
Öner: ''Bei Erkan stimmt das Gesamtpaket''
Nach 14 Monaten Pause trifft Felix Sturm am Samstag in Köln auf Giovanni Lorenzo. Der WBA-Super Champion des Mittelgewichts ist einer der letzten Topstars des deutschen Boxsports. sportal.de wirft einen Blick auf die Undercard und entdeckt, dass - auch durch den Druck der Fernsehsender - wieder mehr und mehr auf deutsche Talente gesetzt wird.
Wenn Felix Sturm am Samstag nach 14 Monaten Pause wieder in den Ring steigt, dann ist er so gut vorbereitet wie nie. Er nutzte die lange Pause, die durch den Rechtsstreit mit Universum entstand, und baute sich sein eigenes Trainingscenter. Er engagierte mit Fritz Sdunek, der auch Vitali Klitschko betreut, einen der besten deutschen Trainer. Fitness-Trainer und Ernährungs-Berater ist Clive Salz und der sorgte dafür, dass Sturm förmlich im alten Glanz erstrahlt.
Die letzten Wochen waren somit kein Zuckerschlecken für Sturm. "In dieser Zeit geht es nicht um Essen mit Genuss", kommentiert Salz im Kölner Stadtanzeiger das Ernährungsprogramm von Sturm. "In dieser Zeit isst Felix, wie man ein Auto tankt." Ob genug Treibtstoff im Tank ist, damit der WBA Super Champion im Mittelgewicht seinen Titel in der Kölner Lanxess-Arena gegen Giovanni Lorenzo verteidigen kann wird sich zeigen.
Stürmt der Kölner auch die Quote?
Der Kampf wird allerdings nicht nur zum Gradmesser für Sturms Fitness. Auch sein Marktwert ist an diesem Abend auf dem Prüfstand. Der TV-Sender Sat 1 wagt mit dem Sturm-Kampf zum zweiten Mal das Box-Comeback. Der erste Versuch, mit dem deutschen Schwergewicht Steffen Kretschmann (Verlor gegen den Underdog Denis Bakhtov im März diesen Jahres), ging gründlich daneben. Um auch nur eine annähernd gute Quote wie die Gebrüder Klitschko zu erzielen, muss aber ein deutsches Zugpferd her. Neben Arthur Abraham und den schon gefühlten Deutschen Vitali und Wladimir Klitschko, ist Felix Sturm einer der letzten großen Namen im Sendegebiet von Sat 1.
Doch hinter den Kulissen brodelt es. Ein Sturm boxt nicht aller Tage und so sollen also wieder mehr einheimische Boxer herangezogen werden. Und mit Ahmet Öner setzt ausgerechnet ein türkischer Promoter verstärkt auf die deutsche Karte. Im Vorprogramm zur Sturm-Gala zeigt Öner seine neuen Arena-Schützlinge Benjamin Simon (Mittelgewicht/Berlin), Erkan Teper (Schwergewicht/Ahlen) und Dennis Ronert (Super Mittelgewicht/Koblenz). "Die Gleichung ist doch einfach: Das deutsche Fernsehen will deutsche Boxer", erklärt Öner. "Der Markt ist nicht unendlich groß, da muss man schon sehr genau hingucken. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir ein paar richtig gute Jungs gefunden haben."
Die Undercard von Arena bestückt
Dabei achtet Öner auch darauf, dass die Mischung bei seinen "Neueinkäufen" stimmt. Mit Benjamin Simon hat er einen erfahrenen Profi an Bord. Der 27-jährige hat schon 19 Profi-Kämpfe hinter sich, konnte 18 gewinnen, davon 17 durch k.o. Unter der Führung seiner bisherigen Berliner Promoterin Eva Rolle und seines Managers und Trainers Robert Rolle erkämpfte sich Simon dabei in seinen letzten Kämpfen sogar die International und Intercontinental Titel des Weltverbandes IBF.
"Wenn so ein Junge auf dem Markt ist, muss man zuschlagen", sagt Öner. "Die Rolles haben beim Aufbau sehr gute Arbeit geleistet. Jetzt haben wir die Chance, Benjamin auf die nächste Stufe zu heben. Sat1 hat Interesse an ihm angemeldet. Wenn er am Samstag einen guten Kampf macht, kann er die Tür zum TV-Hauptkampf weit aufstoßen." Dann kann man dem Hamburger Boxstall nur die Daumen drücken, das aus Simon kein Kretschmann wird. Das hofft auch Sat 1. "Wir beobachten Benjamin Simon und seinen Weg schon eine ganze Weile", bestätigt auch Sat.1 Sportchef Sven Froberg. "Ich freue mich auf die Veranstaltung mit Felix Sturm und auch darauf, Benjamin im Ring zu sehen."
Erkan Teper - Profi-Debüt mit 28
Einen anderen Weg als Simon ist Schwergewichtler Erkan Teper gegangen. Der ehemalige Sportsoldat aus Ahlen (Westfalen) hat bislang nur Amateur-Erfolge vorzuweisen. Mit 28 Jahren ist er schon sehr alt für einen Profi-Debütanten, die Erfahrung von 146 Amateur-Kämpfen (davon 130 Siege) könnte ihm aber helfen, auch bei den Profis schnell den Weg an die Spitze zu schaffen.
"Bei Erkan stimmt das Gesamtpaket", sagt Öner über seine neue Schwergewichts-Hoffnung. "Er kann hervorragend boxen, hat einen mächtigen Punch und dazu noch eine absolut positive Ausstrahlung. Ich verspreche mir sehr viel von dem Jungen." Was an der Entwicklung Tepers interessant sein dürfte: Als Öner zuletzt so über einen Schwergewichtler gesprochen hat, redete er über? Genau, Steffen Kretschmann.
Die nächste Generation - Ronert, Britsch und Schultz
Das größte Potenzial auf der Undercard von Felix Sturm sieht sportal.de aber beim Jüngsten der neuen Arena-Garde. Der Super Mittelgewichtler Dennis Ronert ist im Juni 18 Jahre jung geworden. Trotzdem hat der Schützling von Detlef Loritz schon 5 Profi-Kämpfe bestritten, die er allesamt durch K.o. gewonnen hat. Aber auch die Konkurrenz setzt auf die deutsche Karte und ist sogar einen Schritt weiter. Hoffnungsträger bei Sauerland Event ist Mittelgewichtler Dominik Britsch aus Neckarsulm.
Mit gerade mal 22 Jahren gilt Britsch bei Sauerlands TV-Partner ARD schon heute als nächster Hauptkämpfer und angehender deutscher Star. 20 Siege in 20 Profi-Kämpfen sprechen für den starken Techniker, auf den vor allem Trainer-Fuchs Ulli Wegner große Stücke hält. Bislang noch im Schatten und von den großen Promotern unbemerkt zieht im brandenburgischen Fürstenwalde der 23-jährige Halbmittelgewichtler Rico Schultz seine Kreise. In bislang nur 8 Profi-Kämpfen (7 Siege, alle durch k.o.) brachte es "Diamond" Rico immerhin schon zum IBF-Junioren-Weltmeister.
Noch regieren Sturm, Abraham und die Klitschkos
"Auch der Junge ist natürlich interessant", so Ahmet Öner. "Dass der Junge boxen kann, steht nicht in Frage - und deutscher als Rico Schultz geht ja gar nicht..." Und dann ist da ja noch Jack Culcay. Der Amateur-Weltmeister von 2009 legte bei den Profis einen überzeugenden und aussichtsreichen Start hin: 6 Siege in 6 Kämpfen. Culcays Problem: Seine Promoter Klaus-Peter Kohl und Dietmar Poszwa (Universum) haben nach dem ZDF-Aus keinen Fernsehpartner, um ihre teuren Veranstaltungen zu finanzieren.
Vielleicht muss sich "Golden Jack" zunächst ein bisschen im Ausland "durchboxen", bevor er den Weg zurück ins deutsche TV findet. Momentan scheint die Zukunft von Culcay noch ungewiss, doch einer wie er dürfte sich unabhängig von den Problemen seines Promoters durchsetzen. So steht fest, dass die Erben der Quotenkönige um die Klitschko-Brüder, Arthur Abraham und Felix Sturm deutsch sprechen sollen. Aber noch sind die drei ja nicht am Ende.
Felix Sturm muss das nun als nächster beweisen. Es folgen Wladimir Klitschko (gegen Sam Peter), Arthur Arbaham (gegen Carl Froch) und Vitali Klitschko (gegen Shannon Briggs). Mit einem Auge, blicken wir aber gespannt auf die Undercard, auf die nächste Generation.
Michel Massing