SVen Felski kann mit den Eisbären Rekordmeister werden
Die Eisbären sind seit Jahren das Nonplusultra der Deutschen Eishockey-Liga. Doch so stark wie in diesem Jahr waren selbst die Berliner noch nie. Der Meister führt die Tabelle konkurrenzlos an, knackte am Wochenende die 100-Punkte-Marke. sportal.de über die beeindruckende Berliner Dominanz.
Ein Sechs Punkte-Wochenende ist für die meisten Teams der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ein echtes Erfolgserlebnis, in der Regel eher selten und daher eine Besonderheit. Für die Eisbären Berlin ist es so etwas wie Normalität. Jedes zweite Wochenende gelingt den Berlinern das Kunststück, die volle Ausbeute aus beiden Begegnungen mitzunehmen. So auch diesmal: Erst drei Punkte gegen Wolfsburg (5:3), dann drei weitere gegen Hamburg (4:2). Bedeutet zugleich: 100-Punkte-Marke durchgebrochen, 101 Zähler auf dem Konto, 19 mehr als Verfolger Düsseldorf, über doppelt soviele wie Schlusslicht Kassel (47).
Die Dominanz der Eisbären - die Liga hatte in den zurückliegenden Jahren genug Zeit, sich damit abzufinden. Doch so erfolgreich wie in dieser Spielzeit waren die Berliner in der Hauptrunde noch nie. Die Lücke zwischen den Eisbären und dem Rest der Liga, sie klaffte nie zuvor so eklatant wie zurzeit. Im ersten Meisterjahr 2005 beendeten die Berliner die Hauptrunde auf Rang zwei, genauso wie beim dritten Titel 2008. 2006 und 2009 ging der spätere Meister zwar als Hauptrundensieger in die Playoffs, jedoch nur mit wenigen Punkten (zwei und vier) Vorsprung.
Beste DEL-Spielzeit aller Zeiten
Wer vor der Saison die Befürchtung hatte, dass eine weitere Spielzeit mit übermächtigen Berlinern bevorsteht, der darf sich mittlerweile bestätigt fühlen. Die Eisbären entschieden von ihren 45 Spielen über 75 Prozent für sich und sind damit auf dem Weg, die erfolgreichste Hauptrunde aufs Eis zu legen, die je eine Mannschaft in der DEL absolviert hat. Bisher halten die München Barons (Saison 2001/02) den Punktrekord mit 121 Zählern aus damals 60 Spielen. Punkten die Eisbären weiter wie bisher, landen sie am Ende bei einen neuen Bestwert von 125 - in 56 Partien. In der ewigen DEL-Tabelle hat der Serienmeister unlängst die Nürnberg Ice Tigers vom Treppchen gestoßen und rangiert mit 1302 Punkten nunmehr auf Position drei hinter den Kölner Haien (1385) und Adler Mannheim (1367).
Noch beeindruckender wird es, wenn man sich einmal anschaut, was in den vergangenen vier Meisterjahren auf die starken, aber bei weitem nicht so dominanten, Hauptrundenleistungen folgte. Lediglich eine Playoff-Serie mit Eisbärenbeteiligung ging in diesen Jahren über die volle Distanz, das Halbfinale 2008 gegen Düsseldorf. Ansonsten behielten die Berliner stets deutlich die Oberhand. 40 Siege, zehn Niederlagen. Dazu zwei Final-Sweeps (Seriensiege ohne Niederlage) gegen Mannheim (2005) und Düsseldorf (2006). Angesichts dieser Tatsachen ist die Hoffnung auf spannenden Playoffs mehr eine Utopie.
Nirgendwo spielen die Profis so lange für ihren Klub
Viele der Eisbären-Profis können sich an die Titel der Vergangenheit noch bestens erinnern, neun Spieler gehörten auch 2005 schon zum Meisterteam. Überhaupt: Konstanz spielt in Berlins Kader eine immense Rolle. Im Schnitt laufen die Spieler bereits über fünf Jahren für ihren Verein auf, das ist der Spitzenwert für die gesamte Liga. Keine andere Mannschaft hat einen derart gewachsenen Stamm, was einmal mehr unterstreicht: Kontinuität ist Gold wert, auch wenn das noch nicht bei allen DEL-Manager angekommen zu sein scheint.
Die deutschen Cracks spielen in Berlin eine wichtige Rolle. 301 Punkte geht auf das Konto der Spieler mit deutschem Pass. Auch hier führen die Eisbären die Liga an, ebenso was die Ausgeglichenheit in Sachen Produktion betrifft: Zehn Eisbären-Spieler haben bereits 30 Scorerpunkte oder mehr, soviele wie bei keinem anderen Klub. Die offensivschwachen Straubinger haben gar keinen einzigen Akteur in ihren Reihen, dem dieses Kunststück bisher gelang.
Die Liste der Superlative ist fast unerschöpflich. Die Eisbären haben mit 176 erzielten Toren den stärksten Sturm der Liga. Da 55 der Treffer in Überzahl fielen, können sie sich gleichzeitig des besten Powerplays der Liga rühmen. Bei all diesen erdrückenden Fakten ist es nicht verwunderlich, dass auch die längste Siegesserie der Saison aus Berlin stammt. Zehn Partien in Folgen ging der Tabellenführer im Dezember nicht als Verlierer vom Eis. Erst im neuen Jahr riss die Erfolgsserie. Zu dem Zeitpunkt waren die Eisbären dem Rest der Liga schon weit enteilt.
Die Fans in der Hauptstadt strömen angesichts des Erfolgs ihres Teams in Massen zu den Spielen. 14.060 Zuschauer pilgerten im Schnitt zu den 23 Heimspielen, das sind fast 3.000 mehr als bei den Adlern aus Mannheim, die sich trotz ihrer teils indiskutablen Leistungen noch über den zweithöchsten Zuschauerschnitt (11.312) freuen dürfen. Der einstige Krösus aus Köln kämpft derzeit darum, die 10.000-Marke überhaupt zu knacken. Erstmals in ihrer Geschichte könnten die Haie (9.837) diese verfehlen. Die Freezers, in den ersten Jahren ihrer Gründung die Nummer Zwei hinter Köln und in Europa auf Platz drei, sacken in der Zuschauergunst immer weiter ab und dürfen sich heute freuen, wenn wenigstens 6.000 zu den Heimspielen kommen.
Die Eisbären indes steigerten ihren Schnitt im Vergleich zum Vorjahr und im Gegensatz um Ligatrend noch einmal um 314 Zuschauer und verzeichnen mit über 99 Prozent eine der höchsten Auslastungen im deutschen Profisport. Auch im Vergleich zum zweiten Profiteam in der Berliner O2-World hat der Club die Nase vorn. Die Basketballer von Alba begrüßten im Saisonverlauf durchschnittlich 9.600 Fans. Die Eisbären genießen nach Fußball-Bundesligist Hertha BSC das höchste Zuschaueraufkommen der Stadt. Zu den Eishockeyspielen pilgerten insgesamt über doppelt soviele Zuschauer wie zu den Begegnungen des Fußball-Zweitligisten Union Berlin.
Bei all den harten Fakten - die Wahrheit liegt immer auf dem Eis. Und so genügt es, sich einmal eine Partie der Eisbären anzuschauen, um zu verstehen, warum die Berliner so überlegen sind. Kein Team spielt so schnell, kein Team kombiniert so sicher, kein Team setzt sein Spielsystem so perfekt um und kein Team kennt sich so gut. Es muss schon mit dem Teufel zugehen, sollte der Titel in dieser Spielzeit nicht erneut nach Berlin wandern. Gelingt den Eisbären der erneute Triumph, dürfen sie sich ab der kommenden Spielzeit dann auch noch Rekordmeister nennen.