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Vorsicht! Aufstrebendes Talent beansprucht Stammplatz
Die Frisur stimmt schon mal bei Christopher Schorch

Der diesjährige Meister hat es vorgemacht: Mit jungen Spielern kann man in der Bundesliga alles gewinnen. In einer vierteiligen Serie widmen wir uns den neuen Stars, den hoffnungsvollen Talenten, möglichen Verlierern und Spielern, die verzweifelt ihre letzte Chance suchen.

Als besonders vorbildlich gilt die Nachwuchsarbeit beim Meister VfB Stuttgart und Hertha BSC: Spieler wie Sami Khedira, Kevin Prince Boateng, Mario Gomez oder Askhan Dejagah durchliefen die Nachwuchsakademien im Schwabenland und an der Spree.

Kein Wunder also, dass mit Andreas Beck vom VfB und Christopher Schorch von Hertha gleich zwei Jung-Profis aus diesen Talentschmieden vehement in die Bundesliga drängeln.

Beck - der Nächste, bitte?

Andreas Beck ist beim VfB nur einer von vielen jungen Spielern des Kaders. Die Neuentdeckungen der letzten Saison Khedira, Gomez, Serdar Tasci und Roberto Hilbert bringen es gerade einmal auf ein Durchschnittsalter von 21,25 Jahren - Beck ist mit seinen 20 Jahren ebenso auf dem Sprung, wie es das Quartett vorgemacht hat.

In der U21-Nationalmannschaft hat sich der Verteidiger bereits bewähren dürfen und auch beim VfB wird ihm mit Sicherheit eine größere Rolle eingeräumt werden, als dies noch in den letzten beiden Spielzeiten der Fall war.

Allerdings hängt dies auch von mehreren Faktoren ab - zum einen müsste der ebenfalls 20-Jährige Tasci in die Mitte rücken und die rechte Außenbahn freigeben, zum anderen müsste Beck auch noch Ricardo Osorio verdrängen. Ein Bonus der für Beck und gegen den Mexikaner sprechen würde, wäre der positive Jugendwahn des VfB.

18 Jahre und kein bisschen leise

Für dezentes Auftreten sind die Jungstars beim Hauptstadtclub nicht immer bekannt - die Brüder Kevin Prince und Jerome Boateng fielen nicht gerade durch ihre Bescheidenheit auf und auch ihr Altersgenosse Christopher Schorch sorgte bereits mit gerade einmal 16 Bundesliga-Spielminuten auf dem Buckel für Wirbel in der Hertha-Geschäftsstelle.

Nach einem Bericht der BILD hatte der 18-Jährige mit einem Besuch bei Dieter Hoeneß für Furore gesorgt: Sein Begleiter war der Stiefvater seiner Freundin, der an sich den ehrbaren Beruf des Friseurs ausübt, aber in dem Falle als Manager des Schwiegersohnes in spe glänzen wollte. Das angebliche Ziel des Besuches - Schorch wollte ausgeliehen werden, um Spielpraxis zu erlangen. Das Ergebnis: Hoeneß bat den Coiffeur hart aber herzlich aus seinem Büro, von den Argumenten des selbst ernannten Beraters wenig überzeugt.

Der Auftritt bei Hoeneß wird den ohnehin nicht allzu großen Chancen auf einen Stammplatz nicht wirklich zuträglich sein. Zwar ist mit dem unrühmlichen Abgang Van Buriks ein Platz in der Innenverteidigung neben Josip Simunic frei, doch drängt ausgerechnet Nationalspieler Arne Friedrich in diese Lücke. Vielleicht hätte Hoeneß dem Ansinnen des Friseurs stattgeben sollen, damit Schorch wirklich Profi-Fußballluft schnuppern kann.

Der Bayern-Spielmacher der Zukunft

Angeblich haben die Bayern ihm schon die Nummer zehn für die Zukunft reserviert, doch in diesem Jahr wird Toni Kroos erst einmal mit der 39 auflaufen. Der 17-Jährige war im letzten Jahr für 100.000 Euro Ablöse von Hansa Rostock an die Isar gelotst worden. Welches Talent dem U17-Nationalspieler bescheinigt wird, zeigen die damaligen Angebot von Chelsea, Schalke, Bremen und Stuttgart.

An der Säbener Straße hält man viel von Kroos, nicht nur Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld loben den Mittelfeldspieler, auch Oliver Kahn setzt seine Zukunftshoffnungen in das Talent: "Der Junge hat unglaubliche Ansätze. Er ist fußballerisch das Beste, was ich seit Jahren aus dem Nachwuchsbereich gesehen habe", sagte der Torwart in der SPORT BILD.

Obwohl eigentlich noch für die B-Jugend spielberechtigt, setzte Hitzfeld ihn bereits im Februar bei einem Turnier in Österreich ein und berief ihn für die neue Saison zum Training in den Kader der Profis. Ein richtiger Schritt, wie A-Jugendtrainer Kurt Niedermayer findet. "Die Jugend stellt für Toni keine Herausforderung dar", so der Nachwuchscoach gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Der Erbe des Brasilianers

Ein anderer Spieler hat bereits die zehn in seinem Verein erhalten: Der mit viel Vorschußlorbeeren bedachte Ivan Rakitic trägt bei Schalke bereits das schwere Erbe des Brasilianers Lincoln - wenn auch erst einmal nur auf dem Rücken.

Der 19-Jährige, der gerade erst mit dem FC Basel den Schweizer Pokal gewinnen konnte, weist sogar schon internationale Erfahrung auf: Für die Schweizer absolvierte er fünf Spiele im Uefa-Cup.

In die sehr großen Schuhe Lincolns muss der kroatische Nationalspieler allerdings noch hineinwachsen: "Zweifellos bringt Rakitic die Qualität mit, sich in der Bundesliga durchzusetzen - aber das ist nicht das Ziel", befand Schalke-Legende Marc Wilmots im kicker. "Bei Schalke geht es um den Meisterschaftskampf und die Champions League, beides sind Kategorien, in denen man von einem jungen Spieler nicht zu viel erwarten darf. Denn Qualität ist die eine Sache - auf dem Platz entscheidet auch Erfahrung."

Die fehlt Rakitic ohne Zweifel noch und auch Mitstreiter Mesut Özil wird den verwaisten Platz der zu Galatasary Istanbul abgewanderten alten Nummer zehn nicht sofort einnehmen können - doch auf Schalke regiert das Prinzip Hoffnung, dass die geschätzten fünf Millionen Euro Ablöse sich schnell rentieren mögen.

Von der Ober- in die Bundesliga

Für Heinrich Schmidtgal scheint der Weg nach oben zu gehen. In der vergangenen Saison wirbelte der 21-Jährige noch im Mittelfeld des SC Verl und überzeugte die Bochumer Scouts beim Spiel gegen die Zweite des VfL - jetzt singt Trainer Marcel Koller in den Ruhr Nachrichten das Loblieb auf den gebürtigen Kasachen: "Er kann beißen und hat einen unglaublichen Willen. Im Testspiel gegen Split hat er im defensiven Mittelfeld sehr intelligent gespielt."

Gleich im ersten Testspiel durfte Schmidtgal ran, gibt sich trotz des Lobes aber bescheiden: "Ich habe noch einen weiten Weg vor mir", solche Aussagen erfreuen gerade bei den heutigen Jungstars auch das Herz des Übungsleiters.

Der weite Weg wird natürlich durch die bereits vorhandenen Stammkräfte oder Neuzugänge wie Marc Pfertzel verbaut – doch der erste Schritt ist für Schmidtgal gemacht. Und sollte er ähnlich agieren wie beim Spiel gegen die Bochumer Amateure und seine Chance nutzen, kann auch ein Marcel Koller nicht an ihm vorbei.

Sven Kittelmann