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Der schnellste K.o. aller Zeiten...
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Der Inbegriff des harten Jungen: James J. Jeffries

...in einem Schwergewichts-WM-Kampf gelang James J. Jeffries am 6. April 1900 gegen Jack Finnegan. sportal.de beleuchtet die Karriere eines außergewöhnlichen Athleten, der - mittlerweile fast vergessen - die Königsklasse des Boxsports um die Jahrhundertwende dominierte.

"Den ersten Schlag landete Finnegan, dann aber brach das Unheil über den Mann aus Pittsburgh herein. Mit einer krachenden Linken ans Kinn schickte Jeffries seinen Gegner auf die Bretter. Kaum hatte er sich wieder aufgerappelt, lag er schwer getroffen erneut am Boden. Diesmal blieb Finnegan länger unten. Sichtlich beeindruckt kam er auf die Beine, nur um gleich einen gewaltigen Schlag in die Magengrube zu kassieren, der ihn wiederum fällte. Zu viel für Finnegan, der - unter Tränen taumelnd - kaum den Weg in seine Ecke schaffte. Der Ringrichter brach das einseitige Gefecht ab. Was für eine Demonstration vom Weltmeister", schrieb der Brooklyn Daily Eagle seinerzeit über den Kampf, der lediglich 55 Sekunden dauerte und bis heute in den Rekordbüchern ganz oben steht.

Ein Mann wie ein Baum

Der hammerharte Punch, den in dieser Form später vielleicht nur noch Rocky Marciano und George Foreman zeigten, war jedoch nur ein Markenzeichen des Mannes, der als James Jackson Jeffries am 15. April 1875 in Carroll, Ohio, das Licht der Welt erblickte. Nachdem die Familie 1891 an die Westküste der USA nach Los Angeles gezogen war, fing er mit dem Boxen an. Gewohnt, als Kesselmacher hart zu arbeiten, verfügte Jeffries mit einer Größe von 1,83 Metern und rund 100 Kilogramm Gewicht über eine gerade zur damaligen Zeit beachtliche Physis.

Zudem war er schnell und athletisch. So legte Jeffries die 100 Yards (91 Meter) in knapp über zehn Sekunden zurück, im Hochsprung überquerte er immerhin 1,80 Meter. Dies waren wichtige Faktoren, weil nicht wenige Kämpfe über 20 Runden oder mehr angesetzt waren und eine gute Konstitution unabdingbar war. Um sich zusätzliches Geld zu verdienen, fing er ab 1896 an, professionelle Kämpfe zu bestreiten und fungierte unter anderem als Sparringspartner des amtierenden Schwergewichts-Champs James J. Corbett.

Die Krönung

Und gerade dabei bewies er eine unglaubliche Ausdauer und Disziplin. Corbett, der bereits diverse Trainingsgegner verschlissen hatte, biss sich an Jeffries, der dessen Schläge scheinbar mühelos wegsteckte, schier die Zähne aus. Und so war der Weg des ehrgeizigen jungen Mannes mit dem großem Kämpferherz vorgezeichnet. Nach neun Siegen (unter anderem gegen die hoch angesehenen Tom Sharkey und Peter Jackson) und zwei Unentschieden erhielt Jeffries am 09. Juni 1899 seine WM-Chance.

Sein Gegner Bob Fitzsimmons war zwar rund 20 Kilo leichter, doch mit einem harten Punch, einer ausgezeichneten Technik und der weit größeren Erfahrung ausgestattet und somit deutlich favorisiert. Doch der boxerisch limitierte Jeffries hielt einmal mehr mit seinem beeindruckenden Körper und seinen Nehmerfähigkeiten dagegen. In Lauerstellung ließ er die Schläge des Champions auf sich einprasseln. Anders als sonst erzielten sie diesmal jedoch kaum Wirkung und als Fitzsimmons zunehmend müde und langsamer wurde, schlug der Herausforderer mit einer harten Linken blitzschnell zu und beendete den Fight in der elften Runde durch K.o.

Ein Wiedersehen

Nach einer mühsamen Titelverteidigung gegen Tom Sharkey, den er durch einen umstrittenen Punktsieg nach 25 Runden niederrang, und dem besagten 55-Sekunden-Kampf gegen Jack Finnegan traf Jeffries am 11. Mai 1900 auf seinen ehemaligen "Lehrmeister" James J. Corbett. Und der Großteil des Fights erinnerte tatsächlich ein wenig an alte Sparringstage. Corbett beherrschte Jeffries nach Belieben und feuerte Schlag um Schlag ab, doch Jeffries demonstrierte einmal mehr sein hartes Kinn und dies sollte sich auszahlen. Am Rande einer Niederlage stehend, entdeckte er in der 23. Runde eine Lücke in der Deckung seines Rivalen und knockte diesen schließlich aus.

Nach drei weiteren erfolgreichen Titelverteidigungen kam es am 25. Juli 1902 zur Revanche gegen Fitzsimmons. Über was für eine einzigartige Athletik Jeffries verfügte, zeigt ein Blick auf seine Kampf-Vorbereitung. So zählten ein 23-Kilometer-Lauf, zweistündiges Seilspringen, Medizinball-Übungen, 20 Minuten Training am Sandsack, Wrestling sowie mindestens zwölf Runden Sparring zu seinem täglichen(!) Trainingspensum.

Im Ring bezog Jeffries jedoch mächtig Prügel. Sein Gesicht glich nach acht Runden einem einzigen Trümmerfeld: Die Nase war gebrochen, die Wangen aufgerissen und die Cuts über den geschwollenen Augen gingen bis auf die Knochen. Doch kurz vor einem unvermeidlichen Kampf-Abbruch landete der angeschlagene Weltmeister einen harten rechten Körpertreffer, gefolgt von einem linken Haken an das Kinn des Herausforderers und führte damit den Knockout herbei. Gerüchte über angeblich mit Gips beschwerte Boxhandschuhe Fitzsimmons' konnten derweil nie bewiesen werden.

Die Geschichte mit dem Hirsch

Wieder einmal hatte Jeffries den Kopf dank seines immensen Willens und der unvergleichlichen Robustheit seines Körpers aus der Schlinge gezogen. Doch nicht nur im Ring präsentierte er sich gnadenlos seinen Gegnern und sich selbst gegenüber. Auch im Privatleben waren ihm körperliche Grenzen scheinbar gänzlich fremd. So ist die Geschichte überliefert, dass der leidenschaftliche Jäger einst einen großen Hirsch erlegte und diesen auf seinen Schultern ganze neun Meilen ohne jegliche Pause zurück zum Lager transportierte. Dabei hatten die Freunde, die ihn begleiteten, sogar noch Mühe, mit ihm Schritt zu halten.

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Nach zwei weiteren Kämpfen, in denen er seinen WM-Titel souverän verteidigte, erklärte Jeffries 1904 ungeschlagen seinen Rücktritt vom Boxsport, da er meinte, keinen ebenbürtigen weißen Gegner mehr zu finden und er sich - wie im Übrigen alle Weltmeister vor ihm - weigerte, gegen einen "Neger" anzutreten. Eine Einstellung, die zu jener Zeit, in der der Rassismus tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelt war, zur Normalität gehörte. Stattdessen widmete er sich lieber dem Farm-Leben und seiner Familie.

The Great White Hope

In der Zwischenzeit hatte sich - sehr zum Unwillen der weißen Bevölkerung - ein gewisser Jack Johnson als erster farbiger Schwergewichts-Boxer überhaupt den WM-Gürtel gesichert. Dieser "Schmach" sollte schleunigst ein Ende gesetzt werden und der einzige, dem man dies zutraute, war Jeffries. Und so köderte Box-Promoter Tex Rickard den "Ruheständler", der eigentlich gar keine Lust auf ein Comeback verspürte, mit der für damalige Verhältnisse aberwitzigen Summe von 158.000 Dollar im Falle einer Niederlage und 668.000 Dollar bei einem Sieg.

Jeffries sagte zu und speckte innerhalb kurzer Zeit von 135 auf rund 105 Kilogramm ab, um in etwa wieder sein altes Kampfgewicht zu erreichen. Das Interesse an dem Fight stellte alles bislang Dagewesene in den Schatten und die Medien taten ihr Übriges dazu. Angeführt vom Journalisten und Schriftsteller Jack London (u.a. "Der Seewolf", "Ruf der Wildnis"), der für den New York Herald über den Kampf berichtete, erklärten sie Jeffries ("Ich komme nur zurück, um zu beweisen, dass ein Weißer besser ist als ein Neger") zur großen weißen Hoffnung, der der "überlegenen Rasse" den Titel zurückgeben und "das goldene Lächeln aus Johnsons Gesicht" entfernen werde. Der Druck auf den zum "Erlöser" deklarierten Ex-Champ war riesengroß.

Jeffries findet seinen Meister

Ein Publikumsliebling oder gar Held der Massen war der bescheidene und bodenständige Familienmensch Jeffries, dem dafür einfach das nötige Charisma fehlte, nie gewesen. Diesmal jedoch stand der weiße Teil der Bevölkerung geschlossen hinter ihm. Die Stimmung vor 16.528 Zuschauern im Stadion in Reno, die sich am 4. Juli 1910, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, zusammengefunden hatten, war aufgeheizt. Immer wieder waren laute "kill that nigger"-Rufe zu hören. Im Ring erwies sich Jeffries aber als chancenlos. Die sechsjährige Pause war dem 35-Jährigen deutlich anzumerken und Johnson spielte seine boxerische Überlegenheit gekonnt aus, indem er auf seinen ausgezeichneten Defensiv-Stil setzte und seinen Rivalen mit Kontern hart zusetzte und zermürbte.

In der 15. des auf 45 Runden angesetzten Fights musste Jeffries gleich dreimal zu Boden. Da er aber von sich aus wahrscheinlich nie freiwillig aufgegeben hätte, schritt seine Ringecke ein und warf das Handtuch. Unmittelbar nach dem Kampf kam es in ganz Amerika zu schweren Ausschreitungen, in deren Folge 14 Menschen zu Tode kamen. Die Rassenunruhen sollten bis zur Ermordung von Martin Luther King Jr. 1968 die schwersten bleiben, die das Land je gesehen hatte.

Der schmerzfreie Gigant

Nach der Niederlage beendete Jeffries, der 1990 in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen wurde, endgültig seine Karriere. In Erinnerung bleibt er als einer der Boxer, dem das ganz große Talent zwar fehlte, dieses Defizit jedoch durch eisernen Willen und eine schier unmenschliche Physis ausglich und nach dem Ende der Bare-Knuckle-Ära (Kämpfe ohne Handschuhe, Anm. d. Red.) das Schwergewichtsboxen dominierte.

Der spätere Weltmeister Gene Tunney brachte es mit den Worten "Jeffries' entscheidende Qualität war seine unglaubliche körperliche Robustheit und seine Ausdauer, man konnte diesem bulligen Giganten ganz einfach kaum Schmerzen zufügen" auf den Punkt. Obwohl mittlerweile fast in Vergessenheit geraten, gehört James J. Jeffries fraglos zu den besten Schwergewichtsboxern aller Zeiten.

Oliver Altgelt

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