Nach einem schwachen Saisonstart wurde es in Ingolstadt langsam unruhig, doch der ERC hat rechtzeitig die Kurve gekriegt. Nach vier Siegen in Folge haben sich die Panther im Mittelfeld der Tabelle etabliert und visieren den Sprung in noch höhere Tabellenregionen an. Sportdirektor Jim Bonis Geduld scheint sich ausgezahlt zu haben. sportal.de über Ingolstadts Weg auf die Erfolgsspur.
Er hatte es immer wieder betont. „Dieses Team braucht Zeit", sagte Ingolstadt Sportdirektor Jim Boni (46) zu Saisonbeginn wieder und wieder. Fast gebetsmühlenartig wiederholte er seine Forderung nach Geduld, auch als eine Niederlage der nächsten folgte. Boni arbeitete bereits vor Jahren schon einmal in Ingolstadt als Trainer, kehrte nun als Sportdirektor zurück nach Bayern. Er genießt in der Branche einen guten Ruf, hatte als Heimkehrer in Ingolstadt bei den Fans und im Umfeld zusätzlichen Kredit. Doch als nach neun Spielen lediglich neun magere Pünktchen auf dem Konto des bayerischen DEL-lubs zu Buche standen, fing es beim ERC langsam an zu brodeln.
Boni ist ein Mann der klaren Worte. „Bei allen Spielern ist noch Luft nach oben. Wir haben sehr gute Einzelspieler, treten aber noch nicht als Mannschaft auf", analysierte Boni damals, doch er blieb dabei: „Ich habe Geduld." Jetzt, zwei Wochen später sind die Kritiker verstummt. Vier Siege in Folge, zuletzt ein deutlicher 5:1-Erfolg bei Titelaspirant Düsseldorf. Der ERC Ingolstadt ist endlich auf Erfolgskurs. Und Boni hat immer daran geglaubt. Großer Umbruch, viele Verletzungen
Der große Umbruch, den Boni zusammen mit dem neuen Trainer Bob Manno (52) vollzog, hinterließ seine Spuren noch deutlicher als erwartet. Selbst die Vorbereitungszeit war nicht ausreichend, um aus den starken Einzelkönnern des ERC eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Bei den Expertentipps landeten die Panther auf Grund ihrer individuellen Klasse stets weit oben. Boni und Manno erhielten viele Vorschusslorbeeren für ihre Arbeit, doch zunächst blieb der Erfolg aus.
Der Umbruch im Team, dazu eine ausgedünnte Personaldecke auf Grund vieler Verletzungen. Bob Manno erwischte bei seinem neuen Arbeitgeber einen misslungenen Einstand. In der Abwehr konnte der Kanadier nie auf sein komplettes Defensivteam zurückgreifen, oftmals mit Mühe und Not gerade einmal fünf Verteidiger aufbieten. Statt mit Berlin und Mannheim um die Tabellenspitze zu kämpfen, stritt sich der ERC mit Straubing und Hamburg um die rote Laterne der DEL. Wichtige Comebacks und starke Neuzugänge
Die Trendwende lässt sich symbolisch mit einem Namen verbinden: Bruno St. Jaques (29). Vor der letzten Saison wechselte der Verteidiger an die Donau, überzeugte im enttäuschenden Vorjahr als einer der wenigen Akteure im Panther-Dress und spielte sich damit in die Herzen der Ingolstädter Fans. Seit St. Jacques' Rückkehr nach einer langen Verletzungspause hat der ERC fünf von den letzten sechs Partien gewonnen und den Sprung aus dem Tabellenkeller geschafft.
„Es war hart, der Mannschaft bei den ersten Spielen nicht helfen zu können. Dafür freue ich mich jetzt umso mehr, wieder dabei zu sein", sagt St. Jacques. Auch Defensiv-Kollege Prestin Ryan (29) kehrte nach auskurierter Gehirnerschütterung in den Kader zurück. „Ich hätte mir keinen besseren Start nach meiner Verletzung wünschen können", freut sich Ryan über sein erfolgreiches Comeback und die Siegesserie der Panther.
Doch nicht nur die Wiederkehr der Rekonvaleszenten gab wichtige Impulse für den Ingolstädter Aufschwung, auch die Verpflichtung zweier Hochkaräter tat ihren Teil dazu bei. Mit Joe Motzko (29) und Ben Clymer (31) konnte Boni zwei ehemalige Stanley-Cup-Gewinner nach Ingolstadt lotsen, verstärkte die Mannschaft mit den beiden NHL-erfahrenen Profis gezielt. „Wir hatten Glück, dass sie auf dem Markt waren. Bei solchen Namen muss man einfach zuschlagen", sagt Boni zu seinen Transfer-Coups. „Alleine ihre Erfahrung bringt uns nach vorne", weiß auch Trainer Manno.
„Jim liebt den Erfolg"
Verlassen konnte sich Manno bisher auch auf Thomas Greilinger (28) und Bob Wren (35). Das Duo wirbelt seit Saisonbeginn durch die Abwehrreihen der Gegner und war in der holprigen Startphase die einzige Konstante im Ingolstädter Spiel. „Jahrhundertalent" Greilinger präsentiert sich in seiner zweiten DEL Saison nach seinem Profi-Comeback in hervorragender körperlicher Verfassung und kann so seine technische Klasse voll ausspielen. Punktet er weiter wie bisher (23 Punkte in nur 13 Spielen), wird die laufende Spielzeit Greilingers erfolgreichste in der DEL (bisher 2004 in Nürnberg, 39 Pkt. in 51 Sp.). Zugleich ist Greilinger damit ein heißer Kandidat im Kampf um die Scorerkrone. Aktuell punktet nur Iserlohns Dauerbrenner Robert Hock (26 Pkt. in 13 Sp.) noch öfter.
„Wir spielen schon seit der Vorbereitung zusammen und es läuft gut", sagt Greilinger im Hinblick auf seinen Kollegen Wren. Dieser wechselte im Sommer aus Iserlohn nach Ingolstadt. Ausschlaggebend für Wrens Wechsel nach Bayern: Sportdirektor Jim Boni. Beide arbeiteten schon in Wien zusammen, holten dort zusammen den Meistertitel. „Ich habe ein tolles Verhältnis zu ihm", sagt Wren und ist voll des Lobes: „Jim liebt den Erfolg. Er ist ein hervorragender Manager und weiß, wie man eine erfolgreiches Team baut."
Und so scheint sich in Ingolstadt abzuzeichnen, dass Boni auch diesmal wieder vieles richtig gemacht hat. Seine Forderungen nach Geduld waren nicht nur leere Worthülsen, langsam erntet der Italo-Kanadier die Früchte seiner Arbeit. Doch trotz Siegesserie ist nach wie vor nicht alles Gold, was derzeit beim ERC glänzt. Dass weiß auch Boni: „Klar sind wir jetzt erleichtert", sagt er nach den letzten Erfolgen. Und dann kommt, was kommen muss: „Aber wir müssen weiter geduldig sein."