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Mike Tyson vs James ''Buster'' Douglas
Mike Tyson vs James ''Buster'' Douglas
Mike Tyson, einer der größten Knockouter aller Zeiten

Er galt als unbesiegbar und seine Gegner fielen im Ring so schnell und vorhersagbar wie reife Früchte von den Bäumen. Doch am 10. Februar 1990 sollte Mike Tyson selbst sein blaues Wunderm erleben. Seine K.o.-Niederlage gegen James "Buster" Douglas erschütterte die Boxwelt in ihren Grundfesten. sportal.de blickt auf eine der größten Sensationen der Sportgeschichte zurück.

Am 22. November 1986 war Tyson durch einen TKO-Sieg gegen Trevor Berbick mit gerade einmal 20 Jahren zum jüngsten Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten avanciert. Danach verteidigte der in der New Yorker Bronx aufgewachsene "Iron" Mike seinen WM-Gürtel neun Mal erfolgreich und baute seine imposante Kampfbilanz auf 37:0 Siege (33 K.o.) aus. Dabei waren so starke Gegner, wie James "Bonecrusher" Smith, Tony Tucker, Larry Holmes, Michael Spinks, Frank Bruno oder Tony Tubbs, denen er nicht den Hauch einer Chance ließ.

Eine Quote, die Bände spricht

Tysons zehntes Opfer sollte nun also der sechs Jahre ältere Douglas werden. Der konnte zwar nicht mit einem beeindruckenden Kampfrekord (29 Siege, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) aufwarten, galt jedoch als durchaus technisch beschlagener, wenngleich trainingsfauler Boxer. Sein Geld auf einen Sieg des Underdogs zu setzen, glich angesichts einer 42:1-Quote einem Himmelfahrtskommando. Ebenso gut hätte man es auch gleich verbrennen können.

So war im Tokyo Dome - Gerüchten zu Folge hatte man das Duell nach Japan verlegt, da die großen Casinos in Las Vegas und Atlantic City aufgrund der erwarteten Kürze und Einseitigkeit des Fights dankend abgewunken hatten - alles angerichtet für ein erneutes "Schlacht"-Fest. Die einzige Frage, die wirklich interessierte, war nicht die nach dem Sieger, sondern: In welcher Runde würde Tyson seinen Kontrahenten diesmal wohl ausknocken? 23 seiner bisherigen 37 Gegner hatten den Gong zur dritten Runde nicht mehr gehört und auch von Douglas wurde eigentlich nicht mehr erwartet.

Douglas überrascht Tyson

Doch im Ring entwickelte sich von Beginn an ein gänzlich unerwartetes Spektakel. Nicht etwa Tyson, nein, Douglas dominierte das Geschehen. Der 14 Zentimeter größere Herausforderer spielte seine enormen Reichweitenvorteile (2,11 Meter gegenüber 1,80 Meter) geschickt aus und hielt sich Tyson insbesondere mit präzise geschlagenen linken Jabs und schnellen rechten Händen vom Leib. Der Champ wiederum fand kaum Mittel, um an Douglas' Körper heranzukommen und seine bekannten Stärken im Infight auszuspielen.

Tyson wirkte mit zunehmender Kampfdauer frustriert und zum ersten Mal wurde deutlich: Wenn für Tyson einmal nicht alles nach Plan lief, entpuppte er sich als eindimensionaler Puncher ohne Konzept, der nicht in der Lage war, seine Strategie zu variieren. Seine ansonsten so gefürchtete Explosivität, das von unten Hineinspringen in den Mann sowie die Aufwärtshaken fehlten fast gänzlich. Erst gegen Ende der vierten Runde kam Tyson einmal entscheidend durch und schüttelte Douglas mit einer krachenden Linken mächtig durch.

Latex-Handschuh statt Kühleisen

Doch das Blatt wendete sich schnell wieder. Douglas setzte die Mehrzahl der Treffer und nicht nur die Experten des übertragenen TV-Senders HBO waren sich darüber einig, dass Tyson noch nie in seiner Karriere so viele harte Schläge hatte einstecken müssen. Wie sehr man den Gegner unterschätzt hatte, zeigte sich auch daran, dass es das Tyson-Lager schlichtweg versäumte, ein Kühleisen mitzubringen, so dass die Ringecke des Weltmeisters improvisieren musste, indem sie Eiswasser in einen Latex-Handschuh füllte, um Tysons inzwischen heftig angeschwollenes linkes Auge zu kühlen.

Auch in der Folgezeit fand Tyson kein Mittel, den beweglichen und weiterhin vor allem mit flinken linken Jabs und tollen Rechten agierenden Douglas in ernsthafte Bedrängnis zu bringen. Allmählich hatten die Zuschauer in der Halle sowie weltweit an den Fernsehschirmen das Gefühl, dass sich tatsächlich eine Sensation ungeahnten Ausmaßes anbahnen könnte. Doch klar war natürlich auch, dass gerade im Schwergewicht ein Lucky Punch ein scheinbar verlorenen geglaubtes Gefecht jederzeit noch herumreißen konnte und für einen solchen war ein Mike Tyson allemal gut.

Douglas fällt um und steht wieder auf

In der achten Runde brachte Douglas den haushohen Favoriten ein ums andere Mal in starke Bedrängnis und bemerkenswert viele Schläge fanden ihren Weg an Tysons Kopf und Körper. Doch gerade als man dachte, Douglas hätte alles im Griff, kam Tyson urplötzlich zurück und schickte seinen Landsmann mit einem satten rechten Uppercut zu Boden. Ringrichter Octavio Meyran zählte Douglas auffallend langsam an, dieser stand jedoch bei neun überraschend wieder auf seinen wackeligen Beinen und wurde vom unmittelbar danach ertönenden Rundengong vor dem vorzeitigen Aus gerettet.

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Pikant: Der offizielle Zeitnehmer, der parallel zu Meyran zählte, war seinem Kollegen zwei Sekunden voraus, was - wäre dieser hauptverantwortlich gewesen - einen Knockout Douglas' zur Folge hätte haben müssen. Eine Situation, die im Nachhinein zu wilden Protesten insbesondere von Tyson-Promoter und -Manager Don King führte, der den Kampf als "No Contest" werten lassen wollte. Der WBC wollte zunächst zustimmen, beugte sich aber schließlich den beiden anderen Box-Verbänden WBA und IBF, die keinen Anlass dazu sahen, nachträglich einzugreifen.

Zu Beginn der neunten Runde wollte Tyson den Kampf unbedingt beenden und stürmte nach vorn, doch Douglas hatte sich unerwartet schnell wieder gefangen und antwortete seinerseits mit wütenden Attacken. Gegen Ende der Runde explodierte der Mann aus Columbus, Ohio, regelrecht, setzte Tyson mit einer sehenswerten Kombination und harten Treffern mächtig zu und nagelte den "baddest man on the planet" in den Ringseilen fest.

Das Ende der Unbesiegbarkeit

Und auch in der zehnten Runde suchten beide die vorzeitige Entscheidung, doch von zwei müden Boxern wirkte Douglas frischer und beweglicher und so nahm Tysons Schicksal schließlich seinen Lauf. Mit einer unglaublichen Kombination aus Jab, rechtem Aufwärtshaken, linkem Haken, rechter Geraden und erneut linkem Haken fällte Douglas den als unbesiegbar geltenden Tyson zum ersten Mal in dessen Laufbahn. Der 23-Jährige war sichtlich benommen, krabbelte auf der verzweifelten Suche nach seinem herausgefallenen Mundschutz hilflos auf dem Ringboden herum. Bilder, die um die Welt gingen und sich ins Gedächtnis eines jeden Box-Fans eingebrannt haben dürften.

Auch diesmal zählte der Ringrichter äußerst langsam, doch Tyson schaffte es nicht mehr, rechtzeitig wieder aufzustehen. Der Mythos des Eisernen war zertrümmert. James "Buster" Douglas hatte das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und Box-Geschichte geschrieben. Nach dem Fight widmete der in Tränen aufgelöste Douglas den Sieg seiner wenige Wochen zuvor verstorbenen Mutter und der renommierte Sportreporter Larry Merchant brachte diesen Abend mit folgenden Worten auf den Punkt: "Die Japaner wollten heute Godzilla sehen, doch als Godzilla entpuppte sich heute die falsche Person".

Die Ringschlacht gegen Tyson war zweifelsohne Douglas' größter Kampf. Den WM-Gürtel verlor er nur acht Monate später in seiner ersten Titelverteidigung gegen den vom Cruiser- ins Schwergewicht aufgerückten Evander Holyfield. Und auch für Tyson spielte Holyfield Schicksal. Nach seiner Niederlage gegen Douglas wurde Tyson 1996 zwar noch einmal Weltmeister, verlor jedoch noch im selben und darauf folgenden Jahr zwei Mal gegen "The Real Deal" und war danach nur noch ein Schatten seiner selbst.

Oliver Altgelt

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