Manny Pacquiao droht Konkurrenz von seinem Vorgänger
Wer ist der aktuell beste Boxer der Welt? Will man das messen, muss man den Blick über die Gewichtsklassen hinaus wagen. Heraus kommt der Pound-for-Pound-Champion. Derjenige Boxers also, der "pro Pfund" am stärksten ist. Wer könnte dies sein? Vitali Klitschko, Mikkel Kessler oder doch Manny Pacquiao? sportal.de hat die Antwort.
Die Rückkehr des Unbesiegten
Mit Floyd Mayweather Jr. kehrt an diesem Wochenende einer der spektakulärsten Faustkämpfer des letzten Jahrzehnts in den Ring zurück. Ungeschlagen trat er 2007 zurück und verabschiedete sich als unangefochtener Pound-for-Pound-Champion. Seine Rückkehr hat einen personifizierten Grund: Manny Pacquiao!
Der philippinische Volksheld hat ihm die Pound-for-Pound-Krone streitig gemacht. Der "PacMan" schlug zuletzt eine Schneise quer durch die Gewichtsklassen und kein Mensch wagt ihm derzeit den Pound-for-Pound (P4P)-Titel abzusprechen. Kein Mensch, aber ein Floyd Mayweather. Doch bevor dieser es direkt mit Manny aufnehmen kann und es zum Kampf der Besten P4P kommen wird, steht Mayweather Jr. vor seiner Comeback-Aufgabe: Juan Manuel Marquez.
Comeback-Aufgabe: Juan Manuel Marquez
Auch Marquez findet sich in der exklusiven P4P-Rangliste von sportal.de wieder. Er ist keine kleine Nummer und der Kampf an diesem Wochenende wird es in sich haben. Der Sieger ist einen Schritt näher dran, der Beste zu sein. Früher nannte man die Besten „Weltmeister aller Klassen."
Die traditionelle Bezeichnung "Weltmeister aller Klassen", galt einst dem Champion im Schwergewicht, doch diese Einteilung hat längst ausgedient. Hochklassiges Boxen findet man heutzutage viel eher in den leichten und mittleren Limits.
Nicht-Titel-Kämpfe? Es geht um den Pound-for-Pound-Titel
Und hochklassiges Boxen wird heute vermehrt jenseits der Titelkämpfe abgehalten. Showfights von Boxern unterschiedlicher Gewichtsklassen verdienen mehr Geld für die Fernsehsender und bringen mehr Respekt für die schon arrivierten Boxer. Pacquiao, De la Hoya, Mayweather Jr. - sie alle kämpften schon so genannte „Non-Title-Figths."
Doch diese Bezeichnung täuscht. Es geht ja um einen Titel. Die Frage lautet: Wer ist der beste jenseits von Gewichtsklassenlimits. Ausgeschrieben wird also der inoffizielle Titel des Pound-for-Pound-Champions. Inoffiziell, aber doch meist einhellig. Wie derzeit für Manny Pacquiao und vor ihm - ja vielleicht auch demnächst wieder an Floyd Mayweather Jr.
sportal.de P4P-Ranking: Supertechniker, Ringtänzer, und Schlagboliden
Das sportal.de P4P-Ranking ist natürlich subjektiv. Wir geben zu, einer eurozentrischen Sichtweise zu unterliegen. In vielen amerikanischen Einstufungen sind die Namen Klitschko, Kessler und Co. unserer Meinung nach unterrepräsentiert.
Als Kriterien stellten sich uns folgende Fragen: Welche der aktuell besten Boxer haben auch die besten ihrer Zeit geschlagen? Wer weist auch quantitativ eine beeindruckende Kampfbilanz vor? Wer trägt oder trug einen oder mehrere Gürtel und gewann diese sogar in verschiedenen Gewichtsklassen?
Die P4P-Kings sind einzigartige Schläger, ihre Fähigkeiten erreichen die jeweilige Spitze des Leistungsvermögens der Disziplinen. Damit Vorhang auf für die Supertechniker, Ringtänzer und Schlagboliden.
"Sugar"-Shane Mosley hat schon so einige Ringschlachten erlebt. Er schlug Oscar de la Hoya gleich zwei Mal, verlor aber auch gleich zwei Mal gegen Winky Wrigh. Zurück in diese Liste katapultierte ihn der beeindruckende Sieg um den WBA-Titel im Januar diesen Jahres gegen Antonio Margarito. Mosley gewann durch technischen KO in Runde 9. Shane Mosley hat sich auch im Alter von 37 Jahren seine Schnelligkeit und unglaubliche Power bewahrt. Ein Kampf gegen Pacquiao ist in der Zukunft nicht ausgeschlossen, so fern sich Mosley auf ein Limit von 143 Pfund einlassen würde.
Der amtierende WBA Weltmeister Mikkel Kessler ist von sportal.de zum größten Anwärter auf den Titel des Super-Champs der kommenden Super-Six-Turnier-Serie erhoben worden. In Amerika wird Kessler auch der europäischen De La Hoya genannt. Er ist ein sehr dynamischer, schlagstarker Boxer. Der Wikinger räumte nacheinander Manny Siaca, Anthony Mundine, Eric Lucas, Markus Beyer und Librado Andrade aus dem Weg. Kesslers-Kampfbilanz-Makel geht auf eine Niederlage gegen den absoluten Champion des Super-Mittelgewichts zurück. Er verlor 2007 gegen Joe Calzaghe in einem intensiven Kampf zweier Boxer mit enormer Schlagfrequenz. Danach konnte er Dimitri Sartison, Danilo Haussler und zuletzt Gusmyr Perdomo klar besiegen und somit ist der Däne derzeit das Maß aller Dinge im Supermittelgewicht.
Wladimir Klitschko hat Licht und Schatten in seiner Vita. Er verlor überraschend gegen Lamon Brewster und Corrie Sanders. Größer jedoch als der Schatten wirkt das Licht seiner Kampfbilanz. Wladimir schlug zweimal Chris Byrd (2000, 2006). Dazu die bis dahin unbesiegten Samuel Peter und Calvin Brock. Er holte sich den Titel von Sultan Ibragimow, besiegte Hasim Rahman und zuletzt in beeindruckender Manier Ruslan Chagaev. Wladimir darf den wohl besten Jab seiner Zunft sein Eigen nennen. Er hat zwar nicht die gleiche Punch-Stärke wie sein Bruder und bei weitem nicht das Kinn, aber er ist der bessere Techniker und er gehört definitiv in diese Liste.
7. Paul Williams Nationalität: USA Kampfbilanz: 37-1-0 (27 KOs) Gewichtsklasse: Weltergewicht, Halbmittelgewicht, Mittelgewicht
Der "Punisher" Paul Williams ist ein Parade-Beispiel für einen P4P-Boxer. In den letzten 14 Monaten strich er vier Siege in vier Kämpfen ein, davon drei KOs und das ganze in drei unterschiedlichen Gewichtsklassen. Seine bisher einzige Niederlage gegen Carlos Quintana konnte er im direkten Re-Match durch einen erstaunlichen Erstrunden-KO wieder ausmerzen. Danach schlug er Winky Wright, der immerhin zwei Siege über Shane Mosley in seinem Kampfrekord hat. Demnächst kämpft er gegen den starken Kelly Pavlik, danach könnte es auch heißen: Pavlik rein, Wiliams raus aus der sportal-P4P-Top-Ten. Wir sind gespannt.
6. Miguel Cotto Nationalität: Puerto Rico Kampfbilanz: 34-1-0 (27 KOs) Gewichtsklasse: Weltergewicht Titel: WBO
Cotto konnte 2006 gegen seinen ebenfalls ungeschlagenen Landsmann Carlos Quintana gewinnen und zur Weltspitze aufschließen. Im Oktober 2007 kämpfte er gegen Shane Mosley, den er nach einer einstimmigen Punktentscheidung bezwingen konnte. Cotto hat bisher nur gegen Antonio Margarito verloren, bei dem im Nachhinein festgestellt wurde, dass er Gips in den Handschuhen hatte. Er tritt am 14. November 2009 gegen Manny Pacquiao zum Kampf um die P4P-Krone an.
"Dr. Eisenfaust" ist ein knallharter Puncher. Er gilt als Knock-out-Garant. Der Ukrainer gilt zurzeit als der beste Puncher im Schwergewicht. Selbst sein Jab erzielt beim Gegner einige Wirkung. Vitali Klitschkos bisherigen Niederlagen gegen Lennox Lewis und Chris Byrd resultierten aus Verletzungen. Klitschko war Weltmeister im Schwergewicht nach WBO-Version und ist derzeit Titelträger nach WBC-Version. Im Gegensatz zu seinem Bruder Wladimir gilt Vitali als Boxer mit Nehmerqualitäten. Der Ukrainer ging noch nie in seiner Profi-Karriere K.O. Für Aufsehen sorgte Klitschko vor allem, als er im Kampf gegen Lennox Lewis einige schwere Treffer wegsteckte, bevor der Kampf wegen seines Cuts am Auge abgebrochen werden musste. Auch gegen die schlagstarken Corrie Sanders und Danny Williams wackelte er kurz, fiel aber nie. Der Beweis, dass auch ein Vitali Klitschko K.O. zu schlagen ist, steht also noch aus. Deshalb liegt er bei uns vor seinem Bruder Wladimir.
4. Bernard Hopkins Nationalität: USA Kampfbilanz: 49-5-1 (32 KOs) Gewichtsklasse: Mittelgewicht
Bernard Hopkins ist in vielerlei Hinsicht ein Phänomen. Der Mittelgewichtler sprengte in seiner Karriere so einige Rekorde. Mit insgesamt 20 Titelverteidigungen ist er absoluter Rekordhalter in dieser Gewichtsklasse. Zehn Jahre hielt er den Gürtel der IBF und ist auch in dieser Beziehung Rekordhalter. "The Executioner" schaffte es als einziger Mittelgewichtler aller Zeiten alle Gürtel der großen Verbände nacheinander zu vereinen. So holte er 2001 die Gürtel der WBA und WBC von Keith Holmes und Felix Trinidad, bevor er in einem seiner größten Kämpfe gegen Oscar de la Hoya 2004 im MGM Grand in Las Vegas das Quadrupel perfekt machte. 2005 verlor er gegen Jermain Taylor gleich zwei Mal hintereinander, gewann aber zuletzt sensationell gegen Kelly Pavlik. Hätte er nicht so viele Niederlagen in seinem Kampfrekord, wäre eine bessere Platzierung für die Legende Hopkins gerechtfertigt.
3. Floyd Mayweather Jr. Nationalität: USA Kampfbilanz: 39-0-0 (25 KOs) Gewichtsklasse: Federgewicht, Leichtgewicht, Weltergewicht
Mayweather ist blitzschnell, sehr geschickt und einer der intelligentesten Defensiv-Boxer, die es je gab. Er schlug seinerzeit De La Hoya, Hatton, Castillo, Corrales, um nur Einige zu nennen. Wie schon angedeutet, muss er jetzt nach 18 Monaten Pause erst einmal Marquez schlagen, bevor er den zweiten Platz in dieser Liste verdient hat. Dann kann es zum großen Showdown mit Manny Pacquaio kommen. Und vielleicht holt sich der "Pretty Boy" die P4P-Krone dann zurück.
2. Juan Manuel Marquez Nationalität: Mexiko Kampfbilanz: 50-4-1 (37 KOs) Gewichtsklasse: Federgewicht, Leichtgewicht Aktuelle Titel: WBA, WBO
Marquez dominiert aktuell das Leichtgewicht. Zuvor schlug er sich erfolgreich durch das Feder- und Superfedergewicht. So konnte er seinerzeit die Gürtel der WBA, WBC, IBF und WBO (Federgewicht) sein Eigen nennen. Er nahm es schon zwei Mal mit Manny Pacquiao auf. Obwohl er keinen der beiden Kämpfe gewann (ein Unentschieden, eine knappe Niederlage), zeigte er in diesen Begegnungen seine ganze Klasse. Zuletzt glänzte er mit zwei KO-Siegen gegen die zuvor unbesiegten Joel Casamayor und Juan Diaz. Für den Kampf gegen Mayweather sollten zwei Dinge feststehen: Gewinnt Marquez, ist sein zweiter Platz in dieser Liste zementiert und der Spruch: „Size doesn't matter" trifft wieder einmal zu (Marquez ist drei Zentimeter kleiner und normalerweise acht Kilo leichter als Mayweather).
Der "PacMan" schaffte es, Weltmeister in vier Gewichtsklassen zu werden. Er gewann im März 2008 den Super Federgewichtstitel der WBC gegen Juan Manuel Marquez. Statt diesen Titel zu verteidigen, stieg er lieber eine Gewichtsklasse auf und gewann gegen David Diaz den WBC-Titel im Leichtgewicht. Spätestens seit er im "Dreamfight" im Dezember 2008 Oscar de la Hoya besiegen konnte, braucht der philippinische Volksheld keinen offiziellen Titel mehr, um sich als bester Boxer der Welt zu fühlen und von Fans und Experten als solcher anerkannt zu werden. Zuletzt besiegte er Rick Hatton sensationell durch KO in Runde zwei.
Auf den Plätzen: Kelly Pavlik, Arthur Abraham, Nonito Donaire, Tomas Adamek, Israel Vazquez, Juan Manuel Lopez, Chad Dawson.