sportal.de kürt die elf größten Boxkämpfe aller Zeiten.
Boxen als Massenphänomen - die größten Veranstaltungen aller Zeiten
Bei dieser Rangliste erheben wir nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und übernehmen für die Zahlen keine Garantie, denn die Angaben über manche Kämpfe der Vergangenheit schwanken stark. Bühne frei für die größten Fights der Boxgeschichte! (Stand März 2010)
11. Joe Calzaghe vs Mikell Kessler, 51.000 Zuschauer, 2007 Calzaghe gegen Kessler ist einer der größten und spektakulärsten Kämpfe Europas zwischen zwei europäischen Boxgrößen. Die beiden ungeschlagenen Weltmeister im Supermittelgewicht trafen am 3. November 2007 im Millennium Stadium in Cardiff (Wales) aufeinander. Vor über 50.000 Fans gewann Calzaghe einstimmig nach Punkten und die Titel nach Version der WBA und WBC von Kessler. Zudem verteidigte er seinen WBO-Gürtel bereits zum 21. Mal. Der 35-jährige Calzaghe setzte seiner außergewöhnlichen Karriere in dieser Nacht die Krone auf. In über 70 Ländern wurde der Kampf übertragen, die Welt hatte auf den vielleicht wichtigsten Kampf des Jahres gewartet.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Supermittelgewichts wurde ein unangefochtener Champion auserkoren. Und das in einem hochklassigen, spannenden und explosiven Duell zweier ungeschlagener Boxer, die in ihrer Gewichtsklasse dominierten. "Er hat mehr Tricks drauf als ein Magier", zollte Kessler seinem Gegner nach dem Kampf Respekt. Calzaghe siegte anschließend noch gegen Bernard Hopkins und Roy Jones Jr., ehe er seine grandiose Karriere ohne Niederlage beendete.
9. Max Schmeling - Adolf Heuser, 60.000 Zuschauer, 1939 Am 2. Juli 1939 traf Max Schmeling, der nach seinem Debakel gegen Joe Louis erstmals wieder im Ring stand, auf die "rheinische Bulldogge" Adolf Heuser. Die Adolf-Hitler-Kampfbahn in Stuttgart war trotz NS-Propaganda nicht ausverkauft (85.000 hätten Platz gefunden). Nach nur 72 Sekunden lag Heuser schon am Boden. Schmeling erinnerte sich später, dass sein Schlag "so hart, so katastrophal" war, "dass er Heuser die Beine vom Boden riss. Schwer war er vornüber auf die ausgebreiteten Arme gefallen." Der "Grüne Sportbericht" sah den K.o. ähnlich: "Heuser stürzt kopfüber auf den Ringboden. Träge wälzt sich der Körper auf die Seite. Heuser ist schwer bewusstlos." Und Schmeling war gegen Ende seiner Karriere Europameister im Schwergewicht geworden.
9. Muhammed Ali - George Foreman, ca. 60.000 Zuschauer, 1974 Don King konnte in einem seiner allerersten Kämpfe als Boxpromoter Zaires Diktator Mobutu als Hauptfinanzier für diesen Megafight gewinnen. Mobutu erhoffte sich durch das bevorstehende Spektakel, dem die gesamte Sportwelt entgegenfieberte und das weltweit im Fernsehen und Radio live übertragen wurde, positive Werbung für sein Land und ganz Afrika. Am 30. Oktober 1974 in Kinshasa riefen die Menschen: "Ali, boma ye!" ("Ali, töte ihn!"). Muhammad Ali hatte die Menschen auf seiner Seite. Er verstand es, sich in Szene zu setzen. Die Tatsache, dass sein Gegner George Foreman in der Öffentlichkeit mit einem Schäferhund auftrat, was die Menschen an die belgische Kolonialherrschaft erinnerte, tat ihr Übriges.
Wieviele Zuschauer dem Kampf wirklich beiwohnten, ist bis heute umstritten. Zwischen 60.000 und 100.000. Menschen sollen beim "Rumble in the Jungle" gewesen sein. Dank einer taktischen Meisterleistung und geradezu unmenschlich anmutenden Nehmerqualitäten holte sich Muhammad Ali den Weltmeistertitel. Er war damit nach Floyd Patterson erst der zweite Schwergewichtsprofi, der das ungeschriebene Gesetz "They never come back" brach. Das, was George Foreman und Muhammad Ali an diesem Abend im Ring veranstalteten, darf getrost als Sternstunde in der Geschichte des Boxsports bezeichnet werden.
8. Wladimir Klitschko - Ruslan Chagaev, 61.000 Zuschauer, 2009 "Dr. Steelhammer" demontierte seinen usbekischen Gegner vor 61.000 Zuschauern in der Arena auf Schalke und siegte nach technischem K.o in der neunten Runde. Mit dem 53. Sieg im 56. Kampf verteidigte der Ukrainer seine beiden WM-Gürtel der Verbände IBF und WBO zum dritten Mal erfolgreich. Der Kampf auf Schalke war die größte Stadionveranstaltung seit der Ära Schmeling und bedeutete einen Indoor-Europarekord für das Boxen, weil das Dach der Schalker Arena geschlossen war.
7. Sugar Ray Robinson - Randy Turpin II, 61.437 Zuschauer, 1951 Dem Rematch zwischen der Legende Sugar Ray Robinson und Randy Turpin ging eine Niederlage nach Punkten voraus. Turpin konnte Robinson, der bis dahin in 128 Kämpfen nur eine Niederlage zu verzeichnen hatte, im Juli 1951 in der Exhibition Hall in London besiegen. 64 Tage später kam es zum Rückampf. Am 10. September 1951 in den berühmten New Yorker Polo Grounds kamen 61.437 Zuschauer, was damals einen Einnahmerekord von 767.626 Dollar bedeutete. Im Rückkampf war Robinson besser auf Turpins speziellen Stil des "Lean-back-then-lunge" vorbereitet und der Ringrichter beendete den Kampf nach einer Attacke Robinsons, bei denen es Schläge aus allen Lagen und Winkeln hagelte: Haken, Schwinger, Aufwärtshaken - schließlich brach der Ringrichter den Kampf in Runde zehn ab.
6. Muhammad Ali - Leon Spinks II, 63.350 Zuschauer, 1979 Möchte man über Ali vs Spinks II reden, dann muss man wissen, was beim ersten Aufeinandertreffen der beiden geschah. Am 15. Februar 1978 boxte Spinks im Hilton Hotel, Las Vegas, als 10 zu 1-Außenseiter gegen Ali und holte sich überraschend die WBA und WBC-Gürtel. Ali hatte Spinks im Vorfeld des Kampfes nicht ernst genommen. Während des Kampfes versuchte er seine "Rope-a-dope"-Taktik, doch Spinks wurde nicht müde und gewann am Ende nach Punkten. Eine der größten Sensationen in der Geschichte des Profiboxens. Der Kampf wurde 1978 zum "Fight of the Year" des Ring Magazine gewählt.
Der Rückkampf hätte das umjubelte Ende einer Legende werden können. Alles stimmte, vor allem die Zuschauerzahl. Im Superdome von New Orleans vor 63.350 Zuschauern, der größten Zuschauermenge in einem Kampf, der unter einem geschlossenem Dach stattfand, konnte sich Ali ein letztes Mal zu großen Taten aufschwingen. Der 36-Jährige schlug Spinks im Rematch und gewann zum dritten und letzten Mal einen Weltmeisterschaftstitel. Seine zwei Comebackversuche gegen Larry Holmes und Trevor Berbick scheiterten später.
5. Max Schmeling - Walter Neusel, 102.000 Zuschauer, 1934 Am 26. August 1934 kam es in Hamburg zum größten Boxkampf der europäischen Geschichte, Walter Neusel boxte gegen Max Schmeling. Der Schauplatz war die Dirt-Track-Bahn Lokstedt, eine Sandrennbahn in unmittelbarer Nähe von Hagenbecks Tierpark, die der Box-Promoter Walter Rothenburg innerhalb weniger Wochen in eine Musteranlage umbauen ließ. Die Zuschauerangaben schwanken zwischen 80.000 und 180.000 (Ring Magazine), eine nie wieder erreichte Anzahl von Zuschauern bei einer Boxveranstaltung in Deutschland. Schwer gezeichnet gab Neusel nach der achten Runde auf.
4. Gene Tunney - Jack Dempsey II, 104.943 Zuschauer, 1927 Das Rematch zwischen Tunney und Dempsey fand im Soldiers' Field von Chicago vor einer exorbitant großen Menschenmenge statt. Tunney diktierte das Geschehen und lag nach sieben Runden vorn. Dann schickte ihn Dempsey mit einigen Kombinationen zu Boden. Es folgten Sekunden, die den Kampf als "Battle of the Long Count" in die Geschichtsbücher eingehen ließ. Das Bild des wütenden Dempseys, wie er über Tunney gebeugt auf die nächste Möglichkeit wartete, eine Kombination ans Kinn zu setzen, ist fast so populär wie das Bild von Muhammad Ali gegen Sonny Liston, das den Schwergewichtskönig tosend über den am Boden liegenden Liston zeigt.
Ringrichter Dave Berry hatte den Kontrahenten vor dem Kampf mit auf den Weg gegeben, dass er mit dem Anzählen solange warten werde, bis der noch Stehende in der neutralen Ecke warten würde (Dempsey soll sich der Regel aber nicht bewusst gewesen sein). Da Dempsey aber einige Sekunden verharrte, konnte sich Tunney ausruhen und die Wirkung verarbeiten. Später würde er zu Protokoll geben, er hätte auch früher aufstehen können, hätte aber jede Sekunde bis fast zum Schluss nutzen wollen, um zumindest einigermaßen zu regenerieren. Bei neun stand er dann wieder auf den Beinen, hatte aber 17 lange Sekunden zum Verschnaufen bekommen.
50 Millionen Amerikaner an den Radioempfangsgeräten hörten nun mit an, wie Tunney seinerseits Dempsey in der nächsten Runde auf die Bretter schickte und auch die letzten beiden Runden gewann. Viele Experten sind sich einig, dass Dempsey, wäre er, wie es die Regeln vorschrieben, sofort in die neutrale Ecke gegangen, den Kampf gewonnen und als erster Schwergewichtler seinen Titel wiedergeholt hätte. So sollte es der letzte Kampf von Dempsey gewesen sein, während Tunney noch ein letztes Mal in den Ring stieg und nach nur zwei Titelverteidigungen mit dem Boxen aufhörte.
3. Gene Tunney - Jack Dempsey, 120.557 Zuschauer, 1926. Gene Tunney war vielleicht einer der intelligentesten Boxer, die sich jemals Weltmeister im Schwergewicht nennen durften. Der Bezwinger des großen Jack Dempsey lehrte Shakespeare in Yale, sparrte mit Ernest Hemingway und sollte US-Botschafter unter Franklin D. Roosevelt in Nazi-Deutschland werden. Am 23. Septermber 1926 kam es zum heißersehnten Titelkampf zwischen ihm und Jack Dempsey um die Krone im Schwergewicht. Tunney, der zwar aus einer Großfamilie kam, aber nie gezwungen war, mit dem Boxen seinen Lebensunterhalt zu verdienen, gegen den großen Dempsey, der damals den großen amerikanischen Traum vom Schuhputzer zum Millionär symbolisierte und der ganze Stolz der Nation war.
120.557 Zuschauer im Sesquicentennial Stadium von Philadelphia sahen mit an, wie der von den Buchmachern als deutlicher Favorit ausgezeichnete Dempsey im seit Monaten gefeierten Kampf von der ersten Runde an auf verlorenem Posten stand. Tunney konterte den brachialen Kampfstil, pendelte dessen gefürchtete Rechte aus und sorgte für zwei heftige Feilchen unterhalb der Augen Dempseys, die so zuschwollen, dass der ehemalige Champion hinterher von seinen Betreuern zur Ringmitte geführt werden musste, damit er seinem Bezwinger zu dessen Sieg gratulieren konnte. Das Publikum aber wollte sich mit der Niederlage der einstigen Ikone nicht abfinden und verweigerte dem Sieger seine Anerkennung. Fast exakt ein Jahr später kam es dann zum Rückkampf in Chicago.
2. Julio Cesar Chavez - Greg Haugen, 132.247 Zuschauer, 1993 Den größten Kampf vor zahlendem Publikum absolvierte Julio Cesar Chavez am 20. Februar 1993. 132.247 Zuschauer fanden sich im Aztekenstadion in Mexiko City zusammen, um Chavez' zehnte Titelverteidigung seines WBC-Juniorweltergewichtstitels mitzuerleben. Die große Zuschauerzahl wurde auch deshalb erreicht, weil die Tickets zum Teil schon für 5000 Pesos zu haben waren (damals ca. 1,65 Dollar). Chavez konnte es sich erlauben, 4000 Tickets an unterprivilegierte Kinder zu verschenken, nahm er doch 2,5 Millionen Dollar mit dem Kampf ein, Terry Haugen ließ sich für eine Millionen Dollar verprügeln. Er ging bereits zu Beginn des Kampfes zu Boden, schaffte es dann aber bis in Runde fünf, ehe der Ringrichter den ungleichen Kampf abbrach.
1. Tony Zale - Billy Pryor, 135.132 Zuschauer, 1941 Tony Zale hält den Zuschauer-Weltrekord. Am 16. August 1941 kamen 135.132 Fans in den Juneau Park von Milwaukee. Die Pabst Brewing Company sponsorte die Open-Air-Boxshow und so war der Eintritt frei. Billy Pryor versuchte sich zu wehren, ging mehrmals zu Boden, ehe der Kampf in Runde neun mit seinem K.o. endete. Fünf Kämpfe später, von denen er vier verlor, beendete er seine Karriere. Tony Zale, der "Man of Steel", ging 1942 in die Navy und kehrte nach vier Jahren Boxpause 1946 in den Ring zurück. Seine berühmtesten Kämpfe bestritt er 1946, 1947 und 1948 gegen Rocky Graziano, wobei er zwei der drei Duelle für sich entscheiden konnte.