Die Welt blickt auf Michael Schumacher und sein Comeback - doch was bedeutet das für seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg? Im Interview nimmt er dazu ausführlich Stellung und verspricht Schumacher einen harten Wettbewerb um die Pole-Position im Team.
Beschreiben Sie doch mal den Grat zwischen der Herausforderung, sich mit dem Rekordweltmeister im eigenen Team messen zu müssen, und der Freude, endlich in einem Rennwagen mit WM-Qualitäten sitzen zu dürfen? Nico Rosberg: Ganz klar, in einem Siegerauto und dann noch in einem Mercedes zu sitzen, macht mich schon sehr stolz. Der Wechsel war für mich wichtig, um mich neu zu orientieren und in einem anderen Umfeld neue Motivation zu bekommen. Bei Mercedes GP ist es ideal. Weil ich zum einen mit Ross Brawn und zum anderen mit Michael Schumacher zusammenarbeiten kann. Mit Michael zusammen in einem Team fahren zu können, macht mir wirklich große Freude. Die Zusammenarbeit mit ihm klappt sehr gut. Wir tauschen uns aus, ich fühle mich im Team sehr wohl.
Wie sehr können Sie davon profitieren, dass die Augen - zumindest erst einmal - alle auf Michael Schumacher gerichtet sein werden? Rosberg: Dass die ganze Welt auf Michael schaut, ist verständlich und logisch. Aber dies hat ja auch was Positives für mich, da habe ich auch etwas mehr Zeit, um mich um andere Dinge zu kümmern. Insgesamt kann ich mich aber nicht über Langeweile beklagen, denn neben der Testarbeit habe ich seit Beginn meines Vertrages mit Mercedes GP schon einige interessante PR-Termine erleben können.
Haben Sie sich noch intensiver auf diese Saison vorbereitet als bisher? Rosberg: Ich trainiere täglich fünf bis sechs Stunden. Ehrlich gesagt machen aber nicht immer alle Trainingseinheiten sehr viel Freude, da viele Sachen einfach sehr hart sind. Aber ich sage mir immer, dass ich das tue, um Rennen zu gewinnen.
Eines ihrer Hobbys ist Schachspielen - welches wird denn 2010 der wichtigste Zug sein, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein? Rosberg: Ein erfolgreicher Schachzug war sicherlich, dass ich mit der Kombination aus Mercedes GP und Ross Brawn schon mal sehr gute Voraussetzungen haben werde. Den wichtigsten Zug aber in diesem hart umkämpften Sport im Vorfeld vorauszusagen, da passe ich - Prophezeiungen sind nicht mein Ding.
Es heißt immer, der erste Gegner ist der eigene Teamkollege - in diesem Jahr für Sie erst recht? Rosberg: Das stimmt, den eigenen Teamkollegen zu schlagen, ist immer die erste Herausforderung, denn er ist der Einzige, der im gleichen Auto wie ich fährt. Mit Michael habe ich jetzt einen Teamkollegen, der wird es mir sicherlich nicht so einfach machen, denn Michael ist einer der Besten aller Zeiten. Aber in Michael sehe ich nicht nur einen Gegner, sondern ich denke, dass wir beide als Teamkollegen gemeinsam mit unserer Mannschaft viel erreichen können - auf und neben der Strecke.
Was erwarten Sie von sich in diesem Jahr? Rosberg: Das ist nicht so einfach vorherzusagen. Auf alle Fälle wird es zwischen Michael und mir einen harten, aber fairen Wettbewerb geben. Aber persönlich, und darum geht es mir, möchte ich vom ersten bis zum letzten Rennen eine super Leistung bringen und vor meinem Teamkollegen sein. Ich hoffe natürlich auch, ein Sieger-Auto zu bekommen, denn es wäre fantastisch meinen ersten Sieg einzufahren und das in einem Mercedes-Silberpfeil.
Sind auch Sie bereit für den Titel? Rosberg: Wenn es soweit sein sollte, bin ich dafür bereit, klar. Aber so weit denke ich noch nicht. Die Konkurrenz ist sehr stark. Man muss zuerst Rennen gewinnen und vorne dabei sein.
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