"Down goes Frazier! Down goes Frazier! Down goes Frazier!" Das waren die legendären Worte, die der amerikanische Sportreporter Howard Cosell heute vor exakt 37 Jahren in sein Mikro brüllte. Soeben hatte Underdog George Foreman den amtierenden Schwergewichts-Weltmeister Joe Frazier auf spektakuläre Art und Weise entthront. sportal.de erinnert sich.
Die Kampfbilanz beider Fighter las sich durchaus eindrucksvoll. Während der für seine offensive, kompromisslose Gangart "Smokin' Joe" (Volldampf-Joe) genannte Frazier alle seine 29 Kämpfe gewann (25 davon durch K.o.), setzte sein Herausforderer Foreman sogar noch einen drauf. Bis zu ihrem Aufeinandertreffen am 22. Januar 1973 in Kingston/Jamaika konnte Big George alle 37 Fights für sich entscheiden, ganze 34 davon durch K.o., wobei 27 seiner Gegner lediglich maximal drei Runden überlebten.
Frazier 3:1-Favorit
Dennoch: Der klare Favorit an diesem Abend war Joe Frazier, der den WM-Gürtel 1970 durch einen Sieg gegen Jimmy Ellis eroberte und spätestens seit seinem Triumph ein Jahr später gegen Muhammad Ali als unbestrittener und unschlagbarer Champion galt. Foreman seinerseits konnte zwar seine enorme Punch-Power und den Olympiasieg 1968 in Mexiko City in die Waagschale werfen, viele Experten warfen dem zu diesem Zeitpunkt erst 24-Jährigen jedoch vor, ausschließlich Nobodys geboxt zu haben. Dem erfahreneren Frazier sei er nicht gewachsen und so stieg Foreman als krasser 1:3-Außenseiter in den Ring.
Fast wäre es gar nicht zu diesem Kampf gekommen, da Frazier ursprünglich in einem Rematch gegen Ali antreten wollte. Dieses scheiterte jedoch an Alis überhöhter Gagenforderung, die Frazier nicht gewillt war zu akzeptieren. Nun also durfte Foreman zeigen, dass er mehr mit seinen Fäusten auszurichten vermochte, als Fallobst auszuknocken. Die rund 36.000 Zuschauer im Nationalstadion von Kingston waren wie Millionen weltweit an den Fernsehschirmen gespannt, ob er gegen Frazier eine reelle Chance haben würde.
Bereits beim Stare Down zeigte sich das unerschütterliche Selbstbewusstsein Foremans, der bei 1,92 Meter Körpergröße auf seinen zehn Zentimeter kleineren Gegner geringschätzig hinabblickte. Fraziers Ausdruck in den Augen hingegen schien seinem Kontrahenten sagen zu wollen: "Wie kannst Du es wagen, mich so anzuschauen? Ich werde es Dir heimzahlen!"
Ring frei zur ersten Runde
Beide Fighter kamen siegesgewiss aus ihrer Ecke. Auf der einen Seite Foreman, der seine leichten physischen Vorteile auszuspielen versuchte und seine Schläge aus seiner meist starren, unbeweglichen Haltung heraus an den Mann brachte. Frazier dagegen präsentierte sich gewohnt beweglich mit pendelndem Oberkörper und einer hohen Schlagfrequenz. Vor allem der linke Jab und der gefürchtete linke Haken zuckten immer wieder hervor und fanden vereinzelt ihr Ziel.
Doch sie verpufften wirkungslos und Foreman begann, allmählich die Initiative zu übernehmen. Ausgestattet mit seiner 23 Zentimeter größeren Reichweite dominierte er den Champion und nach knapp zwei Minuten lag dieser bereits überrascht am Boden. Nach zwei linken Wischern hatte Foreman einen krachenden Aufwärtshaken ausgepackt und seinen Gegner unvermittelt ins Reich der Träume geschickt.
Doch Frazier, für seinen Kampfgeist und seine immensen Nehmerqualitäten bekannt, stand sofort wieder auf, wirkte jedoch sichtlich beeindruckt und wurde in der Folgezeit vom furios schlagenden Foreman in die Ringseile gestellt. Die meisten Fäuste konnte der heillos überforderte Frazier zwar noch auspendeln, doch einige - und sie waren allesamt verdammt hart - trafen voll ins Schwarze. So auch der rechte Uppercut, der den Black Panther 17 Sekunden vor Rundenende abermals fällte.
Frazier wie ein Punching Ball
Nur wenige Sekunden später schickte Foreman den derangierten Weltmeister mit einer Rechts-Links-Kombination zum dritten Mal auf die Bretter. Nur der Gong rettete Frazier vor dem vorzeitigen Aus in Runde eins. Der zweite Durchgang begann dort, wo der erste aufgehört hatte. Foreman stellte sich Frazier wie einen Sparringspartner zurecht und zündete ein wahres Schlagfeuerwerk.
Dem war Frazier nicht gewachsen und nach einer harten Rechten lag er wieder am Boden. Schwer atmend rappelte sich Smokin' Joe erneut auf, fing sich in der Folge aber weitere schwere Treffer und sank nach einer krachenden Linken zum fünften Mal in die Waagerechte. Frazier fing sich zwar noch einmal, musste sich jedoch - fast wehrlos in den Ringseilen hängend - von Foreman als Punching Ball missbrauchen lassen und verlor nach einem rechten Aufwärtshaken Foremans erneut den Halt. "Bleib unten, Joe. Du hast genug gehabt", rief Foreman ihm zu.
Frazier rappelte sich abermals auf, Ringrichter Arthur Mercante hatte jedoch genug gesehen und brach das überraschend einseitige Gefecht nach Fraziers insgesamt sechstem Niederschlag nach 1:35 Minuten in Runde zwei ab. Der bis dahin ungeschlagene Champion, dessen geschundene Lippe nach dem Kampf mit acht Stichen genäht werden musste, hatte seinen Meister gefunden.
"George ist wie ein Gummiball. Man trifft ihn, aber er schlägt nur umso härter zurück. Man trifft ihn erneut und wieder kommt die hammerharte Reaktion. Zeitweise habe ich gedacht, das waren unmöglich Foremans Schläge, die Hallendecke muss heruntergekommen sein. Niemand schlägt härter als er", resümierte der entthronte Frazier nach dem Fight.
"Gott hat mir die Intelligenz gegeben und ich wusste, dass ich den Ring als Schwergewichts-Champ verlassen würde. Ich bin überglücklich. Auf diesen Augenblick habe ich hingearbeitet", äußerte sich derweil der freudestrahlende Sieger, der von den begeisterten Massen auf Schultern aus dem Stadion in die Katakomben getragen wurde, nach seiner eindrucksvollen Demonstration. Jamaika hatte eine unglaubliche Ringschlacht erlebt, deren Ausgang so nicht erwartet worden war und die sich ins Gedächtnis eines jeden Box-Fans eingebrannt haben dürfte.