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Interview mit Marcel Müller
Interview mit Marcel Müller
Durfte beim Deutschland Cup wieder Stürmer spielen: Marcel Müller

Nach dem Triumph mit der Nationalmannschaft beim Deutschland Cup steht für Marcel Müller (21) wieder der Ligaalltag in der DEL auf dem Programm. Sein Team, die Kölner Haie, befinden sich auf Talfahrt. Die vergangenen sechs Spiele gingen die Haie als Verlierer vom Eis. Müller selber wurde von Trainer Igor Pavlov vor der Saison in die Verteidigung beordert und hinterließ dort einen guten Eindruck, auch beim Deutschland Cup bot er eine solide Vorstellung.

Wie er seine persönlichen Chancen auf eine Teilnahme bei der Weltmeisterschaft einschätzt, ob er sein Glück in der NHL versucht und warum die Haie-Saison nicht in einem ähnlichen Desaster wie im vergangenen Jahr endet, verrät der gebürtige Berliner im sportal.de-Interview.

sportal.de: Nach den vielen enttäuschenden Leistungen der Nationalmannschaft endlich mal wieder erfreuliche Schlagzeilen. Auch wenn Du beim WM-Debakel in der Schweiz Anfang des Jahres nicht im Kader standest. Die Erleichterung im Team muss sehr groß gewesen sein.

Es war ein tolles Turnier und wir haben uns gut verkauft. Man hat gemerkt, dass allen Beteiligten eine richtige Last von den Schultern gefallen ist. Dieser Erfolg war sehr wichtig für die Nationalmannschaft.

sportal.de: Wie haben Dir Deine eigenen Auftritte gefallen?

Ich bin zufrieden mit meiner eigenen Leistung. Es war zwar nicht das beste Eishockey, das ich spielen kann, aber ich habe mich gut verkauft und solide gespielt.

sportal.de: Meinst Du, Uwe Krupp hat Dich für die Weltmeisterschaft 2010 in Deutschland und die anschließenden Olympischen Spiele auf dem Zettel?


Ich hoffe es natürlich. Es ist schwer zu sagen, aber ich denke, die Chancen stehen 50:50. Es hängt viel davon ab, ob sich andere Spieler verletzen und wie ich selber im Verein spiele. Es liegt an mir, mich den Rest der Saison gut zu präsentieren. Ich muss es dem Bundestrainer so schwer wie möglich machen, mich zuhause zu lassen. Beim Deutschland Cup war er auf jeden Fall mit mir zufrieden.

sportal.de: Im Verein musstest Du als gelernter Stürmer zuletzt in der Verteidigung aushelfen, Uwe Krupp hat Dich wieder auf Deiner angestammten Position eingesetzt. Hast Du Dich gefreut, mal wieder vorne ran zu dürfen?

Ich muss sagen, die Umstellung zurück auf die Stürmerposition ist mir schwerer gefallen, als ich vermutet habe. Ich war richtig überrascht. Erst im dritten Spiel hatte ich mich wieder an die ganzen Abläufe im Angriff gewöhnt und hatte alle Laufwege wieder drauf.

sportal.de: Was hast Du gedacht, als Dich damals Igor Pavlov erstmals in der Verteidigung eingesetzt hat? Warst Du überrascht, und hattest Du überhaupt Lust auf die neue Rolle?

Es war komisch zu hören, dass ich auf einmal in der Verteidigung auflaufen sollte. Aber seitdem ich als Kind mit dem Eishockeyspielen angefangen habe, kenne ich es so, dass man da spielt, wo der Trainer es sagt. Von daher war es eigentlich kein großes Problem für mich. Ich denke, ich habe den Job bisher gut gemacht. Mal abgesehen von ein paar Fehlern, die normal sind, wenn man als Stürmer in die Abwehr berufen wird.

sportal.de: Aber mal Hand aufs Herz: Welche Position gefällt Dir besser? Als gelernter Stürmer müsstest Du doch das Tore-Schießen lieben...

Ganz klar: Stürmer. Damit bin ich groß geworden und die Rolle gefällt mir einfach besser. Ich hoffe ehrlich gesagt auch, dass ich bei den Haien bald wieder vorne ran darf. Aber natürlich spiele ich da, wo der Trainer meint, dass ich am besten aufgehoben bin und der Mannschaft am meisten helfe.

sportal.de: Zur aktuellen Haie-Situation: Ihr habt sechs Spiele in Folge verloren, kommen die Erinnerungen aus der letzten Saison gerade wieder hoch?

Die Situation kann man nicht vergleichen. Die Stimmung war eine ganz andere, in diesem Jahr ist sie viel besser, das merkt man sofort in der Kabine. Ich glaube, die Pause hat uns jetzt ziemlich gut getan. Sie hätte gerne auch zwei Spiele früher kommen können, aber so haben alle Spieler mal die Köpfe frei gekriegt.

sportal.de: Also keine Resignation wie letztes Jahr?

Nein auf keinen Fall, der Glaube ist noch da. Vom Spielerpotential her gehören wir zu den vier besten Mannschaften der Liga. Bis auf die letzten Partien lief die Saison auch gut für uns. Zuvor war das Glück öfter auf unserer Seite, zuletzt mehr bei den Gegnern. Wir stecken den Kopf aber nicht in den Sand.

sportal.de: Wenn es um Deine Zukunft geht, wirst Du oft nach einem Wechsel zurück in Deine Heimatstadt Berlin gefragt. Aber wie sieht es eigentlich mit der NHL aus? Ist das ein Thema für Dich? Immerhin bist du erst 21 und bringst mit einer Körpergröße von 1,93 m und einem Gewicht von 99 kg die perfekten körperlichen Voraussetzungen mit.

Jeder Spieler möchte zumindest einmal auf NHL-Eis stehen. Niemand weiß, was nach dem Ablauf meines Vertrages 2011 hier in Köln wirklich passiert. Aber ich will mein Glück auf jeden Fall versuchen.

sportal.de: Hattest Du in der letzten Zeit Kontakt zu NHL-Scouts? Dein Name taucht nur selten in Verbindung mit der NHL auf.


Ja, es besteht ein loser Kontakt zu einigen Scouts. Ich werde immer mal angerufen und gefragt wie es mit den körperlichen Verhältnissen aussieht und wie es so läuft. Der Kontakt ist da.

sportal.de: Hast Du Dich mal mit Philipp Gogulla, der ja jetzt im Farmteam der Buffalo Sabres spielt, ausgetauscht? Er muss eine harte Zeit durchmachen, sein Team ist Letzter in der American Hockey League und auch persönlich läuft es noch nicht so rund.

Letzte Woche habe ich gesehen, dass Phillip ein Tor geschossen hat. Da habe ich ihm gleich über Facebook gratuliert. Nachdem er im Trainingscamp in die AHL runter geschickt wurde, hatten wir auch kurz Kontakt. Er hat mir erzählt, dass es drüben ganz anders läuft. Da wirst du einfach ins Farmteam geschickt, ohne Erklärung und ohne Begründung. Es ist schon hart, aber er will nicht aufgeben. Philipp ist ein Kämpfer und mit Felix Schütz hat er drüben einen guten Partner, der sich mit den Gegebenheiten auskennt.

sportal.de: Ohne Umweg AHL geht es selten. Schreckt dich das ab?

Wenn es ohne Umweg ginge, dann würde ich jetzt schon drüben spielen. Aber dafür musst du so ein Ausnahmetalent wie John Tavares sein. Für mich wird der Weg in die NHL nur über die AHL führen. Das sieht man auch bei so einem klasse Mann wie Linus Omark, der jetzt in Russland spielt. Er will auch in die NHL, versucht es aber über den Umweg KHL.

sportal.de: Würde es Dich nicht auch auf Grund der Spielweise und Schiedsrichter reizen, einmal in Nordamerika zu spielen? Du agierst sehr körperbetont und schreckst vor keiner Auseinandersetzung zurück. In dieser Hinsicht wärst Du drüben sicherlich besser aufgehoben.


Auf jeden Fall. Die Spielweise drüben mit der kleinen Eisfläche gefällt mir ehrlich gesagt sogar besser, auch weil das Spiel viel schneller ist. Ich kenne das schon von der Junioren-Nationalmannschaft oder als wir mit den Jungadlern drüben waren. Das war immer mein Ding und hat mir viel Spaß gemacht.

sportal.de: Zum Abschluss: Am Freitag geht es gegen Berlin. Ein harter Brocken um eine Niederlagenserie zu beenden. Schafft ihr es dennoch?


Die Pause hat uns gut getan. Natürlich sind die Eisbären ein schwerer Gegner, aber es hat sich auch dieses Jahr schon gezeigt, dass sie zu schlagen sind - gerade auswärts. Wie gesagt: Ich sehe uns unter den Top Vier und daher können wir eigentlich jeden schlagen, wenn wir einen guten Tag haben.

Das Interview führte Daniel Pietzker

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