
Der Mannheimer Hoffnungsträger Harold Kreis
Die DEL geht in ihre 17. Saison, wie zum letzten Mal vor fünf Jahren gehen 14 Mannschaften an den Start. sportal.de wirft einen Blick auf die Neuerungen und wagt eine erste Prognose.
Ein neuer Modus: Sämtliche Playoffrunden werden in der neuen Spielzeit nach dem Modus best of seven gespielt. Trotz des Ausschlusses der Kassel Huskies finden 60. Spieltage statt, es wurden lediglich die Spiele der Hessen aus dem bereits veröffentlichten Spielplan gestrichen. Donnertags finden nur noch in Ausnahmefällen Partien statt.
Zudem gibt es einige Regeländerungen für die Saison 2010/2011. Nicht bei allen erschließt sich unmittelbar Sinn und Zweck. Hier die wichtigsten Neuheiten: In Zukunft laufen die Uhren in der DEL rückwärts, so wie es beispielsweise bei Weltmeisterschaften üblich ist. Welche Auswirkungen das auf die Dynamik das Spiels hat, ist noch nicht absehbar.
Wird ein Strafschuss ausgesprochen, muss der gefoulte Spieler, so er nach dem Foul noch dazu in der Lage ist, den Penalty selbst ausführen. Es ist die Wiederbelebung einer Regel, die es bereits gab. Interessanter wird es an einem anderen Punkt: Spielt ein Team in Unterzahl und es wird eine zusätzliche Strafe angezeigt, erlischt die bereits ablaufende Strafe im Falle eines Treffers und die neue kommt in die Uhr. In solchen Fällen werden als Powerplays deutlich länger, gutes Überzahlspiel wird belohnt.
Während des Penaltyschießens dürfen die Goalies gewechselt werden, dies muss aber bereits vor Beginn des Penaltyschießens angemeldet werden. Die Größe der Wechselzonen wird halbiert. Diese Veränderung wird mit Sicherheit zu zahllosen zusätzlichen Strafen führen, zumindest bis die Regel in Fleisch und Blut der Spieler übergegangen ist.
Wird eine kleine Banksprache ausgesprochen, muss ein Spieler die Strafe absitzen, der zu diesem Zeitpunkt auch auf dem Eis stand. Nun zu den Mannschaften: zunächst hier der Blick auf zwei Teams, Mannheim und Berlin, die, wie jedes Jahr, als die heißesten Titelanwärter gehandelt werden. Dazu kommen dann noch der aktuelle Titelträger und sein Vize.
Adler Mannheim
Seit dem letzten Titelgewinn in der Spielzeit 06/07 wartet man bei den Adlern auf den großen Wurf. Der Tiefpunkt war in der vergangenen Saison erreicht, als für die Kurpfälzer bereits in den Preplayoffs Schluss war. Unter Rückkehrer Harold Kreis, der von der DEG gekommen ist - immerhin 20 Jahre war er in Mannheim aktiv - soll das nun anders werden. Vielleicht hofft man bei den Adlern ja auf das Gesetz der Serie? Die letzten beiden Titel wurden jeweils nach sehr schwachen Spielzeiten errungen.
Die Vorbereitung konnten die Adler dank der European Trophy auf internationalem Parkett bestreiten, erst am letzten Spieltag bei der Niederlage verpassten sie die Teilnahme an der Finalrunde in Salzburg. Die Bilanz des Turniers: Drei Siege, drei Niederlagen und zwei Niederlagen nach Penaltyschießen. Größtes Problem war in der Vorbereitung das Toreschießen.
Tor: Keine Veränderungen bei den Herren zwischen den Pfosten. Mit Fred Brathwaite vertraut man auf einen der Besten seiner Zunft. Anlass, an dieser Stelle tätig zu werden, bestand allerdings auch keiner.
Defense: In der Verteidigung hat das Team einiges an Erfahrung abgegeben: Andy Hedlund ist zurück nach Düsseldorf, Felix Petermann ist nach München, auch Chris Schmidt und Pascal Trepanier (Krefeld) haben den Verein verlassen. Neu dazugekommen sind Robert Dietrich, einst für die Jungadler aktiv, der zurück aus den Staaten gekommen ist, Ex-Löwe Michel Periard und die Spätverpflichtung Daniel Cespiva, der die Lücke füllen soll, die der verletzte Sven Butenschön vorerst hinterlässt.
Offense: Nicht mehr dabei sind Ahren Spylo, Michael Hackert und Tomas Martinec. Dazugekommen sind lediglich Manuel Klinge und Craig MacDonald. Im Vergleich zu den Vorjahren haben die Adler auf dem Transfermarkt in diesem Jahr verhältnismäßig zurückhaltend agiert.
Die Vorbereitung unter Wettkampfbedingungen zu bestreiten, war mit Sicherheit kein Nachteil für die Adler. Mannheim muss weniger Neuzugänge integrieren als in den vergangenen Jahren. Entscheidend wird sein, ob Harold Kreis der Mannschaft, die in der letzten Saison doch mehr oder weniger versagt hat, wieder Leben einhauchen kann.
Prognose: Er kann. Die Adler beenden die Hauptrunde unter den besten Drei.
Eisbären Berlin
Im Kampf um den Titel führt an den Eisbären kein Weg vorbei. Nach dem enttäuschenden Aus im Vorjahr im Viertelfinale - obwohl der Hauptstadtclub die Liga in der Hauptrunde wie noch nie eine Mannschaft zuvor dominieren konnte - ist auch in diesem Jahr das Team von Don Jackson der große Titelfavorit.
Vorbereitung: Genau wie die Adler konnten die Eisbären die Saisonvorbereitung unter verschärften Bedingungen absolvieren. Und dabei präsentierten sie sich nach holprigem Beginn, den man im Nachhinein unter Anlaufschwierigkeiten abhaken kann, in erschreckender Frühform. Als Gruppensieger qualifizierten sie sich für die Finalrunde in Salzburg.
Tor: Hier bestand kein Handlungsbedarf. Mit Rob Zepp und Kevin Nastiuk verfügt man wohl über das beste Goalie-Duo der Liga.
Defense: Mit Andy Roach (DEG) und Marvin Degon (Ingolstadt) gab es lediglich zwei Abgänge. Neuzugang Jimmy Sharrow konnte sich bereits bei der European Trophy auszeichnen, mit ihm hat sich die Mannschaft mit Sicherheit nicht geschwächt. Ansonsten baut man bei den Eisbären auf eine überaus erfolgreiche Jugendarbeit.
Offense: Die Abgänge in der Offense der Eisbären sind schwerwiegend. Mit Steve Walker und Denis Pederson verlor man zwei der prägenden Angreifer der letzten Jahre. Nach dem Rücktritt vom Rücktritt ist Pederson jedoch schon wieder zurück in Berlin. Es ist nicht auszuschließen, dass auch Walker den Weg in die Hauptstadt zurückfindet, um seinen endgültigen Abgang mit einem Titel zu beenden. Aus Iserlohn ist Mads Christensen an die Spree gewechselt. Gespannt darf man auf die weitere Entwicklung von Laurin Braun sein.
Die Eisbären treten mit einer eingespielten Mannschaft an, bereits in bei der European Trophy zeigte sich das Team jedem Gegner gewachsen, in der DEL wird das nicht anders sein.
Prognose: Die Eisbären schließen die Hauptrunde erneut als Erster ab.
Augsburger Panther
Die sensationelle Leistung der vergangenen Saison mit dem Erringen der Vizemeisterschaft wird kaum zu toppen sein. Zumal der Erfolg einen regelrechten Aderlass zur Folge hatte. Mehr als die halbe Liga, acht Teams, haben sich bei den Oberschwaben bedient. 14 Abgänge hat die Mannschaft von Larry Mitchell zu verkraften, ebenso viele neue Spieler stehen in den Pantherreihen.
Vorbereitung: Die Vorbereitung der Panther verlief durchwachsen. Auf der Habenseite steht der Sieg beim Joker-Cup in Kaufbeuren, doch in vier Spielen gegen die anderen DEL-Teams aus dem Süden konnte man lediglich den ERC Ingolstadt schlagen. Die neu zusammengestellte Mannschaft wird vermutlich noch einige Zeit brauchen, um sich einzuspielen.
Tor: Das Tor der Panther schmückt in seiner aller Voraussicht nach letzten DEL-Saison weiter der beste Goalie der Vorsaison, Dennis Endras. Die zweite Geige spielt wieder Leo Conti. Handlungsbedarf besteht also erst in der nächsten Spielzeit.
Defense: Die Verteidigung hat tatsächlich noch etwas mit der vergangenen Spielzeit zu tun. Verabschiedet haben sich T. J. Kemp, Jeff Likens (beide Nürnberg) und Christian Chartier (Ingolstadt). Ersetzt wurden sie durch Jonathan D'Aversa, Jonathan Paiement und Justin Fletcher.
Offense: Im Angriff ist praktisch kein Stein auf dem anderen geblieben. Übrig ist lediglich Topscorer Darin Olver, da wundert man sich fast, wieso überhaupt. Die Plätze zwei bis elf in der mannschaftsinternen Scorerliste werden in Zukunft woanders ihre Brötchen verdienen. Mit Peter Flache und Florian Schnitzer stießen lediglich zwei Spieler zu den Panthern, die bereits in der DEL Spielerfahrung sammeln konnten. Dazu kommt die Nachverpflichtung von Thomas Pielmeier aus Kassel.
Auf die Panther passt am besten der Begriff "Wundertüte". Bereits in der vergangenen Saison hat Larry Mitchell gezeigt, wie man aus einer Mannschaft, die Jahr für Jahr kräftig umgemodelt wird, mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln ausgestattet, das Optimum herausholt. Damals musste er allerdings "nur" neun Neuzugänge einarbeiten.
Prognose: Die Panther werden um einen Preplayoffplatz kämpfen müssen. Aber das muss gar nichts heißen.
Hannover Scorpions
Die Fußstapfen sind tief, die Hans Zach seinem Nachfolger Toni Krinner hinterlassen hat. Die Neubesetzung des Trainerpostens ist im Prinzip die wichtigste Veränderung beim amtierenden Meister. Für Unruhe dürfte zudem gesorgt haben, dass während der Sommerpause zwischenzeitlich sogar schon das Aus für die Scorpions vermeldet wurde.
Vorbereitung: In der Vorbereitung wiesen die Scorpions eine durchwachsene Bilanz auf, in Spielen gegen die Ligakonkurrenz gab es Erfolge gegen München und Düsseldorf, Niederlagen gegen die Grizzlies (2) und Hamburg.
Tor: Im Tor präsentiert sich weiterhin Travis Scott als Rückhalt, mit der Aussage Titel erringen zu wollen, war er zu den Scorpions gewechselt. Belächelt wird er dafür nicht mehr. Backup ist Youri Ziffzer nach einer Saison bei den Indians.
Verteidigung: Konstanz ist Trumpf beim Meister, der Kader wurde weitgehend gehalten, lediglich Rainer Köttsdorfer hat sich Richtung Hamburg verabschiedet, quasi im Tausch mit Paul Manning, der den Weg nach Niedersachsen gefunden hat. Neu dazugekommen ist auch Daniel Reiß.
Offense: Auch im Angriff gibt es bei den Scorpions nur geringfügige Veränderungen. Mit Garrett Festerling hat sich ein Flügelspieler verabschiedet, der in den vergangenen Spielzeiten lediglich auf jeweils fünf Scorerpunkte kam, ein Abgang, der zu kompensieren ist.
Bei keinem DEL-Team gab es so wenig Veränderungen wie beim Titelträger. Da weiß Toni Krinner genau, was er hat: Den Meister. Das könnte auch zu einem Problem werden, denn Krinner trifft auf eine Mannschaft, die bereits etwas erreicht hat und weiß, was sie kann.
Prognose: Die Scorpions erreichen einen sicheren Playoffplatz.
Olaf Edig