Erdei wagt den Sprung ins Cruisergewicht

Zsolt Erdei will es wissen
Zsolt Erdei wildert in fremden Revieren. Der für den Hamburger Universum-Stall kämpfende Ungar will sich am Samstag in Kiel den Weltmeistertitel im Cruisergewicht nach WBC-Version holen.
Eigentlich ist Erdei WBO-Champion im leichteren Halbschwergewicht, wagt aber einen Ausflug zu den elf Kilo schwereren und zumeist größeren Jungs. Sein Rivale in der Kieler Sparkassen-Arena ist Weltmeister Giacobbe Fragomeni aus Italien. "Das wird aber eine Ausnahme bleiben. Ich werde ins Halbschwergewicht zurückkehren", versichert Erdei, der sein Körpergewicht zwar steigern müsste, das aber nicht will. "Ich will schnell und beweglich bleiben. Das kann ich aber nicht, wenn ich zu viele Kilos draufpacke."
Brähmer als Nutzgießer
Weil er um den Cruisergewichtstitel kämpft, musste Erdei seinen WM-Gürtel im Halbschwergewicht schweren Herzens nach knapp sechsjährigem Besitz abgeben. Das gute Stück wurde vor wenigen Tagen seinem Stallkollegen Jürgen Brähmer zuerkannt, der sich bis dato nur WBO-Interims-Champion hatte nennen dürfen. Um einem Stallduell mit Brähmer aus dem Weg zu gehen, stimmte Erdei dem Abstecher in die nächsthöhere Gewichtsklasse zu.
"Wenn ich ins Halbschwergewicht zurückkehre, muss ich es aber in einem anderen Verband versuchen", erklärt der 35-jährige Ungar den etwas umständlichen Weg, wieder Champion in seinem Lieblingslimit zu werden. Denn seinen WBO-Titel hat ja schon Brähmer. "Das ist ein Experiment", sagt Trainer Fritz Sdunek. "Zsolt ist von der Physis her kein Cruisergewichtler."
"Der ist nicht Boxer, sondern Schläger"
Dass sein Schützling dennoch gerade in diesem Limit den Titel erobern soll, ist eine mutige Entscheidung. Immerhin ist der Italiener als gefährlicher Haudrauf im Ring bekannt. "Da prallen zwei völlig verschiedene Kampfstile aufeinander", beschreibt Erdei den Reiz der Auseinandersetzung.
"Er wird bedingungslos Druck machen und ich muss mit meiner Technik und Schnelligkeit die Antwort geben." Sdunek, ein Freund des technisch geprägten Boxens, warnt vor Fragomeni: "Der ist nicht Boxer, sondern Schläger." Der Italiener hat von 28 Profi-Kämpfen nur einen verloren, und zwar gegen den jetzigen Schwergewichts-Weltmeister David Haye aus Großbritannien.
Tajbert will den WM-Titel
Außerdem stehen in Kiel zwei weitere WM-Kämpfe auf dem Programm. Der Stuttgarter Vitali Tajbert bewirbt sich im Superfedergewicht um den Interimstitel der WBC. Der gebürtige Kasache muss sich mit dem Mexikaner Humberto Mauro Gutierrez auseinandersetzen.
"Ich will unbedingt der erste deutsche Weltmeister im Superfedergewicht werden", sagte der 27 Jahre alte Olympia-Dritte von 2004. Sein Stallkollege Dimitri Sartison aus Hamburg hat es im Duell um die vakante WBA-Krone im Supermittelgewicht mit dem Kroaten Stjepan Bozic zu tun. Der ebenfalls aus Kasachstan stammende Sartison hat in 26 Profi-Kämpfen nur gegen den als Superchampion geführten Dänen Mikkel Kessler verloren.