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Eishockey-Nationalspieler John Tripp im Interview
Eishockey-Nationalspieler John Tripp im Interview
John Tripp

John Tripp gehört seit Jahren zum Stamm der deutschen Nationalmannschaft, nun steht mit den Olympischen Spielen ein echtes Highlight auf dem Programm. sportal.de sprach mit dem gebürtigen Kanadier über das anstehende Großereignis und die Nationalmannschaft, kam aber auch auf seine persönliche Zukunft und die Situation in Hamburg zu sprechen.

Seit sechs Jahren läuft John Tripp (32) in der Deutschen Eishockey-Liga auf. Über die Adler Mannheim und den ERC Ingolstadt landete er bei seinem jetzigen Klub, den Hamburg Freezers. Da die Freezers einen kompletten Umbau der Mannschaft planen, muss er seine Zelte in der Hansestadt nach dieser Spielzeit gezwungenermaßen abbrechen. In der Nationalmannschaft trifft er zuverlässig und ist fester Bestandteil des Teams von Bundestrainer Uwe Krupp.

Eigentlich wollten wir mit John vornehmlich über die Nationalmannschaft, die bevorstehenden Olympischen Spiele und seine persönliche Zukunft sprechen. Aber natürlich kamen wir ganz schnell auf die Situation seines derzeitigen Klubs. Beginnen wir damit...

John, ihr habt sechs Punkte Rückstand auf den zehnten Platz. Kommen die Freezers noch in die Preplayoffs?
So groß ist unser Rückstand gar nicht. Mannheim und Augsburg sind die größten Konkurrenten und wir spielen noch gegen beide Teams. Die Chancen sind da, aber wir müssen von den verbleibenden zwölf Spielen einen Großteil gewinnen, das wird natürlich hart.

Selbst wenn es noch klappen sollte, Ihr spielt dennoch wieder eine Saison weit unter den Erwartungen. Woran lag es, dass es in dieser Spielzeit, aber auch schon während Deiner gesamten Zeit bei den Freezers nie richtig rund lief?
Wir hatten immer viel Unruhe im Umfeld. In der Vergangenheit Trainerwechsel, in dieser Saison ist Boris Capla gegangen und alle Spieler wissen, dass die Mannschaft komplett umgebaut wird und viele neue Spieler nach Hamburg kommen sollen. Ich denke, ein Punkt ist, dass du einfach nicht jedes Jahr so viele Spieler wechseln kannst. Das ist nicht gut für eine Mannschaft. Du kannst vier oder fünf Spieler tauschen, aber nicht so viele. Berlin ist ein gutes Beispiel dafür, wie es richtig läuft. Aber wir können es nicht ändern, es ist passiert. Ich wünschte, es hätte sich in eine andere Richtung entwickelt.

Michael Pfad ist seit einiger Zeit euer neuer Geschäftsführer. Er will viel verändern, erst drei Spieler haben einen neuen Vertrag. Hast Du selber schon Gespräche über Deine Zukunft geführt?
Mit Michael Pfad persönlich habe ich nicht gesprochen. Die Entscheidung trifft denke ich auch Stephane Richer. Pfad macht einen guten Job, aber er ist mehr für andere Bereiche zuständig. Mein Agent hat mit dem Verein gesprochen, aber von den Freezers kommt nichts. Ich wäre gerne geblieben, Hamburg ist eine schöne Stadt und es gefällt mir hier sehr gut. Ich bin ein Hamburger. Aber wenn die Entscheidung gefallen ist: Was soll ich machen? Ich hätte gerne geholfen, aber so muss ich mir einen neuen Job suchen. Ich denke, das war's.

Die Zeichen stehen also auf Abschied. Hast Du schon Angebote von anderen Klubs?Ja, ich habe schon mit ein paar anderen Mannschaften Kontakt gehabt. Ich muss einen Verein finden, der gut zu mir passt. Das ist aber nicht so einfach. Ich würde gerne zu einem Team wechseln, bei dem ich längerfristig bleiben kann und nicht nach einem Jahr schon wieder weiterziehen. Das habe ich in meine Karriere schon so oft hinter mir und wenn du älter wirst, ist es immer nett, wenn du länger bleiben kannst. Es ist mir sehr wichtig, dass ich ein passendes Team finde.

Aber Du willst weiter in Deutschland spielen?
Nein, ich würde auch in ein anderes Land gehen, wenn ich ein gutes Angebot bekomme. Ich denke, ich spiele weiter in Deutschland, aber man weiß ja nie. Mit Nordamerika bin ich fertig, ich werde auf jeden Fall in Europa bleiben.

Dann lass uns einmal das Thema wechseln und auf die Nationalmannschaft zu sprechen kommen. Die Olympischen Spiele in deinem Geburtsland Kanada stehen an. Wie sehr freust du dich auf dieses Highlight?
Es ist Wahnsinn. Wie viele Menschen können sagen, dass sie bei Olympia dabei waren? Noch habe ich nicht gespielt, aber ich hoffe, ich kann danach sagen, dabei gewesen zu sein. Das wird bestimmt eine tolle Erfahrung, wir sind im olympischen Dorf mit den ganzen anderen Sportlern. Eine einmalige Chance im Leben.

Sportlich wird es für Euch verdammt schwierig. Die besten Spieler der Welt sind dabei, euer Auftaktgegner ist Titelverteidiger Schweden. Wie stehen Eure Chancen?
Natürlich wird es schwer. Schweden ist eine der besten Mannschaften, ich traue ihnen die Goldmedaille auch diesmal wieder zu. Wir wissen, dass wir nicht zu den Top-Sechs gehören, aber das ist unser Ziel. Letztes Jahr die Weltmeisterschaft war nicht so stark, doch jetzt nach dem Deutschland-Cup sind wir wieder auf dem richtigen Weg. Und wenn dann noch die NHL-Spieler dazustoßen, hilft uns das natürlich auch weiter.

Was sagst du zu der Personalie Christoph Schubert? Wie es aussieht, lässt Bundestrainer Uwe Krupp den NHL-Spieler der Atlanta Trashers zu Hause.
Er ist ein guter Spieler, deshalb spielt er auch in der NHL. Ich denke, die Entscheidung kommt daher, dass er nicht soviel Eiszeit bekommt. Wenn man nur fünf bis acht Minuten pro Partie auf dem Eis steht, ist es nicht einfach, in eine andere Mannschaft zu kommen und dort dann 20 Minuten zu spielen. Es ist schade, aber die Entscheidung scheint nun mal so zu sein. Vielleicht kommt er ja aber doch noch mit, Jochen Hecht ist ja jetzt auch mit dabei.

Du meinst, Ihr seid auf dem richtigen Weg. Nach Olympia steht auch bald die Weltmeisterschaft im eigenen Land an, für euch ein wichtiges Turnier. Werdet Ihr diesmal wieder eine bessere Rolle spielen?
Ich hoffe es, mit der Unterstützung der Zuschauer und dem großen Spiel im Fußballstadion können wir viel erreichen. Wir spielen in unserem Land und sind voll motiviert. Ich denke, wir werden wieder bessere Chancen haben. Letztes Jahr bei der WM hatten wir auch ein bisschen Pech. Nicht alle Spieler waren dabei. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie unterscheidet sich deine persönliche Rolle bei der Nationalmannschaft von der bei den Freezers? Im deutschen Dress triffst du öfter.
Es ist fast gleich. Ein bisschen Über- und ein bisschen Unterzahl. Bei Olympia werde ich eine etwas andere Aufgabe haben, weil es da physisch härter zugeht auf der kleinen Eisfläche in Kanada. Generell ist es ein anderes Gefühl als beim Klub. Dort ist es mein Job, in der Nationalmannschaft hast du eine andere Art von Druck. Du kannst mehr Spaß haben.

Freust Du Dich auch schon auf die Schiedsrichter bei Olympia? Es sind viele aus der NHL dabei, hier in Deutschland hast du mit der Auslegung ja immer wieder Probleme, weil deine Checks oft abgepfiffen werden.
Ja, in Nordamerika hast Du solche Probleme nicht. Die Schiedsrichter sind viel besser, haben mehr Erfahrung. Hier ist die Regelauslegung nie gleich. Einer pfeift so, der andere genau anders. Zum Beispiel: Manche geben bei einem Faustkampf 14 Minuten, die anderen fünf plus Spieldauer. Das ist komisch. Sie müssen an einem Strang ziehen und eine Linie haben. Mir macht es mehr Spaß, wenn ich hart spielen kann, checken darf. Hier muss ich dauernd vorsichtig sein. Es ist viel besser, wenn die Spieler auch spielen dürfen und nicht dauernd Angst haben und vorsichtig sind. Das ist in Nordamerika viel besser, da gehören Checks einfach dazu und sind ganz normal.

Sind die Schiedsrichter eines der größten Probleme in Deutschland?
In meinem ersten Jahr habe ich viele Checks gefahren und hatte deshalb viele Probleme. In dieser Saison habe ich gegen Hannover einen guten Check gesetzt und habe dafür eine Matchstrafe bekommen. Kannst du dir das vorstellen? Aber naja, ich sage das in jedem Jahr. Es ist schade, das Eishockey könnte viel besser sein, wenn alle eine Linie pfeifen. Die Zuschauer fragen sich doch auch, eben durfte der Spieler das noch, jetzt schon wieder nicht mehr. Wir müssen das Eishockey in Deutschland besser machen. Ich denke, bei den Schiedsrichtern anzusetzen, wäre ein guter Anfang.

Dann lass uns zum Abschluss einmal auf deine Charity-Aktion zu Gunsten krebskranker Kinder zu sprechen kommen. Letztens Jahr habt ihr 32.000 Euro gesammelt, dieses Jahr schon 40.000. Wie bist Du damals auf die Idee gekommen, diese tolle Aktion zu starten?
Es hätte nicht in jeder Stadt funktioniert, zumindest nicht so gut, aber hier in Hamburg hatten wir mit 5.000 - 10.000 Zuschauern pro Spiel sehr gute Rahmenbedingungen. Ein Los kostet zwei Euro, das ist nicht viel, dafür kriegst du mit Glück ein tolles Trikot, Equipment oder einen Hotel-Gutschein. Es ist eine gute Sache, das Geld ist für die Kinder. Ich bin überzufrieden bisher und hoffe, dass wir in dieser Saison die 80.000-Euro-Marke knacken können. Ich will die Aktion im nächsten Jahr unbedingt weiterführen, entweder in Hamburg oder bei meinem neuen Klub. Letztens haben wir die Kinder im Krankenhaus besucht. Es war ein toller Tag, alle die dabei waren haben gewonnen und die Kids können lange davon erzählen. Es ist traurig die Kinder mit den Maschinen zu sehen. Krebs ist immer schlimm, aber wenn es Kinder trifft ist es noch ein bisschen schlimmer. Sie sind echte Kämpfer.

Hat die Aktion auch etwas damit zu tun, dass du selber Erfahrung mit Krebs gemacht hast? Bei dir wurde vor ein paar Jahren Hautkrebs diagnostiziert.
In erster Linie nicht. Wenn ich etwas machen kann und damit helfen, dann tue ich das, auch unabhängig von meiner Erfahrung damit. Aber natürlich spielt das da auch mit rein, meine Oma ist an Krebs gestorben und auch mein Opa leidet unter der Krankheit. Es gibt soviele Menschen mit Krebs. Ich wollte unbedingt helfen und fand unseren Weg gut, weil er sehr persönlich ist. Mit der Universitätsklinik Eppendorf haben wir dazu einen tollen Partner gefunden.

Das Interview führte Daniel Pietzker

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