Keine Torkameras, kein Chip im Ball - die FIFA hat gesprochen und allen technischen Hilfsmitteln im Fußball auch für die Zukunft eine klare Absage erteilt. sportal.de fragt: Der richtige Weg oder die Entscheidung von Funktionären, die aus falschem Traditionalismus den Fortschritt im Fußball behindern?
In den letzten Wochen und Monaten hatten immer wieder strittige und sogar fehlerhafte Schiedsrichter-Entscheidungen im internationalen Fußball für heftige Diskussionen gesorgt. Besonderer Aufreger: Das wegen Handspiels von Thierry Henry eindeutig irreguläre, aber vom Referee Frankreich zuerkannte Tor im WM-Qualifikationsplayoff gegen Irland, das dazu führte, dass die Equipe Tricolore zum Endturnier nach Südafrika fahren darf.
Nach diesem Vorfall hatte sich sogar FIFA-Boss Sepp Blatter für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln ausgesprochen, unter der Vorraussetzung, dass die Systeme "hunderprozentig funktionieren". Doch die am Wochenende auf der 124. Jahresversammlung der IFAB - der obersten Regelhüter des Weltverbandes - vorgestellten Entwicklungen "Chip im Ball" und die Hawkeye-Torkamera konnten offenbar nicht überzeugen.
Mit einer klaren Mehrheit entschied das Gremium sich gegen die Hilfsmittel. "Die Frage war, sollen wir Technik im Fußball zulassen, und die Antwort war ganz klar: Nein!" Mit diesen Worten beendete FIFA-Generalsekretär Jérome Valcke am Wochenende in Zürich entsprechende Hoffnungen. Strittige und sogar fehlerhafte Entscheidungen gehörten zum Fußball einfach dazu, heißt es aus dem Büros der FIFA.
Doch was die Funktionäre als Entscheidung Pro-Fußball feiern, stößt bei den Praktikern auf dem Rasen auf heftige Kritik. Friedhelm Funkel konnte nicht verstehen, warum sich der Fußball dieses Alleinstellungsmerkmal leistet. "Wir sind, glaube ich, die einzige Sportart, in der Hilfsmittel nicht angewandt werden. Und ich weiß nicht, warum der Fußball das nicht zulässt", zeigte sich der Hertha-Coach ebenso fassungslos wie Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß, der von einer "verpassten Chance" sprach und in Richtung FIFA und IFAB nachschob: "Aber die müssen ja auch nicht spielen."
Felix Magath ist der Grund für die Technikfeindlichkeit ebenso rätselhaft: "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man sich im Profi-Fußball, wo es um Milliarden geht, den Luxus erlaubt, keine technischen Hilfsmittel zu nutzen. Ich glaube nicht, dass man den Schiedsrichtern damit einen Gefallen tut."
Doch was meinen Sie? Glauben Sie wie die FIFA, dass der Fußball in seiner Einfachheit nicht angetastet werden darf? Würde Fußball ohne Fehlentscheidungen wirklich an Faszination einbüßen? Oder halten Sie es in dieser Frage mit den Bundesliga-Vertretern, die auf den Einsatz von Hilfsmitteln wie in allen anderen Sportarten drängen?
sportal.de ist auf Ihre Meinung gespannt. Sie können wie jede Woche über die Kommentarfunktion mitdiskutieren.