse der bisherigen Spiele spricht das allerdings eher gegen die teilweise dilettantischen Abwehrreihen als für überragende Offensivaktionen.

Kein Tempo

Ausländische Trainer versuchen seit Jahren, die afrikanische Spielfreude und Eleganz mit europäischer Disziplin, dem entsprechenden Taktikverständnis und einer verbesserten Defensive zu vereinen. Diese Ideen, grundsätzlich wohl der richtige Ansatz, werden jedoch zusehends zum Eigentor.

Während die europäischen Ideale nicht wirklich verinnerlicht sind, gehen die afrikanischen Vorzüge zusehends verloren. Doch vor allem mangelt es den Spielen der diesjährigen Auflage an Tempo. Selbst in den erhofften Spitzenspielen (Elfenbeinküste - Nigeria, Ghana - Nigeria) wurde der Ball zu lange gehalten, Querpässe waren wichtiger als Raumgewinn und wurde dann doch mal gefährlich nach vorne gespielt, war Egoismus ein ständiger Begleiter.

Wenn der One-Touch-Football des FC Arsenal, die sehenswerten Ballstaffetten des FC Barcelona oder die taktische Coolness des FC Chelsea - in diesen Clubs stehen die oben genannten afrikanischen Spitzenspieler unter Vertrag - als die Gourmetabteilung des Welt-Fußballs gelten, dann kommen die Leistungen beim Afrika-Cup eher als schnöde Currywurst daher.

Kritiker werden jetzt einwerfen, dass bei der Euro 2008 das Spiel zwischen Österreich und Polen vom Niveau her auch nicht mit einem Klassiker wie Italien gegen Frankreich wird mithalten können, doch selbst die vermeintlich beste Mannschaft der Elfenbeinküste offenbarte bisher spielerische Mängel.

Doch was läuft denn nun tatsächlich falsch? Wie kann das unbestritten große Potenzial im afrikanischen Fußball wieder besser abgerufen werden? Was muss kurzfristig getan werden, um das Niveau wieder zu steigern und die Chancen bei der WM 2010 zu erhöhen? sportal.de hat die Lage in Afrika analysiert und drei Tipps zusammengestellt:

1) Keine zweitklassigen Trainer mehr

Zwölf der 16 teilnehmenden Teams setzen auf ausländische Trainer. Dies ist grundsätzlich der richtige Schritt, die guten afrikanischen Trainer sind rar gesät. Doch bei Namen wie Otto Pfister (Kamerun), Robert Nouzaret (Guinea), Reinhard Fabisch (Benin) oder Jean-Francois Jodar (Mali) stellt sich schon die Frage, ob das die richtigen Übungsleiter sind.

Betrachten wir exemplarisch den in Deutschland weitestgehend unbekannten Fabisch. Der Ex-Profi von Borussia Dortmund hat in der Heimat die Fußballlehrer-Ausbildung genossen, in Deutschland aber keine nennenswerte Stelle besetzt. Er ging ins Ausland und trainierte vor seiner jetzigen Station Benin bereits Kenia, Simbabwe und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Coaches werden in Afrika einfach gerne rumgereicht, das trifft für Fabisch und Pfister genauso zu wie für die zahlreichen französischen Trainer.

Andere Verbände bemühen sich schon seit Jahren um größere Namen, doch mehr als Ruhm vergangener Zeiten bleibt bei genauerer Betrachtung selten übrig. Berti Vogts war als Trainer Europameister, doch bei seinen nächsten Stationen blieb der Erfolg aus. Der Terrier ist zudem ein sehr gutes Beispiel dafür, dass die afrikanischen Verbände auch auf Sprachkenntnisse achten sollten, wie soll Vogts mit seinem legendären Englisch taktische Feinheiten weitergeben?

Diese Hürde haben französische Trainer in vielen Nationen Afrikas sicher nicht, doch es bestehen berechtigte Zweifel ob ein Roger Lemerre (66 Jahre/Tunesien) oder ein Henri Michel (60/Marokko) noch die Begebenheiten des modernen Fußballs weitergeben können.

Bleibt die Frage nach den Alternativen. Die ganz großen Namen der Trainerbranche kommen sicher nicht in Frage, doch junge ausländische Übungsleiter mit guter taktischer Ausbildung und den entsprechenden Sprachkenntnissen könnten den afrikanischen Fußball nach vorne bringen. Um solche Leute verpflichten zu können, müsste allerdings eine weitere Bedingung - und wenn auch nur ansatzweise - erfüllt werden:

2) Bessere Arbeitsbedingungen

Fast so alt wie das runde Leder selbst sind Nachrichten über die chaotischen Zustände in den Verbänden. Nächtliche Prämienverhandlungen vor wichtigen Spielen, die Einmischung von Politikern oder Funktionären in Personalfragen oder ausbleibende Gehaltszahlungen gehören in Afrika zur Tagesordnung.

Forderungen nach einer wesentlichen Verbesserung in dieser Frage sind wahrscheinlich utopisch, aber nur so können aufstrebende Trainer gelockt werden. Zu verbesserten Arbeitsbedingungen gehört das alleinige sportliche Sagen, die Umsetzung von Konzepten, die Jugendspielern eine bessere taktische Ausbildung ermöglichen oder auch erfolgsunabhängigeres Arbeiten. Die hohe Fluktuation bei den Trainerposten in den wichtigen afrikanischen Ländern trägt auch nicht zu einer Verbesserung des Niveaus bei.

Abschließend sei an dieser Stelle noch auf die Kontinuität im ägyptischen Lager hingewiesen. Hassan Shehata heißt der ägyptische Trainer des Titelverteidigers. Der 58-Jährige coachte zunächst das Juniorenteam der Ägypter und übernahm dann 2004 den Posten des Nationaltrainers. Shehata geht damit bereits in sein viertes Jahr, feierte 2006 den Titel beim Afrika Cup und steht nun erneut im Halbfinale.

3) Die afrikanischen Stärken herausstellen

Wenn man die Spieler afrikanischer Mannschaften aus den 90er Jahren mit den aktuellen Leistungen vergleicht, so fällt auf, dass gerade die erfolgreichen Teams taktisch schon eine Menge dazu gelernt haben. Doch dafür sind andere Qualitäten auf der Strecke geblieben.

Fast scheint es so, als habe es Huub Stevens nach Afrika verschlagen. Die Null muss zuerst stehen, Sicherheit ist sehr wichtig. Selbst so spielstarke Mannschaften wie die Elfenbeinküste spielen sehr viel in die Breite und hinten herum - auch wenn am Ende gerade bei den Ivorern hohe Siege heraussprangen, attraktiv ist etwas anderes.

Deshalb sollten die Trainer eine gesunde Mischung aus taktischer Schulung und der unbekümmerten Spielweise früherer Jahre finden. Oftmals wirken die Spieler in ein Konzept gepresst, dass ihnen ihre Individualität nimmt. Mehr Mut ist gefragt.

Marcus Krämer

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