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sportal.de-Interview mit Robert Leask
sportal.de-Interview mit Robert Leask
Robert Leask:''Nicht jeder harte Check ist auch unsauber''

Er spielt seit 1996 in der DEL, ist eines der Urgesteine der Liga. Der Deutsch-Kanadier Robert Leask (37) kennt die höchste Deutsche Eishockey-Liga besser als viele andere. Im sportal.de-Interview spricht der Verteidiger der Hamburg Freezers über die Veränderungen seit seiner ersten Spielzeit in Deutschland, harte Checks und erklärt, was die Schiedsrichter in Zukunft besser machen müssen.

sportal.de: Du spielst seit fast 13 Jahren in der DEL, kannst Du beschreiben, wie sich die Liga in dieser Zeit verändert hat. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen dem Spiel Mitte der neunziger Jahre als Du nach Deutschland gekommen bist und dem Spiel heute?

Robert Leask: Der größte Unterschied ist, dass wir heute weniger Ausländer haben als zu Beginn meiner Deutschland-Karriere. Damals, als es noch keine Ausländer-Begrenzung gab, sind viele Spieler rüberkommen gekommen, die in Nordamerika die Rolle des Goons (Spieler der härteren Gangart, die vor allem für die physischen Elemente im Spiel zuständig sind) ausgefüllt haben. Diese sind heute nicht mehr da. Ich denke, das Spiel hat dadurch an Tempo gewonnen und ist schneller geworden.

sportal.de: Und hat im Gegenzug wahrscheinlich an Härte verloren.

Robert Leask: Ja, richtig.

sportal.de: Gibt es noch weitere Unterschiede?

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Robert Leask: Die deutschen Spieler haben seitdem einen großen Sprung noch vorne gemacht und sind besser geworden.

sportal.de: Damals waren die deutschen Akteure ja mehr oder weniger Lückenfüller.


Robert Leask: Genau. Die deutschen Jungs haben damals von den Trainern auch kaum Eiszeit bekommen, was sich heute geändert hat. Außerdem glaube ich, dass die ausländischen Spieler, die heute geholt werden, von der Qualität her besser sind als damals.

sportal.de: Im Vergleich macht es zumindest von außen den Eindruck, dass die Spiele in der DEL emotionsloser geworden sind. Früher gab es mehr Action auf dem Eis. Heute ist es oft so, wenn ein Spieler beispielsweise hart in einen Bandenzweikampf geht, dass der Arm des Schiedsrichters schnell oben ist. Ist das ein Eindruck, den Du als Spieler bestätigen kannst?

Robert Leask: Wir Spieler stellen uns natürlich auf die Schiedsrichter ein und lernen, wie sie pfeifen. Es war schon immer so, dass die Schiedsrichter in Deutschland bei einem harten Check meistens eine Strafe geben, egal ob er sauber war oder nicht. Aber das hängt auch viel von den Schiedsrichtern ab. Manche pfeifen die Checks ab, achten dafür nicht auf die Kleinigkeiten. Andere lassen mehr Checks laufen, sind dafür bei den Kleinigkeiten genauer.

sportal.de: Es ist aber auffallend, dass die Spieler heute viel seltener aneinander geraten und nicht mehr so energisch in viele Zweikämpfe gehen, nicht nur im Bezug auf Checks. Früher gab es mehr Auseinandersetzungen auf dem Eis.

Robert Leask: Es ist so, dass die Schiedsrichter für kleine Auseinandersetzungen mehr Strafen geben. Und als Spieler versuchst du jede Strafe zu vermeiden, weil du deiner Mannschaft natürlich nicht schaden willst.

sportal.de: Dadurch, dass die Schiedsrichter so kleinlich sind , schnell zur Pfeife greifen und so Härte und Emotion aus dem Spiel nehmen, verliert das Spiel auch an Attraktivität. Wie siehst Du das?

Robert Leask: Das ist eine schwierige Frage, dass kann man als Spieler schwer sagen. Es kann schon gut sein, dass es für die Fans so weniger attraktiv ist, auch wenn man das als Aktiver gar nicht so sieht.

sportal.de: Dann lass uns etwas spezieller werden. Kommen wir auf die Null-Toleranz-Regelauslegung zu sprechen. Damals sollte die Liga schneller werden und die Stars sollten mehr spielerische Freiheit bekommen. Glaubst Du, dass diese Auslegung Fortschritte gebracht hat und die Liga so noch einmal einen Sprung nach vorne machen konnte?

Robert Leask: Ich glaube, dass hier in Deutschland nicht mal so streng gepfiffen wird wie in der NHL oder in der Schweiz. Ich weiß auch nicht so wirklich, ob die Null-Toleranz irgendwelche Vorteile gebracht hat. In der defensiven Zone ist es natürlich erstmal schwerer zu verteidigen, weil du deinen Stock nicht benutzen darfst, dadurch haben die schnelleren Spieler einen kleinen Vorteil. Aber wirklich besser sind die Spiele dadurch eigentlich nicht geworden. Es wird auch nicht von allen Schiedsrichtern konsequent gepfiffen. Rick Looker pfeift zum Beispiel jedes Haken, jedes Halten und jedes Beinstellen, der nächste Schiedsrichter ist dann wieder ganz anders.

sportal.de: Was würdest Du denn im Bezug auf Regelauslegung und Schiedsrichter ändern, wenn Du könntest?

Robert Leask: Die Schiedsrichter hier könnten von ihren Kollegen in Nordamerika viel lernen. Sie haben sicherlich auch Lehrgänge im Sommer usw., aber sie könnten noch professioneller werden. Um noch einmal auf Looker zu sprechen zu kommen: Auch wenn er mal einen schlechten Tag hat, er spricht zum Beispiel viel mit den Spielern und zeigt ihnen so, was er pfeifen will und was nicht. Das machen nur wenige. Das könnte verbessert werden. Für vieles ist aber auch nicht die DEL verantwortlich, sondern der IIHF (Anm. Internationaler Eishockey-Verband).

sportal.de: Klar, aber im Bezug auf Checks könnte auch die DEL beschließen, wir lassen jetzt mehr laufen und pfeifen hartes Körperspiel nicht mehr so rigoros ab.

Robert Leask: Nicht jeder harte Check ist auch unsauber. Das hat man diese Saison auch bei Jere Karalathi gesehen, der viel checkt...

sportal.de: ... und dafür schon 114 Strafminuten kassiert hat. Obwohl er einer der saubersten Checker überhaupt ist. Er checkt immer hart, aber hat die Schulter angelegt, springt nicht ab.

Robert Leask:
Vor allem auswärts kassiert er dafür viele Strafen. Wenn die gegnerischen Fans nach einem harten Check schreien und pfeifen, lassen sich die Schiedsrichter noch viel zu oft beeinflussen. Das ist auch ein Punkt, an dem man ansetzten müsste, wo die Schiedsrichter professioneller werden könnten. Auch wenn es sich über die Jahre etwas gebessert hat.

sportal.de: Interessant, dass Du das mit Karalathi ansprichst. Man merkt, dass er schon viel zurückhaltender geworden ist als noch zu Saisonbeginn. Er fährt nicht mehr jeden Check zu Ende.

Robert Leask: Das meine ich damit, wenn ich sage, die Spieler lernen. Sie merken, wie die Schiedsrichter pfeifen und passen ihr Spiel dementsprechend an.

sportal.de: Aber da stellt sich natürlich die Frage, ob dass noch Eishockey ist, wie es sein soll und ob es das ist, was Eishockey ausmacht. Eishockey ist einfach eine...


Robert Leask:
... harte Sportart und so soll es auch bleiben.

sportal.de: Aber das ist ja, was man in der DEL im Moment oft vermisst.

Robert Leask:
Klar, auf der anderen Seite wird das Spiel hier aber auch nie so hart werden wie in Nordamerika. Das liegt schon an der Spielfläche, die hier größer ist als drüben.

sportal.de: Macht das beim Checken einen großen Unterschied?

Robert Leask: Ja, du musst mehr laufen um die Checks zu Ende zu fahren. Irgendwann bist du dann aus der Position. Und der Gegenspieler hat natürlich auch mehr Zeit, sich auf den Check einzustellen. Er sieht dich kommen und kann so noch rechtzeitig rausgehen.

sportal.de: Kommen wir nochmal auf ein anderes Thema zu sprechen. Schon vor über zwei Jahren hat die DEL ganz unauffällig bekannt gegeben, dass Fights (Faustkämpfe) nur noch mit 2+2+10 Strafminuten bestraft werden sollen. Das haben damals die Gesellschafter beschlossen, am Anfang haben die meisten Schiedsrichter kaum danach gepfiffen. In dieser Spielzeit klappt das jetzt aber viel besser, die meisten Fights wurden korrekt mit 14 Strafminuten bestraft. Habt ihr diese Änderung als Spieler überhaupt mitbekommen?

Robert Leask (schmunzelt ungläubig): Nein, das höre ich gerade zum ersten Mal.

sportal.de: Du selber hattest in dieser Saison schon einen Fight gegen Roland Verwey (Krefeld Pinguine) und hast auch keine Spieldauer bekommen.

Robert Leask: Ja, ich war richtig überrascht, dass ich nur 4+10 Strafminuten gekriegt habe. Ich habe gedacht „hundertprozentig kassierst du jetzt eine Spieldauer." Vielleicht wollten die uns das gar nicht sagen.

sportal.de: Holger Gerstberger, der Schiedsrichter-Obmann, war damals auch nicht erfreut über den Entschluss der DEL. Deswegen hat er scheinbar am Anfang selbst den Schiedsrichtern die ganze Sache nicht richtig vermittelt. Wie würdest Du denn zu einer Einführung der Fighting-major (Bestrafung von Fights mit eine fünfminütigen großen Strafe, aber ohne anschließende Spieldauer) in der DEL stehen?

Robert Leask: Wir haben kaum Spielertypen dafür. Es passiert ab und zu mal. Mir selber immer ein oder zweimal in der Saison. 4+10 Minuten sind auf jeden Fall eine gute Sache, wenn die Schiedsrichter das auch konsequent handhaben.

sportal.de: Unterhaltet ihr Spieler euch in der Kabine eigentlich auch über Regeln und Schiedsrichter oder ist das da selten Thema?

Robert Leask: Wenn ein Schiedsrichter wie Looker kommt, dann sprechen wir schon kurz darüber, dass er kleinlich pfeift und wir aufpassen müssen, dass wir nicht zu viele Strafzeiten kassieren. Aber generell ist das in der Kabine nicht so ein großes Thema.

sportal.de: Alles klar, dann abschließend noch eine persönliche Frage. Du bist nun auch schon 37 Jahre alt, spielst lange in der DEL. Wie sieht es für die kommende Saison, gibt es schon Verhandlungen?

Robert Leask: Bis jetzt noch gar nicht. Diese Saison läuft es für uns als Team auch nicht so gut. Da warten die Verantwortlichen natürlich lange, bis sie Entscheidungen treffen. Ich fühle mich auf jeden Fall noch gut und würde gerne weiter in der DEL spielen.

sportal.de: Rob, wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Daniel Pietzker

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