
Das war die Welt noch in Ordnung: Scorpions Trainer Hans Zach (l.) und Eigentümer Günter Papenburg
Im April erst hatten die Hannover Scorpions den größten Triumph der Vereinsgeschichte gefeiert und wurden erstmals Deutscher Meister. Jetzt droht völlig überraschend der komplette Zusammenbruch des Teams. Eigentümer Günter Papenburg zieht sich aus allen sportlichen Aktivitäten zurück. Nach dem Aus der Frankfurt Lions vor zwei Wochen wird wohl auch Hannover die Lizenz abgeben müssen. Die kommende DEL-Saison verkommt zur Farce.
Die Hiobsbotschaften in der Deutschen Eishockey-Liga reißen nicht ab: Meister Hannover Scorpions fehlen nach dem Rückzug des wichtigsten Geldgebers fünf Millionen Euro, dem Titelverteidiger droht das Aus. Den Scorpions bleibt nun nur noch ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Reduzierung auf 14 Klubs droht
Nun also auch noch der Meister: Mit dem drohenden Aus für die Hannover Scorpions droht der DEL endgültig ein Desaster. Scorpions-Eigentümer Günter Papenburg, der auch Besitzer und Betreiber der TUI-Arena ist, hat seinen sofortigen Ausstieg aus allen Sport-Aktivitäten erklärt. Die Niedersachsen müssen deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit ihre DEL-Lizenz, die sie erst vorige Woche unter Auflagen hatten, zurückgeben. In der Event-Halle auf dem Messegelände tragen die Scorpions ihre Heimspiele aus.
Die Liga ist bereits geschrumpft: Ex-Champion Frankfurt Lions bekam keine Lizenz. Zudem will die DEL die Kassel Huskies loswerden, die sich aber vor Gericht bisher erfolgreich gegen ihren Ausschluss als Gesellschafter und die Lizenzverweigerung wehren. Ohne Hannover würde die Liga nun nur noch mit 14 statt einstmals 16 Klubs spielen.
Fünf Millionen fehlen - die Stadt soll helfen
"Ich habe Verständnis für Herrn Papenburg, wenn er sagt, ich kann es mir nicht mehr leisten, die Scorpions zu unterstützen", sagte Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Hannover. Stichnoth bezeichnete die angedrohte Lizenzrückgabe als "letzten Hilferuf", um die Stadt Hannover, die Messe AG und andere Partner noch mit ins Boot zu holen. Nach seinen Angaben fehlen rund fünf Millionen Euro, um den Spielbetrieb doch noch aufrechterhalten zu können.
Oberbürgermeister Stephan Weil bedauerte den drohenden Lizenz-Verlust. "Allerdings bleibt die Stadt Hannover bei ihrer Haltung, dass Profisport nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden kann. Darin sind wir uns auch mit dem Land einig", betonte Weil in einer Mitteilung. "Ein finanzielles Engagement der Stadt für die Scorpions kann es daher nicht geben."
Der Politiker bedauerte zudem, dass das von Papenburg angestrebte neue Betreiber-Konzept für die TUI-Arena bislang nicht zustande gekommen sei. Die Deutsche Messe AG als Wunsch-Partner in einem erweiterten Betreiberkonzept sei weiterhin gesprächsbereit.
Probleme nicht gelöst
Bauunternehmer Papenburg fordert seit Jahren, die Verantwortung für die anlässlich der Weltausstellung Expo im Jahr 2000 gebaute Halle auf mehrere Schultern zu verteilen. Nicht eingehaltene Zusagen, so seine Sichtweise, seien der Grund für den Sinneswandel, der die Spieler, den neuen Scorpions-Trainer Toni Krinner und die zahlreichen Fans völlig überraschte. Papenburgs Rufe wurden aber nicht erhört. Im Gegenteil. Nach einem kostenspieligen Rechtsstreit mit der Region Hannover wurde der Etat für das Eishockey-Team in der vergangenen Saison von 7,5 auf geschätzte 4,5 Millionen Euro gesenkt.
Als ein Gespräch zwischen der Stadt Hannover und der Messe AG nicht den erhofften Erfolg brachte, teilte der frustrierte Papenburg nun Stichnoth am Telefon das Ende seines Engagements für das Eishockey-Team mit. "Es gibt keinen Plan B, und die Situation ist mehr als dramatisch. Es stehen 100 Arbeitsplätze auf dem Spiel", sagte Stichnoth. Die Lizenz sei aber noch nicht zurückgeben worden.
Überraschender Titelgewinn erst im April
Trotz des reduzierten Etats hatte die Scorpions-Mannschaft im vergangenen April unter der Regie von Trainer-Urgestein Hans Zach überraschend den nationalen Titel gewonnen und damit Jubel und Begeisterung in Hannover ausgelöst. Die mehr als 10.000 Zuschauer fassende Halle war aber nur einmal in der kompletten Saison ausverkauft - im letzten Finalspiel gegen die Augsburger Panther.
Ursprünglich wollte das Meisterteam unter dem neuen Coach Toni Krinner in der nächsten Woche mit der Vorbereitung auf die neue Saison beginnen. "Meine Urlaubsstimmung ist im Keller", berichtete der neue Coach aus seinem Wohnort Bad Tölz. "Im Moment möchte ich die ganze Angelegenheit aber nicht kommentieren. Ich werde zu gegebener Zeit etwas dazu sagen", teilte Krinner mit. Stichnoth hatte noch vor einem Monat betont, die Scorpions würden weiter in der DEL spielen, nachdem der Meister wie auch andere Klubs Auflagen erfüllen musste.
Scorpions drohen Schadenersatzklagen
Sollten die Scorpions ausgeschlossen werden, drohen dem Klub Schadenersatzklagen der anderen Vereine. Das sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. "So sehen es die Statuten der Liga vor", erklärte Tripcke, der sich über die von Stichnoth angedrohte Lizenzrückgabe verwundert zeigte. "Ich dachte, dass alles in trockenen Tüchern ist." Die Niedersachsen wollen spätestens Anfang nächster Woche endgültig entscheiden, ob sie die Lizenz zurückgeben.
Stichnoth setzt seine letzten Hoffnungen auf das Land. Doch der zuständige niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode befindet sich im Urlaub, und auch Oberbürgermeister Weil tritt am Wochenende seinen Urlaub an. Unter Zeitdruck scheint eine Lösung kaum machbar, selbst wenn aus dem Rathaus zu hören war, dass Hannovers Oberbürgermeister auch per Handy zu erreichen sei.