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Thrilla in Manila
Thrilla in Manila
Muhammad Ali und Joe Frazier schrieben Box-Geschichte

Heute jährt sich eine der legendärsten, dramatischsten und vor allem brutalsten Ringschlachten, die die Box-Welt je gesehen hat. Vor exakt 34 Jahren, am 01. Oktober 1975, standen sich Muhammad Ali und Joe Frazier auf den Philippinen gegenüber und boten den begeisterten Massen einen Fight der absoluten Extraklasse, der an Intensität kaum zu überbieten war. sportal.de schwelgt in Erinnerungen.

Wir schreiben das Jahr 1967: Ali hatte seinen WM-Gürtel gerade gegen Zora Folley verteidigt. Nur kurze Zeit später wurde ihm dieser jedoch aberkannt, weil er sich weigerte, in die Armee einzutreten, was ihn unweigerlich in den Vietnam-Krieg geführt hätte. Als Konsequenz verlor der damals 25-Jährige die Boxlizenz und durfte zunächst nicht mehr in den Ring steigen. In dieser Zeit riss Frazier den WM-Titel an sich und fortan sollte sich zwischen den beiden Ausnahme-Boxern der 60er- und 70er-Jahre eine erbitterte Rivalität entwickeln.

1:0 für Frazier

Ali erkannte Frazier als neuen Weltmeister nämlich schlicht und einfach nicht an, nannte ihn einen Analphabeten und verspottete diesen, wann immer er konnte, wegen seines Ghetto-Slangs. Irgendwann hatte Frazier genug von dessen verbalen Scharmützeln und bat US-Präsident Richard Nixon darum, Ali doch wieder boxen zu lassen, was dieser schließlich auch tat. Nach zwei Aufbaukämpfen trafen die beiden ungeschlagenen Weltmeister am 08. März 1971 im sogenannten "Kampf des Jahrhunderts" aufeinander, um den unbestrittenen Champion zu ermitteln.

Ali hatte während seiner langen Pause jedoch einiges an Beweglichkeit verloren und unterlag einstimmig nach Punkten. Drei Jahre später standen sich beide Kontrahenten erneut im Ring gegenüber. Diesmal hatte Ali das bessere Ende auf seiner Seite und setzte sich ebenfalls einstimmig nach Punkten durch. Doch das reichte Ali nicht. Er wollte die Scharte der Pleite im ersten Fight endgültig auswetzen und so kam es am 01. Oktober 1975 zum dritten und finalen Showdown.

Schauplatz des Gefechts war das Araneta Coliseum in Quezon City, nahe der philippinischen Hauptstadt Manila. Der Präsident des Inselstaates, Ferdinand Marcos, hatte sich angeboten, das Duell auszurichten, um von den aufkeimenden sozialen Unruhen im eigenen Land abzulenken. Promoter Don King nahm die Offerte - auch Kairo (Ägypten) hatte als Austragungsort zur Wahl gestanden - dankbar an. Während Ali für den Fight, der weltweit im Fernsehen übertragen wurde und für riesiges Medieninteresse sorgte, sechs Millionen Dollar Kampfbörse einstrich, musste sich Frazier mit drei Millionen begnügen.

Duell der Gegensätze

Die Außendarstellung vor dem Kampf hätte unterdessen unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite Ali, der mit seinem rund 80-köpfigen Gefolge (Spötter nannten es den "Ali-Zirkus") anreiste und eine lockere, fröhliche Stimmung verbreitete. "The Greatest", wie er sich selbst ganz unbescheiden nannte, nahm Frazier als Gegner nicht allzu ernst. Ali hielt ihn nach den deutlichen Niederlagen gegen George Foreman zwei Jahre zuvor und ihn selbst im vergangenen Jahr für ausgebrannt und leicht zu schlagen. Dementsprechend bereitete er sich auch nur halbherzig vor und legte ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, das nicht selten die Grenze zur Arroganz durchbrach, an den Tag.

Auf der anderen Seite "Smokin' Joe" (Volldampf-Joe), dessen Team aus lediglich rund 20 Leuten bestand. Der Mann, der in jungen Jahren lange Zeit auf einem Schlachthof gearbeitet und dabei regelmäßig auf Rinderhälften eindroschen hatte, zeigte sich extrem verbissen, hoch konzentriert und dank erbarmungslosen Trainings körperlich bestens vorbereitet. Doch das, was ihn am meisten beschäftigte, war sein grenzenloser Hass auf Ali. So hatte er seinem Rivalen nie verziehen, dass dieser ihn vor ihrem ersten Duell als "Onkel Tom" und "hässlichen, dummen Gorilla", dem jegliche Form von Intelligenz fehle, tituliert habe, und dass er wegen seines angeblich mangelnden Engagements für die schwarze Bürgerrechtsbewegung nur ein "Champion des weißen Mannes" sei.

Vorgeplänkel

Zudem fühlte sich Frazier von Ali betrogen, da er diesen einst bei dessen Kriegsdienstverweigerung unterstützt hatte, ihm half, seine Boxlizenz zurückzuerlangen und ihm sogar finanziell zeitweise unter die Arme griff. Dass die persönlichen Attacken Alis dennoch nicht aufhörten, war Fraziers Meinung nach absolut unverzeihlich. Bei seinen legendären Pressekonferenzen zog Ali bekanntlich über alle seine Gegner her (wobei man bei ihm nie wusste, ob er seine Aussagen wirklich ernst meinte oder aber lediglich den bevorstehenden Kampf promoten wollte), ganz besonders traf es jedoch Frazier, so auch vor dem Kampf in Manila.

Mit scharfer Zunge heizte Ali die eh schon aufgeheizte Stimmung vor dem Duell nochmals an und machte seinen Kontrahenten einmal mehr lächerlich. "It's gonna be a chilla / and a killa / and a thrilla / when i get the gorilla / in Manila", reimte er und fragte die anwesenden Medienvertreter anschließend provozierend: "Dürfen artengeschützte Tiere überhaupt in die Philippinen einreisen?" War Fraziers Hass auf Ali in der Vergangenheit eh schon groß gewesen, so war er nun wahrlich nicht mehr zu steigern. "Ich will ihn verletzen. Ich will ihn nicht ausknocken. Ich will ihm sein Herz herausnehmen", sagte er und versprach, die passende Antwort im Ring geben zu wollen.

Ali marschiert

Rund 25.000 Zuschauer fanden sich im restlos ausverkauften Stadion ein, um das Spektakel mitzuerleben und sie sollten nicht enttäuscht werden. Ali wollte seinen Gegner mit einer für ihn eher ungewöhnlichen Taktik überraschen. Statt auf seine überragende Beinarbeit zu setzen und aus der Distanz seine enorme Schnelligkeit auszuspielen, stürmte er auf den bekanntermaßen langsam startenden Frazier zu und deckte ihn mit Schlag-Kombinationen nur so zu, um den Kampf vorzeitig zu entscheiden.

Insbesondere Alis Führhand traf vermehrt ihr Ziel und so gingen die ersten Runden klar an den amtierenden Weltmeister. Doch zu Alis Erstaunen zeigten die Schläge nicht die erhoffte Wirkung und Frazier - geduldig auf seine Chance lauernd - versuchte immer wieder, in die Nahdistanz zu kommen, um Alis Körper zu bearbeiten. Ali war darüber so frustriert, dass er in der vierten Runde "Du dummer Trottel" in Richtung Frazier schrie.

Frazier kontert

Alis Elan der ersten Runden schwand zusehends, er hatte sich müde geschlagen. Dafür nahm Frazier das Heft mehr und mehr in die eigenen Fäuste und drängte seinen Widersacher in die Ringseile. Berichten zufolge soll Ali Frazier zu Beginn der siebten Runde "Joe, sie haben mir erzählt, dass Du ausgebrannt bist" ins Ohr geflüstert haben, woraufhin dieser "Sie haben gelogen" zurückgeknurrt haben soll.

Die mittleren Runden gehörten Frazier. Ali versuchte, seinen Gegner mit gelegentlichen, blitzartigen Schlagattacken vom Leib zu halten. Diese verpufften jedoch ebenso wirkungslos wie seine spezielle rope-a-dope-Technik (in die Ringseile zurücklehnen und den Gegner sich müde schlagen lassen), mit der er George Foreman im ebenfalls legendären Rumble in the Jungle ein Jahr zuvor in den Wahnsinn getrieben hatte.

Erneute Wende

Frazier ließ in seiner unbändigen Power zunächst nicht nach und hatte Ali am Rande einer Niederlage. Erst in der zehnten Runde verließen den 31-Jährigen die Kräfte und der zwei Jahre ältere Ali konnte das Blatt langsam wenden. In Runde elf vertraute Ali wieder mehr auf seine schnellen Beine und brachte vermehrt Kombinationen ins Ziel. Ab der zwölften Runde war Fraziers linkes Auge fast komplett zugeschwollen, so dass er Alis rechte Hand kaum noch kommen sah und immer wieder stark getroffen wurde.

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Die 13. Runde war gerade eine Minute alt, da verlor Frazier nach einer Kombination Alis seinen Mundschutz, der in hohem Bogen in die Zuschauerränge flog. Der stark angeschlagene Frazier - selbst kaum noch zu eigenen Angriffen fähig - wurde von seinem Gegner nun erbarmungslos durch den Ring getrieben. In der Ringpause wollte Fraziers Coach Eddie Futch den einseitigen Kampf bereits abbrechen, doch sein Schützling bat ihn um weitere drei Minuten.

Frazier bekam sie, aber er konnte kaum noch etwas sehen und stolperte hilflos und fast blind durch den Ring. Doch auch Ali war angesichts von Temperaturen um die 40 Grad und der unerträglich hohen Luftfeuchtigkeit in der nicht klimatisierten Halle - beide Boxer litten an akutem Flüssigkeitsverlust - alles andere als im Vollbesitz seiner Kräfte. Zudem hatte die hohe Intensität des Kampfes enorm viel Substanz gekostet und so reichte Alis nur noch spärlich vorhandene Energie nicht aus, Frazier zu Boden zu schicken.

Futch hat ein Einsehen

Futch fürchtete nun endgültig um Fraziers Gesundheit und stoppte den Fight in der Pause vor der 15. und letzten Runde. Fraziers Protest ("Mach das nicht, ich will ihn, Trainer") beantwortete er mit den eindringlichen Worten: "Es ist aus. Niemand wird jemals vergessen, was Du heute hier vollbracht hast." Ali wurde zum Sieger durch technischen K.o. erklärt und brach schließlich noch im Ring - nachdem er sich noch noch kurz erhoben und hatte feiern lassen - völlig entkräftet zusammen.

Eine weitere Runde hätte wohl keiner der beiden mehr durchgestanden. Ali und Frazier waren bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus gegangen und hatten für eine Sternstunde in der Geschichte des Boxens gesorgt. Auf der anschließenden Pressekonferenz sprach Ali, der seinem Coach Angelo Dundee während des Kampfes offenbart hatte, dass er "dem Tod so nahe wie noch nie" gewesen sei, Frazier ein großes Kompliment aus: "Er ist ein harter und unerbittlicher Kämpfer. Joe Frazier hat das Beste aus mir herausgeholt. Er ist der größte Boxer aller Zeiten - neben mir."

Auf die Frage, wie er sich denn körperlich fühle, antwortete der alte und neue Weltmeister vielsagend: "Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer. Ich bin total müde, jetzt brauche ich mindestens eine Woche Pause." Auch Frazier sprach seinem verhassten Rivalen für dessen boxerische Klasse und Kämpferherz ein dickes Lob aus: "Allmächtiger, was für ein Champion! Ich hab ihn mit Schlägen traktiert, die eine Stadtmauer zum Einsturz gebracht hätten, und er hat sie weggesteckt. Was für ein Kämpfer!" sportal.de schließt sich dieser Meinung an und verneigt sich vor zwei Helden ihrer Zeit.

Oliver Altgelt

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