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Freezers: Vom Tabellenkeller auf den Rathausbalkon?
Freezers: Vom Tabellenkeller auf den Rathausbalkon?
Michael Pfad hat sich seinen Einstieg bei den Freezers leichter vorgestellt

Die Hamburg Freezers haben die längste Niederlagenserie der Vereinsgeschichte hinter sich. Eine Trendwende noch in dieser Spielzeit scheint unwahrscheinlich. Dafür planen die Freezers mit Neu-Geschäftsführer Michael Pfad bereits für die kommende Saison. Es soll einen „klaren Schnitt" geben Die ersten Personalentscheidungen sind bereits getroffen. sportal.de beleuchtet die Situation an der Elbe.

Michael Pfads Begeisterung über seinen neuen Job dürfte mittlerweile fast den Nullpunkt erreicht haben. „Ich freue mich, Teil dieser Story zu werden", sagt der 46-Jährige noch bei seinem Amtsantritt als neuer Geschäftsführer im November. Von dieser Freude ist momentan wenig zu spüren. Heute schimpft er über die desolaten Leistungen seiner Profis.

„Ich bin richtig enttäuscht", machte sich der neue Freezers-Boss kürzlich nach der mit acht Niederlagen in Folge längsten Niederlagenserie der Vereinsgeschichte Luft. Zwar wusste Pfad von Anfang an, dass die aktuelle Spielzeit nicht mehr als eine Übergangssaison werden sollte, aber dass die Freezers auch nach dem 34. Spieltag der Deutschen Eishockey Liga immer noch am Tabellenende ihre Kreise ziehen und die schlechteste Punkteausbeute aller 15 Mannschaften aufweisen, wird er nicht vermutet haben.

Kehrtwende unwahrscheinlich

In den vergangenen Jahren lief es nie gut. Dennoch wurschtelten sich die Hamburger immer noch irgendwie in die Playoffs. Daran ist derzeit nicht zu denken. Der Rückstand auf die auf Rang zehn platzierten Iserlohn Roosters beträgt zehn Punkte, und das obwohl die Hamburger schon drei Spiele mehr absolviert haben. Neun Niederlagen aus den vergangenen zehn Spielen geben kaum Anlass, an eine Trendwende ernsthaft zu glauben.

Der 4:2-Erfolg gegen die DEG Metro Stars am ersten Weihnachtsfeiertag war nicht mehr als ein Strohfeuer, schon am Sonntag setzte es bei den Hannover Scorpions die nächste deutliche Schlappe (1:5). Dass die Freezers zu den langsamsten Teams der Liga zählen, ist mittlerweile Fakt. Dass das Potential dennoch für mehr als den vorletzten Tabellenrang reichen sollte, jedoch auch. Und so rückt Trainer Paul Gardner derzeit mehr in den Fokus.

Während der auf Grund seiner menschlichen Art bei den Spielern so beliebte Übungsleiter trotz Niederlage um Niederlage noch allerhand Positives aus den Partien der Hamburger schlussfolgert, nimmt Pfads Rückendeckung für den Kanadier stetig ab. An den Ergebnissen müssten sich am Ende des Tages alle Verantwortlichen messen lassen, so Pfad vielsagend. Eine Trennung noch in dieser Saison wäre plausibel. Eine Trennung zur neuen Spielzeit unvermeidbar.

Klarer Schnitt im Sommer

Kaum können die Freezers mit dem Erfolglos-Coach in eine neue Ära starten, darunter würde die Glaubwürdigkeit zu sehr leiden. „Die Leistungen der jüngeren Vergangenheit bestärken mich darin, im Sommer einen klaren Schnitt zu machen", sagt Pfad. Nur drei Freezersprofis besitzen noch Vertrag für die kommende Saison. Mit Vitalij Aab und Martin Walter sind das indes zwei, die das lethargische Eishockey der Freezers versinnbildlichen.

Ein erstes Erfolgserlebnis war für Pfad dagegen die Verlängerung mit Kapitän und Vorbildprofi Alexander Barta. Der 26-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2013. Nach langen Verhandlungen entschloss sich der gebürtige Berliner in der Hansestadt zu bleiben, wollte „das Schiff so nicht verlassen." Und das ist den Freezers einiges Wert. Pfad: „Ein Profi seiner Klasse ist nicht günstig." Beide vereint ein Ziel: Einmal mit dem Freezers auf dem Rathausbalkon die Meisterschaft feiern.

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Nun soll um Barta eine neue Mannschaft geformt werden. Die Vertragsverlängerung war ein gutes und wichtiges Zeichen. Dennoch sollten die Freezers nicht den Fehler machen, sich sportlich zu sehr auf den Nationalspieler auszurichten. Denn zur sportlichen Leitfigur einer Spitzenmannschaft, wie sie die Freezers werden wollen, taugt auch Barta nicht. Dazu fehlt ihm (noch) die echte Klasse.

Wenig deutsche Spieler auf dem Markt

Bei seinen Planungen für die neue Spielzeit lässt sich Pfad nicht in die Karten schauen. Als er sein Amt in Hamburg antrat, kündigte er nur die Installation eines Sportdirektors an. Auch weil der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aus dem Fußball-Metier kommt und sich daher aus den sportlichen Angelegenheit des Eishockeyklubs weitgehend heraushalten will. Ob Pfad mittlerweile fündig geworden ist, bleibt Spekulation. Noch hält er sich öffentlich bedeckt.

Die Weichen für die kommende Spielzeit gilt es schon jetzt zu stellen. Nach Bartas Vertragsverlängerung sagte Pfad: „Sein Verbleib hat Signalwirkung für den Markt." Schöne Worte, doch zumindest der Markt für gute Spieler mit dem Prädikat „Made in Germany", auf die der Geschäftsführer in Zukunft noch stärker bauen will, ist so gut wie geräumt. Viele deutsche Profis haben sich früh und oftmals auch langfristig an ihre Vereine gebunden.

So wie erst kürzlich die Nationalspieler Andre Reiss (23, Hannover bis 2013), Nikolai Goc (23, Hannover bis 2013) Daniel Kreutzer (30, Düsseldorf bis 2013) und Michael Wolf (28, Iserlohn bis 2012). Selbst Robert Hock unterschrieb mit 36 Jahren noch einen Drei-Jahres-Vertrag in Iserlohn. Viel gibt der Markt nicht mehr her.

Erster Neuzugang schlägt ein

Die erste Freezers-Verpflichtung während Pfads Amtszeit entpuppt sich schon einmal als Erfolg. Torwart Bobby Goepfert wechselte vor einigen Wochen an die Elbe. Seine Vita liest sich nicht wie die eines erfolgreichen Schlussmanns. Bisher kam er hauptsächlich in der unterklassigen ECHL zum Einsatz. Selbst nach seinem Wechsel über den großen Teich nach Europa wurde er in Salzburg vom ehemaligen Berliner Meistertrainer Pierre Page Anfang der Saison ausgemustert.

In Hamburg besticht er allerdings mit seiner Agilität, gehört stets zu den besten Akteuren auf dem Eis und stellt damit den zurzeit verletzten Jean-Marc Pelletier in den Schatten. Goepfert könnte der neue Mann zwischen den Freezers-Pfosten werden, zumal der Amerikaner mit seinen 26 Jahren noch eine Menge Potential mitbringt.

Einen ersten Härtefall gibt es auch schon. Mit Stephan Retzer verlässt wahrscheinlich eine der wenigen Identifikationsfiguren den Verein. Der 33-Jährige strauchelte zwar wie viele seiner Kollegen zuletzt sportlich, gehört mit seiner Leistungsbereitschaft und Rolle in der Öffentlichkeit zu den wenigen Vorzeigeakteure der Freezers. Pfad will, so scheint es, derzeit keine Verhandlungen mit dem Verteidiger führen. Retzer selber wird nicht pokern und so vermutlich eines der vorliegenden Angebote von anderen Klubs annehmen.

Die Personalie zeigt, dass Pfad es ernst meint, auch wenn er im Fall Retzer auf dünnem Eis wandelt. Dennoch ist der neue starke Mann hinter den Hamburg Freezers fest entschlossen, dem Verein ein neues Gesicht zu geben und in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Eine Meisterfeier auf dem Rathausbalkon wird es so schnell aber wohl dennoch nicht geben. Dafür ist der Schaden, der in den letzten Jahren in Hamburg angerichtet worden ist, dann doch zu groß.

Daniel Pietzker

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