Am Samstag findet in Nürnberg der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBA statt. Nikolai Valuev trifft auf David Haye. Valuevs Kämpfe sind nicht immer die spannendsten, aber dieser Gegner verspricht ein Spektakel, denn er ist der Heumacher! sportal.de stellt den Briten David Haye vor.
David Haye hat den Kampfnamen The Haymaker, zu Deutsch: der Heumacher. Gemeint ist damit nicht eine etwaige ländliche Herkunft und erworbene Meriten beim Heu einholen auf den elterlichen Wiesen. Nein, David Haye wuchs in London auf, er ist ein "Bermondsey boy", der Vater Jamaikaner, seine Mutter Engländerin.
Haye und der F.C. Millwall
Wer in dem Viertel Bermondsey, südlich der London Bridge, aufwächst, der ist Fan des Fußballclubs Millwall. So auch Haye, der in der Jugend die Spiele im Stadion "The Den" besuchte: "Teddy Sheringham und der große Tony Cascarino im Sturm, dahinter Terry Hurlock, der die Drecksarbeit machte. Es war fantastisch damals", so erzählt Haye von Nostalgie gepackt im Interview mit der britischen Four Four Two.
Aber Bermondsey ist auch eine raue Umgebung. "Ich kämpfe seit ich ein Kind bin, das musst du dort. Ich bin im 18 Stock eines städtischen Mietshauses aufgewachsen, da musst du dich um dich selbst kümmern können", so der Heumacher, dessen Name also nicht von der Herkunft herrührt, denn...
Einige beeindruckende Knockouts pflastern seinen Weg
...der Heumacher ist eine Bezeichnung im Boxsport für eine Art Schwinger. Gemeint ist ein weit ausholender Schlag, der mit der gesamten Kraft des Kämpfers ausgeführt wird, mit dem Ziel den Gegner K.o. zu schlagen. Und einige beeindruckende Knockouts kann David Haye durchaus vorweisen.
Vor allem seine Erfolge im Cruisergewicht gegen Giacobbe Fragomeni (2006), Jean-Marc Mormeck (2007) und Enzo Maccarinelli (2008) veranschaulichen seine enorme Punch-Power. Durch den Sieg durch TKO in Runde sieben gegen Mormeck holte er sich die Weltmeistergürtel der WBA and WBC im Cruisergewicht. Maccarinelli verlor in Runde zwei nach TKO und damit seinen WBO-Weltmeistertitel an Haye.
Der Klitschko-Plan ging auf
Der dreifache Titelträger Haye entschied sich anschließend, einen Gang höher zu schalten und ins Schwergewicht aufzusteigen. Er verzichtete auf seine drei Gürtel, um die ganz Großen der Zunft in der Königsdisziplin des Boxen zu schlagen. Er wollte die Klitschkos im Schwergewicht besiegen. Doch es kam anders: Nach bereits absolvierten Presseterminen zog er sich zunächst aufgrund einer Rückenverletzung, später wegen angeblicher Vertragsstreitigkeiten von diesem Vorhaben zurück.
In Deutschland hatte er damit den Ruf des Großmauls weg, denn er hatte sich vor dem geplanten Kampf mit Wladimir Klitschko als böser Bube inszeniert, ein Schock-T-Shirt auf dem er mit den abgeschlagenen Köpfen der beiden ukrainischen Brüder abgebildet war, getragen. Sein Ziel, sich ins Gespräch zu bringen, und als attraktiver Gegner in Deutschland wahrgenommen zu werden, hatte er damit erreicht.
Eigentlich hatte er alles richtig gemacht, denn in einem Kräftemessen gegen einen der beiden Klitschkos wäre er sicherlich unterlegen. Dafür schaffte er es (bei nur einem Kampf im Schwergewicht), durch sein provokantes Mediengetrommel gleich um die WM boxen zu dürfen. Der "David gegen Goliath-Bout" war finanziell einfach zu attraktiv.
Haye: "Valuev ist der hässlichste Mensch der Welt"
Dass er seinen Gegner alles andere als äußerlich attraktiv fand, machte er in bewährt provokanter Weise in den letzten Tagen deutlich: Trainer Adam Booth ließ den 29-Jährigen beim Pratzentraining auf eine hässliche Halloween-Maske einprügeln. "So haben wir uns auf Valuev vorbereitet", sagte Haye. "Die Maske sieht ihm ziemlich ähnlich."
Wie dem auch sei, sportlich gesehen ist das Schwergewicht mehr oder weniger Neuland für den Briten. Er bestritt in dieser Klasse bisher nur einen Profi-Kampf (TKO in Runde fünf gegen Monte Barrett). Und dass die Limits beim Schwergewicht nach oben hin offen sind, verkörpert Nikolai Valuev auf einzigartige Weise: Er ist 22 Zentimeter größer, 40 Kilogramm schwerer, und seine Reichweite ist um 17 Zentimeter größer als die von Haye. Der Brite versuchte es deshalb unter anderem damit, dass seine Sparringspartner Plateauschuhe trugen, um so den riesigen Größenunterschied zu simulieren.
Hat er Schnelligkeit eingebüßt?
Dass erfolgreiche Crusiergewichtschampions nicht ohne weiteres auch im Schwergewicht auftrumpfen können, zeigte zuletzt der schwache Auftritt von Juan Carlos Gomez gegen Vitali Klitschko, bei dem Gomez durch das zusätzliche Gewicht an Schnelligkeit eingebüßt hatte. Aber der Gegner heißt Valuev und Haye müsste schon von einer plötzlichen Arthritis gelähmt werden, um nicht immer noch deutlich schneller als der klobige Riese Valuev zu sein.
Haye wird versuchen, mit überfallartigen Attacken zu punkten. Neben seiner Schnelligkeit verfügt der Brite auch über die explosiveren Hände. Valuev hingegen wird seinen druckvollen, auf seiner enormen Physis basierenden Stil einbringen. Er punktet normalerweise mit der herausgeschobenen Führhand, mit so genannten plumpen "Wischern". Durch sein Stoßen, Drücken und Punkteschinden hat er es bisher oft geschafft, seine Gegner zu zermürben.
Was muss der Brite tun, um zu siegen?
Für Haye wird es also zum einen darauf ankommen, ob seine Punchpower aus dem Cruisergewicht im Schwergewicht ähnliche Wirkung erzielen kann, zum anderen, ob er überhaupt an Valuev herankommt und sich nicht wie die meisten von Valuevs Gegnern an seiner Masse abarbeitet, auf die Arme schlägt und nach zwölf Runden entkräftet eine knappe Niederlage einstecken muss. Wenn er Ruslan Chagaevs Kampf gegen Valuev studiert hat, sollte dies möglich sein.
Dennoch, es wartet eine riesige Aufgabe auf Haye, will er der dritte britische Boxweltmeister im Schwergewicht der letzten 110 Jahren nach Lennox Lewis und Frank Bruno werden. Dafür muss er allerdings weit mehr einsetzen als seinen rechten Heumacher-Schlag. Denn der Hayemaker triff auf Valuev und damit auf Granit, nicht auf Heu!