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Die Frankfurt Lions geben in der DEL endgültig auf
Die Frankfurt Lions geben in der DEL endgültig auf
In Frankfurt wird nicht mehr gejubelt

Ende, Aus, vorbei: Der ehemalige deutsche Meister Frankfurt Lions hat den Existenzkampf in der DEL aufgegeben. Die Uhren stehen nun endgültig still, Lions-Boss Siggi Schneider rechnet vor allem mit der Stadt Frankfurt ab.

Fünf Tage nach dem Lizenzentzug mit sofortiger Wirkung durch die DEL erklärte Schneider auf einer Pressekonferenz, dass es keine Zukunft mehr für den mit rund einer Millionen Verbindlichkeiten belasteten Club gebe. Am Mittwoch kommender Woche (14. Juli) soll der Insolvenzprüfungsantrag von Verwalter Fabio Algeri eingereicht werden. Ein Insolvenzverfahren könne frühestens drei Wochen später eröffnet werden.

"Dazu bin ich nicht mehr bereit"

"Wir lehnen den Gang vor das Schiedsgericht ab. Das brächte uns vielleicht die Lizenz, die 600.000 Euro Altschulden könnten wir noch wegkriegen. Aber in die neue Saison müsste auch noch mal investiert werden ­ und das leider nur wieder aus privaten Quellen. Dazu bin ich und meine drei Mitstreiter in der Gesellschaft nicht mehr bereit", erklärte Schneider das Aus des 1991 gegründeten Clubs am Main.

Am 28. Mai hatten die Lions beim Frankfurter Amtsgericht drohende Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Weder die Stadt Frankfurt noch private Geldgeber seien bereit, entsprechende finanzielle Unterstützung für den diesjährigen Vizemeister der Vorrunde zu leisten, hatte Schneider beklagt. "Wir haben schon rund 4,4 Millionen in den Verein gepumpt, jetzt kämen noch einmal rund 800.000 Euro für Neuinvestitionen dazu", ergänzte Schneider.

"Ich bin tief enttäuscht von der Stadt als Wirtschaftsfaktor. Es gab keine einzige Firma, die uns auch nur einen sechsstelligen Betrag nach dem Bekanntwerden unserer Probleme zur Verfügung gestellt hat. Und das in einer Sportstadt. Wenn ich von den Altschulden und dem geringen Interesse der Frankfurter Wirtschaft am Eishockey von Beginn an gewusst hätte, wäre ich niemals angetreten", erklärte der Unternehmer.

Fußball steht über Eishockey

Die Hilfe der Stadtväter sei "einfach zu spät und nicht in ausreichendem Maße, wie uns auch in der DEL signalisiert wurde", betonte der Boss, der selber mit hohen Summen in Vorlage getreten war. "Wir waren schon vor 18 Monaten im Römer vorstellig geworden ­ aber erst vor wenigen Wochen wurde dort reagiert", kritisierte Schneider und verwies auf Hilfen des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt, der nahe der Eishalle nur gut halb so viele Fans anlockt.

Schneider nannte als Hauptgrund für das finanzielle Absinken der Lions die marode und veraltete Eishalle. "Katastrophale Zustände um das Stadion. Keine VIP-Lounge, viel zu wenige Sponsoren und das totale Desinteresse der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Das war ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt."

Wie es in Frankfurt weitergeht, blieb völlig offen. Auch die gerade intensivierte Nachwuchsarbeit unter Erich Kühnhackl droht wie das viertklassige Nachwuchsteam der Young Lions den "Bach hinunter" zu gehen. "Ich werde versuchen, ihnen irgendwie zu helfen. Aber die hingen ja auch an unserem finanziellen Tropf", sagte Schneider.

Er wies auch auf die finanziellen Auswirkungen für die Stadt (keine Rückzahlung der Altschulden, keine Hallen ­ und Parkplatzmiete, keine Gewerbesteuer) sowie die sozialen Folgen für viele arbeitslose Beschäftigten wie Spieler, Trainer, und Mitarbeiter der Geschäftsstelle hin.

Huskies per einstweiliger Verfügung zur Lizenz

Die Kassel Huskies können dagegen dank juristischer Hilfe wieder auf die Spielberechtigung in der DEL hoffen. Das Landgericht Köln hat in einer Einstweiligen Verfügung entschieden, dass die DEL die Nordhessen zum Spielbetrieb zulassen muss. Das teilte der unter Insolvenz stehende Club mit. Nach dem Lizenzentzug in der vergangenen Woche hatten die Nordhessen die Verfügung beantragt.

"Mit dieser Entscheidung finden wir unsere Rechtsauffassung in der Auseinandersetzung mit der DEL erneut bestätigt", sagte Huskies-Geschäftsführer Fritz Westhelle. Die Entscheidung des Landgerichts gilt nur so lange, bis eine "anderslautende Entscheidung in einem Hauptverfahren gefällt worden" ist, hieß es weiter.

Für den Juristen und Insolvenzverwalter Westhelle steht nach der Einstweiligen Verfügung fest, dass "unsere Teilnahme am Spielbetrieb in der kommenden Saison praktisch gesichert" ist. "Die DEL muss jetzt die Spielpläne mit den Kassel Huskies erstellen, wenn sie einen geordneten Spielbetrieb in der Spielzeit 2010/2011 nicht gefährden will", betonte Westhelle.

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