Felix Sturm besiegt Giovanni Lorenzo klar nach Punkten

Der beste Felix Sturm aller Zeiten?
Felix Sturm bleibt WBA-Superchamp. Der 31 Jahre alte Mittelgewichtler besiegte in der Kölner Lanxess-Arena Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik in zwölf Runden einstimmig nach Punkten (117:111, 117:111, 118:111). Der Leverkusener bringt es nunmehr auf 34 Siege in 37 Profi-Kämpfen. Für seinen Herausforderer war es die dritte Niederlage im 32. Kampf. Vor 13.000 Zuschauern diktierte Sturm das Gefecht und beherrschte seinen boxerisch limitierten Kontrahenten mit zunehmender Kampfdauer nach Belieben.
Richtig los ging es in Runde zwei
Felix Sturm brauchte eine Runde, um nach 14 Monaten Pause wieder in Gang zu kommen. Schon in der zweiten Runde landete er seine explosionsartig vorgetragene Linke im Ziel. Auch die Rechte, an der er mit Fritz Sdunek viel gearbeitet hatte, konnte er oft nachziehen. Und Sturm wurde noch besser, hatte spätestens in der dritten Runde das Publikum durch einige klare Treffer auf seine Seite gebracht.
Sturm boxte weiterhin variabel. Er war so gut wie nicht zu treffen und beeindruckte durch seinen taktisch und technisch ausgereiften Stil. Lorenzos Schläge waren meist lange zu sehen, er schien zudem kein richtiges Konzept gegen Sturms kompakte Doppeldeckung zu haben. Lorenzo hatte einen K.o. in der sechsten Runde angekündigt. Felix Sturm setzte ihm allerdings auch in dieser Runde durch Kombinationen seiner schnellen Linken so zu, dass der Herausforderer gar nicht zum Angriff kam.
Tolle Deckung, blitzschnelle Linke
Der Kampf blieb einseitig, da es Lorenzo zu keiner Zeit gelang, seine Schlagkraft anzubringen. Sturm boxte aus einer soliden Deckung, brachte immer wieder kurze Hände ins Ziel und dominierte nach Belieben. Ein Kombination aus Körpertreffer und linkem Haken, die Sturm ansatzlos anbringen konnte, brachte Lorenzo ins Wanken, aber er kam auch zur neunten Runde wieder in den Ring.
Lorenzo versuchte immer wieder zurückzuweichen, dann griff er mit wilden Schwingern erneut an, schlug allerdings meist kraftraubende Luftlöcher. Zum Ende der elften Runde versuchte er Sturm in einen offenen Schlagabtausch zu verwickeln. Und auch in der letzten Runde zeigte sich Lorenzo tapfer, aber ohne die Mittel, Felix Sturm ernsthaft in Gefahr zu bringen. Der WBA-Superchampion im Mittelgewicht ging nicht mehr aufs Ganze. Musste er auch nicht, er hatte Lornezo zuvor nach Belieben dominiert. "Ich war ganz schön nervös, es war eine lange Pause, aber ich glaube, wir haben das heute gut gelöst", kommentierte Felix Sturm bei Sat 1 seine Leistung.
Und auch die zuvor von sportal.de begutachtete Undercard trug zu einem gelungenen Abend bei. Benjamin Simon (Mittelgewicht) gewann gegen Magomed Abdurakhmamov durch TKO in der 5. Runde. Erkan Teper (Schwergewicht) war seinem Gegenüber, Marcel Zeller, hoch überlegen und gewann ebenso durch TKO in Runde 3, wie der erst 18 Jahre junge Dennis Ronert (Supermittelgewicht), der seinem Kontrahenten Frank Kary Roth kaum eine Chance ließ.
Jetzt muss ein wirklich großer Gegner kommenDoch zurück zum Hauptkampf, der mit einem einstimmigen Urteil pro Sturm (117:111, 117:111 und 118:111) endete. Sturm hatte allerdings nach seiner Loslösung von Universum angekündigt, nur noch große Gegner boxen zu wollen. Der durchaus tapfere Giovanni Lorenzo präsentierte sich allerdings nicht als großer Gegner. Lorenzo war wohl eher der perfekte Comeback-Gegner - kein Fallobst, aber auch keine Gefahr. Jetzt muss Sturm einen wirklichen Gegner präsentieren, damit das Urteil des heutigen Abends gänzlich zutrifft, das da lautet: Der neue Felix Sturm ist der beste, den es je gab.
Michel Massing