Die Adler Mannheim finden auch unter neuem Trainer nicht auf die Erfolgsspur. Langsam wird Gewissheit, dass die Transferpolitik von Manager Marcus Kuhl wieder einmal völlig verfehlt war. Seit Jahren geht es beim Rekordmeister kontinuierlich bergab ab, der vorläufige Tiefpunkt scheint erreicht. Kuhl wird nun Sportdirektor. sportal.de hakt nach.
Sein Comeback als Cheftrainer der Adler Mannheim hatte sich Teal Fowler sicherlich anders vorgestellt. Zwei Spiele, zwei Niederlagen, null Punkte - so die unbarmherzigen Fakten. Erst ein 2:4 bei Spitzenreiter Berlin, dann ein 4:6 auf heimischem Eis gegen Nürnberg. Das Mehr an Aggressivität und Laufbereitschaft, dass Fowler aus den Spieler heraus kitzeln wollte, war hier und da zu erahnen. Die Fakten bleiben dieselben. Rang neun in der Tabelle, zehn Punkte Rückstand auf Platz sechs, der zur direkten Playoff-Qualifikation berechtigt.
Fowler, zuvor Co-Trainer, übernahm den Chefposten hinter der Bande von Doug Mason, der nach anhaltender Erfolglosigkeit kürzlich seinen Hut nehmen musste. Schon in der vergangenen Saison sprang Fowler ein, als die Adler den damaligen Trainer Dave King einen Spieltag vor den Playoffs entließen. Damals konnte er der Mannschaft wieder Leben einhauchen, führte sie immerhin ins Playoff-Halbfinale. Diesmal scheint er den Draht noch nicht gefunden zu haben.
„Zu diesem Schritt gezwungen"
Als die Adler vor einer Woche zur Pressekonferenz luden, war die Bekanntgabe der Demission Masons als Cheftrainer der Kurpfälzer fast mehr eine Randnotiz. Denn dass der Holland-Kanadier beim Rekordmeister keine Zukunft hatte, deutete sich bereits in den Tagen und Wochen zuvor an. Lediglich ein Sieg aus den letztens neun Partien unter Masons Leitung, da kamen die Verantwortlichen in Mannheim nicht mehr umhin die Reißleine zu ziehen. Klub-Chef Daniel Hopp, Sohn von Mäzen Dietmar: „Wir sahen uns zu diesem Schritt gezwungen."
Es war indes nicht die einzige Nachricht, die Hopp zu verkünden hatte. So erklärte der Adler-Boss auch, dass nach Ablauf der Spielzeit im Mai der Posten des Sportdirektors in Mannheim neu geschaffen wird. Die Besetzung stand auch schon fest. Noch-Manager Kuhl wechselt in die neue Position. Zuvor hatte Kuhl stets alle Zügel alleine in der Hand, nun will Hopp neben ihm einen weiteren starken Mann installieren. Die wichtigste Frage wurde aber nur vage beantwortet. Wie viel Macht bleibt Kuhl?
Der 53-Jährige war nunmehr knapp 16 Jahre lang im Amt und formte seit 1994 fünf Meistermannschaften in Mannheim. Die Erinnerungen an die goldene Ära um die Jahrtausendwende, als die Adler die Liga dominierten, wie heute die Eisbären, verblassen hingegen zusehends. Spätestens seit dem letzten Meistertitel 2007 unter Trainer Greg Poss ging in der Eishockey-Hochburg Mannheim vieles den Bach runter. Kuhls einst glückliches Händchen bei der Spieler- und Trainersuche ist nurmehr ein Relikt vergangener Tage.
Sechs Trainer, sechs vorzeitige Entlassungen
Nach Bill Stewart, Helmut de Raaf (beide 2004), Stephane Richer (2005), Greg Poss (2007) und Dave King (2009) war Doug Mason bereits der sechste Trainer in Folge, der in Mannheim vorzeitig seine Sachen packen musste. Die einzige Konstante blieb Marcus Kuhl, der stets für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich war. Verantwortung für die Misserfolge musste er indessen noch nie übernehmen.
„Wir folgen dem Modell anderer Vereine. Damit sehe ich uns für die Zukunft gerüstet", sagt Hopp und ist nicht müde zu betonen, dass die strukturellen Veränderungen von langer Hand geplant gewesen seien. „Wir wollen bei Neuverpflichtungen in Zukunft mehr Meinungen haben, auch der Trainer bekommt wieder ein Mitspracherecht", sagt Kuhl selber, der im Bezug auf seine eigene Person von einer „Betriebsblindheit" sprach, die ihn in den vergangenen Jahren ereilt habe.
Seine künftigen Aufgaben beschreibt der ehemalige Nationalspieler, dessen Trikot unter dem Hallendach der SAP-Arena hängt und dessen ehemalige Rückennummer 15 nicht mehr vergeben wird, so: „ Ich werde als Sportdirektor den Nachwuchs, die Jung-Adler, die Kooperationen, das Scouting, alles, was um die die Adler herum ist, professionalisieren und organisieren." Das klingt nicht so, als ob Kuhl in Zukunft noch großen Einfluss auf die Zusammensetzung des DEL-Teams haben wird.
Es könnte aber auch sein, dass alles nur ein Ablenkungsmanöver ist, um Kuhl bei den Fans aus der Schusslinie zu bekommen. Denn die Verantwortung im sportlichen Bereich bleibt weiterhin in seinen Händen. Womöglich verändert sich die Kompetenzverteilung - zumindest in Fragen der sportlichen Ausrichtung - gar nicht entscheidend. Für die seit Wochen rebellierenden Adler-Fans wäre diese Vorstellung wohl ein Schreckensgespenst. Sie haben Kuhl als den Hauptschuldigen ausgemacht. Frappierende Fehleinschätzungen
Ein Festhalten an Kuhl wäre jedoch kaum plausibel, denkt man an seine frappierenden Fehleinschätzungen in den vergangenen Jahren. Das Muster war immer dasselbe: Ausgestattet mit dem dicksten Etat der Liga (ca. acht Millionen Euro) verpflichtete er große Namen und vernachlässigte es offenkundig, auch ein passendes Charaktergefüge zu schaffen.
Nach den ersten schwachen Leistungen einer Saison stand dann zuerst die Mannschaft im Visier von Kuhls Kreuzfeuer, der Trainer erhielt Rückendeckung. Dann rückte der Übungsleiter in den Fokus, ehe er kurz darauf seinen Hut nehmen musste. Eigene Fehler gestand Kuhl in der Vergangenheit nur selten ein. So stellte auch Mason nach seiner Entlassung noch einmal klar: „Für die Mannschaft war der Manager und nicht ich verantwortlich."
Kuhl sagt: „Der Mix im Team stimmt. Es ist mir ein Rätsel, warum die Mannschaft ihr Potential nicht abruft." Und statt an einem Strang zu ziehen und zu versuchen, aus der restlichen Spielzeit das Bestmögliche heraus zu holen, ist Kuhl mit seinen Gedanken schon wieder bei der Planung für die nächste Saison. Da möchte er am liebsten den einstigen Mannheimer Meisterspieler Harold Kreis als Trainer zurück in die Kurpfalz lotsen, der heute in Düsseldorf hinter der Bande steht.
Lance Nethery, Düsseldorfs Manager, kann über dieses Gebaren nur den Kopf schütteln. „Es wundert mich, dass die Verantwortlichen in Mannheim ihrem neuen Trainer nicht den Rücken decken und ihn unterstützen." Nach neusten Gerüchten soll nun sogar Nethery selber der neue starke Mann in Mannheim werden.
Teal Fowler, der mittlerweile den dritten Vorgesetzten überlebt hat, konzentriert sich unbeirrt auf seine Aufgabe, die einmal mehr schwer genug ist. „Sechs Gegentore zuhause sind einfach inakzeptabel", schimpfte er nach der Niederlage gegen Nürnberg. Sein Comeback als Cheftrainer hatte er sich sicherlich anders vorgestellt.