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Top Ten der besten Schwergewichtler
Top Ten der besten Schwergewichtler
Muhammad Ali löste in den USA einen Box-Boom aus

Eine Top Ten-Liste zu erstellen, ist nie ein leichtes Unterfangen und bei allem Ansporn, den Leistungen dieser großartigen Kämpfer vollauf gerecht zu werden und ausschließlich sportliche Kriterien anzusetzen, bleibt sie doch immer auch ein wenig subjektiv. Wir haben uns gefragt: Was haben unsere potenziellen Kandidaten in ihrer Karriere geleistet, inwieweit haben sie ihre Ära dominiert und wie würden sie sich schlagen, wenn sie alle zur selben Zeit aktiv gewesen wären. sportal.de hat das Experiment gewagt und sich für die folgenden zehn Fighter entschieden.

Platz 10: Evander Holyfield (geb. 19.10.1962)
Kämpfe: 54 / Siege: 42 (27 K.o.) / Niederlagen: 10 (2 K.o.) / Unentschieden: 2 / Runden im Ring: 422 / Kampfname: The Real Deal

Der Amerikaner startete seine eindrucksvolle Karriere zunächst im Cruisergewicht, ehe er 1988 ins Schwergewicht wechselte. Am 25.10.1990 gewann er durch einen K.o.-Sieg gegen James "Buster" Douglas, der zuvor Mike Tyson sensationell entthront hatte, alle drei damals wichtigen WM-Titel. Nach erfolgreichen Titelverteidigungen gegen die in die Jahre gekommenen George Foreman und Larry Holmes verlor Holyfield 1992 gegen seinen Landsmann Riddick Bowe, woraufhin er zurücktrat.

Dennoch kehrte er nach nur kurzer Zeit in den Ring zurück und holte sich den WM-Gürtel gegen Bowe ein Jahr später zurück. Nach einem diagnostizierten angeborenen Herzfehler, der zunächst das Karriereende zu besiegeln schien, kam es am 09.11.1996 zum langersehnten Kampf zwischen Holyfield und Tyson, der als klarer 25:1-Favorit in den Ring stieg und den 47 von 48 Journalisten in einer Umfrage des "Las Vegas Review Journal" im Vorteil sahen. Doch Holyfield überraschte seinen Kontrahenten mit einer taktischen Meisterleistung und gewann sensationell durch TKO in Runde elf.

Der Rückkampf am 28.06.1997 ging dann in die Box-Geschichte ein. Nachdem er erneut kein Mittel gegen Holyfields Boxstil fand, biss Tyson seinem Gegner in der dritten kurzerhand ein Stück des rechten Ohres ab und wurde daraufhin disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt. 1999 verlor Holyfield seine WM-Titel gegen den Briten Lennox Lewis, um ein Jahr später durch einen Sieg gegen John Ruiz den vakanten WBA-Gürtel zu erringen. Damit gelang Holyfield das Kunststück, zum ersten Mal in der Geschichte des Schwergewichts vier Mal Weltmeister zu werden.

Platz 9: Sonny Liston (08.05.1932 - 30.12.1970)
Kämpfe: 54 / Siege: 50 (39 K.o.) / Niederlagen: 4 (3 K.o.) / Runden im Ring: 269

Als Sohn eines kleinen Baumwollfarmers hatte Sonny Liston eine schwere Kindheit: "Ich hatte als Kind nichts außer einer Menge Brüder und Schwestern. Meine Mutter war total überfordert und mein Vater hat uns ständig verprügelt. Wir wuchsen in Armut auf, hatten kaum Kleidung, keine Schuhe und nur wenig zu essen." Bereits als Jugendlicher musste Liston aufgrund eines Überfalles auf eine Tankstelle eine mehrjährige Haftstrafe absitzen. Nur dank seines großen boxerischen Talents konnte er einer komplett kriminellen Laufbahn entgehen, kam jedoch immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt.

Aufgrund seiner ungeheuren Aggressivität und Schlägstärke sollte Liston später als einer der härtesten Puncher in die Box-Geschichte eingehen. 1953 wurde er Profi und gewann die meisten seiner Kämpfe durch kurzrundige K.o.-Siege. Am 25.09.1962 holte sich Liston gegen Floyd Patterson den WM-Gürtel durch K.o. in der ersten Runde. Dasselbe Kunststück gelang ihm auch im Rückkampf ein Jahr später. Am 25.02.1964 trat er gegen den jungen Cassius Clay an, musste den Kampf (wurde vom renommierten Ring Magazine zum Fight of the Year 1964 gewählt) jedoch nach der sechsten Runde erschöpft aufgeben. Auch im Rückkampf im folgenden Jahr (Clay hatte sich inzwischen in Muhammad Ali umbenannt) war Liston chancenlos, wurde bereits in Runde eins durch den legendären "Phantomschlag" Alis spektakulär ausgeknockt.

So unbestritten seine boxerische Klasse war, so schlecht war sein Image in der Öffentlichkeit. Neben Jack Johnson zählte Liston zu den unbeliebtesten Boxern des 20. Jahrhunderts, was sicherlich auch daran lag, dass er nicht bereit war, dem überwiegend weißen Publikum im rassistisch geprägten Amerika Konzessionen zu machen. Doch auch das schwarze Amerika mochte sich mit dem grimmigen, wortkargen und kriminell angehauchten Liston nicht so recht anfreunden.

Platz 8: Larry Holmes (geb. 03.11.1949)
Kämpfe: 75 / Siege: 69 (44 K.o.) / Niederlagen: 6 (1 K.o.) / Runden im Ring: 582 / Kampfname: The Easton Assassin

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Stimmen zum Spiel: 1/3
Inka Grings: "Das tat sicherlich gut. Wir hatten es nicht einfach. Es war ein richtig toller Abend für uns."
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Zu Beginn seiner Boxkarriere Anfang der 70er war Holmes unter anderem Sparringspartner des großen Muhammad Ali. Ein erstes Ausrufezeichen setzte der Easton Assassin 1978 gegen Earnie Shavers, den er zwölf Runden lang dominierte und sich dadurch wenige Monate später einen WM-Kampf gegen Ken Norton verdiente. Diesen wiederum gewann Holmes nur denkbar knapp und aufgrund einer fulminanten Schlussrunde, die nach Meinung vieler Experten als eine der besten in der Geschichte des Boxsports angesehen wird.

In der Folgezeit verteidigte Holmes seinen WM-Titel ganze 20 Mal (nur Joe Louis war mit 25 Titelverteidigungen erfolgreicher) und boxte unter anderem gegen so renommierte Gegner wie Tim Witherspoon, Shavers, James Bonecrusher Smith, Leon Spinks, Gerry Cooney und Mike Weaver. Am 02.10.1980 trat Holmes gegen seinen Freund Muhammad Ali in den Ring und brachte diesem die einzige K.o.-Niederlage (TKO) seiner Karriere bei.

Am 21.09.1985 endete Holmes' Regentschaft, als er sich Michael Spinks über 15 Runden geschlagen geben musste. Nachdem er auch den Rückkampf ein Jahr später verlor, beendete er vorübergehend seine Karriere, kehrte jedoch 1988 in den Ring zurück, um gegen den ungeschlagenen Mike Tyson anzutreten. Dieser besiegte seinen Herausforderer durch TKO in Runde vier und brachte diesem die erste und einzige K.o.-Niederlage seiner Karriere bei.

Platz 7: Jack Dempsey (24.06.1895 - 31.05.1983)
Kämpfe: 83 / Siege: 66 (51 K.o.) / Niederlagen: 6 (1 K.o.) / Unentschieden: 11 / Runden im Ring: 354 / Kampfname: Manassa Mauler

Als Sohn einer Engländerin und eines Iren wuchs Dempsey in Armut auf und verließ bereits als 16-Jähriger das Elternhaus. Mit einem großen boxerischen Talent gesegnet schlug er sich fortan unter dem Pseudonym "Kid Blackie" als Gelegenheitskämpfer durchs Leben, indem er vorwiegend in Saloons mit den Worten "Ich kann nicht singen, ich kann nicht tanzen, aber ich kann jeden hier im Raum zu Boden schicken" zum Duell aufrief. Seinen ersten Profikampf, der unentschieden endete, bestritt Dempsey 1914 gegen Young Herman.

Dempsey zeichnete vor allem seine immense Schlagkraft aus. Zudem verfügte er über eine Schnelligkeit und Wildheit in seinen Aktionen, die ihresgleichen suchte. Den Weltmeister-Titel errang er am 04.07.1919 gegen Jess Willard, den er bereits in Runde eins sieben Mal(!) auf die Bretter schickte. Zur vierten Runde trat dieser dann nicht mehr an. Zwei Jahre später besiegte Dempsey den Franzosen Georges Carpentier vor über 80.000 Zuschauern in New Jersey durch K.o. In der vierten Runde. Dieser Fight war gleich in zweierlei Hinsicht rekordverdächtig: Zum einen spielte er als erster Boxkampf in der Geschichte dieses Sports über eine Million Dollar an Eintrittsgeldern ein, zum anderen wurde zum ersten Mal ein WM-Kampf live im Radio übertragen.

Auch Dempseys letzte erfolgreiche Titelverteidigung gegen den Argentinier Luis Angel Firpo sorgte für riesiges Interesse. Erneut fanden sich über 80.000 Zuschauer in New York ein, tausende von Fans in Buenos Aires, wohin der Kampf live per Radio übertragen wurde, fieberten mit. Nach änfanglichen Schwierigkeiten (Dempsey fiel nach einem Niederschlag durch die Ringseile hindurch auf die Schreibmaschine eines Reporters) gewann Dempsey durch K.o. in der zweiten Runde. Am 23.09.1926 endete die Ära des Manassa Mauler. Gegen Gene Tunney musste er sich vor 120.557 Zuschauern in Philadelphia nach zehn Runden nach Punkten geschlagen geben. Der Kampf ging als "The long Count" in die Geschichte des Boxsports ein.

Platz 6: Joe Frazier (geb. 12.01.1944)
Kämpfe: 37 / Siege: 32 (27 K.o.) / Niederlagen: 4 (3 K.o.) / Unentschieden: 1 / Runden im Ring: 214 / Kampfname: Smokin' Joe

1964 wurde der mit elf Geschwistern aufgewachsene Frazier Olympiasieger im Schwergewicht. Am 04.03.1968 sorgte er dann auch als Profi für Furore, als er sich durch einen TKO-Sieg in Runde elf gegen Buster Mathis Jr. den Gürtel der New York State Athletic Commission (Vorläufer des WBC-Verbandes) holte und diesen Titel in der Folge vier Mal verteidigte. 1970 besiegte er Jimmy Ellis und war damit Titelträger der WBC und WBA. So richtig berühmt werden sollte Frazier jedoch erst durch seinen nächsten Fight und dieser brachte ihn mit dem legendären Muhammad Ali zusammen.

Beide trafen am 08.03.1971 das erste Mal aufeinander. Es war zugleich das Duell zweier unterschiedlicher Boxstile: Auf der einen Seite der unbewegliche, aber ungemein kraftvolle Frazier, auf der anderen Seite der wendige, technisch versierte Ali. Frazier setzte sich nach 15 Runden einstimming nach Punkten durch und brachte Ali die bis dahin erste Niederlage seiner Karriere bei. Der hochklassige und spektakuläre Fight gilt noch heute als Kampf des Jahrhunderts und Klassiker im Schwergewichtsboxen. Zwei Jahre später musste Frazier gegen George Foreman eine bittere Niederlage einstecken, als er nach insgesamt sechs Niederschlägen in Runde zwei technisch K.o. ging.

Auch im zweiten Kampf gegen Ali 1974 war Frazier das Glück nicht beschieden, er verlor einstimmig nach Punkten. Spektakulär wurde es wiederum am 01.10.1975. Frazier traf zum dritten Mal auf Ali und dieser gewann den als "Thrilla in Manila" zur Legende gewordenen Kampf durch TKO nach 14 Runden. Beide Boxer waren nach einer gnadenlosen und überharten Ringschlacht am Ende ihrer Leistungsfähigkeit, der Sieger Ali brach sogar noch im Ring zusammen. Insgesamt wurde Frazier vom Ring Magazine während seiner Karriere insgesamt drei Mal zum Boxer des Jahres gewählt.

Platz 5: George Foreman (geb. 10.01.1949)
Kämpfe: 81 / Siege: 76 (68 K.o.) / Niederlagen: 5 (1 K.o.) / Runden im Ring: 350 / Kampfname: Big George

Der Mann mit der sagenhaften K.o.-Quote von 83,95 Prozent holte bereits als 19-Jähriger bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko die Goldmedaille im Schwergewicht und bestritt ein Jahr später seinen ersten Profikampf. Aufgrund seiner ungeheuren Schlagstärke galt Foreman schon nach kurzer Zeit als nahezu unbezwingbarer Kämpfer. Seinen ersten ganz großen Auftritt hatte Big George am 22.01.1973. In Kingston, Jamaika, wartete kein Geringerer als der als unbesiegbar geltende Weltmeister Joe Frazier, und so war Foreman folglich klarer Außenseiter.

Frazier, der nicht voll austrainiert war und seinen Gegner offensichtlich unterschätzte, ging bereits nach zwei Runden K.o. und musste zugleich die erste Niederlage seiner Laufbahn hinnehmen. Nach zwei erfolgreichen Titelverteidigungen ging es für Foreman am 30.10.1974 gegen Muhammad Ali. Diesmal war er haushoher Favorit, doch Ali fand im als "Rumble in the Jungle" vermarketeten Kampf im afrikanischen Zaire eine geniale Strategie, ließ Foreman zunächst kommen, um ihn in Runde acht gnadenlos auszuknocken. Es sollte das einzige Mal in Foremans Karriere bleiben.

Foreman war nach der Niederlage so geschockt, dass er in der Folge fast nur noch Schaukämpfe austrug. Nach einer erneuten Niederlage gegen Jimmy Young, beendete er 1977 im Alter von nur 28 Jahren seine Karriere, wurde Pfarrer und engagierte sich für ein von ihm ins Leben gerufenes Waisenhaus. Aus finanziellen Gründen startete er 1987 ein Comeback. Nach unzähligen K.o.-Siegen (auch zwei Niederlagen gegen Evander Holyfield und Tommy Morrison waren dabei) wurde er am 05.11.1994 durch einen K.o.-Sieg gegen Michael Moorer im stolzen Alter von 45 Jahren zum ältesten Schwergewichts-Champ aller Zeiten. Zudem lag mit zwanzig Jahren die längste Zeitspanne zwischen dem Verlust und der Wiedererlangung des Weltmeistertitels. Drei Jahre später beendete er seine Karriere dann endgültig.

EINZELKRITIK
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Platz 4: Rocky Marciano (01.09.1923 - 31.08.1969)
Kämpfe: 49 / Siege: 49 (43 K.o.) / Runden im Ring: 241 / Kampfname: The Brockton Blockbuster

Marciano, dessen Eltern aus Italien in die USA eingewandert waren, hatte zunächst mit dem Boxen nicht viel am Hut, wollte lieber eine Karriere als Catcher beim Baseball einschlagen. Angetrieben durch seinen Onkel entdeckte er bei der US Army allerdings den Faustkampf für sich und debütierte 1947 im Profi-Boxsport. Beeindruckend ist der Fakt, dass der Italo-Amerikaner seine ersten 16 Kämpfe allesamt durch K.o. gewann, in seinen ersten 22 Fights lediglich 62 Runden im Ring stand, was für seine vernichtende Schlagkraft sprach. Für Furore sorgte er 1951, als er den legendären, aber in die Jahre gekommenen Joe Louis in der achten Runde K.o. schlug und damit dessen großartige Karriere beendete.

Am 23.09.1952 erhielt Marciano dann endlich die langersehnte WM-Chance. Und fast wäre es schief gegangen, denn der zehn Jahre jüngere Herausforderer ging gegen Jersey Joe Walcott bereits in der ersten Runde zu Boden und lag auf den Punktrichterzetteln nach zwölf Runden deutlich zurück. Doch dann rettete dem Brockton Blockbuster eine krachende Rechte in der 13. Runde den Sieg im vom Ring Magazine zum Kampf des Jahres gewählten Fight. Den Rückkampf im folgenden Jahr beendete Marciano dann bereits in der ersten Runde. Danach feierte er noch fünf erfolgreiche Titelverteidigungen, ehe er nach seinem letzten Kampf gegen Archie Moore am 21.09.1955 die Handschuhe endgültig an den Nagel hängte.

Damit ist Marciano bis heute der einzige Schwergewichtsboxer, der in seiner gesamten Karriere ungeschlagen blieb. Einzigartig waren sein enormer Kampfgeist, seine Schlagkraft und auch seine Nehmerqualitäten. Zudem hatte er aufgrund seiner geringen Körpergröße von lediglich 1,80 Meter seine Haltung so perfektioniert, dass er in Kauerstellung nur sehr schwer zu treffen war. Am 31. August 1969 verstarb Rocky Marciano bei einem Flugzeugabsturz.

Platz 3: Jack Johnson (31.03.1878 - 10.06.1946)
Kämpfe: 104 / Siege: 72 (39 K.o.) / Niederlagen: 13 (7 K.o.) / Unentschieden: 9 / Runden im Ring: 882 / Kampfname: Galveston Giant

Er war der erste schwarze Weltmeister im Schwergewicht und für den "Boxpapst" Nat Fleischer schlicht der beste Schwergewichtler in der Geschichte des Boxsports. Aufgewachswen in ärmlichen Verhältnissen gab der Sohn eines ehemaligen afroamerikanischen Sklaven nach einer Amateurkarriere 1897 sein Profidebüt. Nach zahlreichen Siegen erhielt er am 26.12.1908 einen Titelkampf gegen den kanadischen Weltmeister Tommy Burns, den er im australischen Sydney überraschend besiegte. Skandalös war, dass der Kampf nach der 14. Runde von der Polizei abgebrochen wurde, um zu verhindern, dass ein Schwarzer einen Weißen K.o. schlägt. Fortan musste Johnson seinen WM-Gürtel nicht nur gegen sportliche Gegner, sondern auch gegen die rassistische Stimmung im weißen Amerika verteidigen.

Promoter ließen ihre besten Fighter gleich reihenweise gegen den als "Nigger" verunglimpften Champion antreten, um wieder für "geordnete Verhältnisse" zu sorgen, doch diese bissen sich am technisch überlegenen Johnson die Zähne aus. Als problematisch erwiesen sich auch Johnsons Beziehungen zu weißen Frauen, was zur damaligen Zeit verboten war und woraufhin er juristisch verfolgt wurde und vorübergehend sogar die USA verlassen musste. Aus finanzieller Not heraus war der in die Jahre gekommene Galveston Giant gezwungen, weitere Kämpfe zu bestreiten, die er auch allesamt gewann.

Weiterführende Links:

Am 05.04.1915 traf Johnson im kubanischen Havana auf Jess Willard, gegen den er sich in der 26. Runde durch K.o. geschlagen geben musste. Allerdings erneut unter skandalösen Umständen: So wurde der mittlerweile 37-Jährige direkt am Ring offenbar von Rassenfanatikern mit Pistolen bedroht und auch die Möglichkeit einer Manipulation des Kampfausganges machte die Runde, was jedoch nie bewiesen werden konnte. 1920 kehrte Johnson in die USA zurück und setzte seine Karriere nach einer achtmonatigen Haftstrafe fort, ehe er sich 1928 endgültig aus dem Boxsport zurückzog. Der amerikanische Regisseur und Produzent Ken Burns erklärte in einem Dokumentarfilm über Johnson: "Mehr als 13 Jahre lang war Jack Johnson der berühmteste Afro-Amerikaner auf der Welt." Am 10. Juni 1946 starb er bei einem Autounfall.

Platz 2: Joe Louis (13.05.1914 - 12.04.1981)
Kämpfe: 68 / Siege: 65 (51 K.o.) / Niederlagen: 3 (2 K.o.) / Runden im Ring: 417 / Kampfname: Brown Bomber

Als siebtes von acht Kindern erblickte Joseph Louis Barrow auf einer Baumwollplantage in Alabama das Licht der Welt, wo er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Nach dem Umzug der Familie nach Detroit fing er schnell mit dem Boxen an und wurde während seiner Amateurkarriere 1934 US-Meister im Halbschwergewicht. 1934 gab er gegen Jack Kracken sein Profidebüt und blieb in 23 Kämpfen, von denen er die meisten aufgrund seiner immensen Schlagkraft durch K.o. gewann, unbesiegt. Am 19.06.1936 erlitt Louis im WM-Ausscheidungskampf gegen Max Schmeling seine erste Niederlage, als er in der zwölften Runde sensationell K.o. ging.

Doch der braune Bomber erholte sich schnell von diesem unerwarteten Rückschlag und wurde am 22.06.1937 durch einen K.o.-Sieg in der achten Runde gegen Jim Braddock zum bis dahin jüngsten Weltmeister im Schwergewicht aller Zeiten. Im darauf folgenden Jahr tilgte er die Schmach der Schmeling-Niederlage und knockte diesen bereits in der ersten Runde aus. Zwischen 1937 und 1948 verteidigte Louis seinen WM-Titel insgesamt 25 Mal und war fast zwölf Jahre lang Weltmeister, was bis heute unerreicht ist. Während des zweiten Weltkriegs setzte er seine Kraft und Popularität für die US Army ein, die er moralisch und finanziell unterstützte.

Nach Niederlagen gegen Ezzard Charles (1950) und Rocky Marciano (1951) beendete er 1951 seine Karriere. Von Louis, der vom World Boxing Council (WBC) als "Boxer des Jahrhunderts" geehrt wurde, und in den darauf folgenden Jahren eine besondere Freundschaft zu seinem einstigen Widersacher Max Schmeling pflegte, stammen auch zwei der legendärsten Boxzitate ("He can run, but he can't hide" und "Everyone has a plan until they've been hit"). Der große Muhammad Ali huldigte seinem Idol mit den Worten: "Er war definitiv einer der größten Boxer aller Zeiten, für mich ein leuchtendes Vorbild und eine Inspiration für die schwarze Rasse."

Platz 1: Muhammad Ali (geb. 17.01.1942)
Kämpfe: 61 / Siege: 56 (37 K.o.) / Niederlagen: 5 (1 K.o.) / Runden im Ring: 550 / Kampfname: The Greatest

Cassius Marcellus Clay Jr. wuchs in Louisville/Kentucky in ärmlichen Verhältnissen auf. Aus Wut über den Diebstahl seines Fahrrades begann er bereits mit zwölf Jahren mit dem Boxen. Schon früh war das außergewöhnliche Talent Clays zu erkennen. Ausgestattet mit hervorragenden Reflexen beeindruckte Clay insbesondere durch seinen ungewöhnlichen Stil, indem er die Fäuste nicht als Deckung benutzte, sondern in der Regel auf Brusthöhe hängen ließ und seinen Gegnern blitzartig auswich. Binnen kurzer Zeit sicherte er sich sämtliche Amateurtitel der USA und errang 1960 durch den Gewinn der Goldmedaille im Halbschwergewicht bei den olympischen Spielen in Rom auch internationale Aufmerksamkeit.

Nach seinem Profidebüt 1960 und 19 Siegen in Serie erkämpfte sich Clay am 25.02.1964 gegen Sonny Liston, der in der siebten Runde verletzungsbedingt aufgab, den WM-Titel. Aus Protest gegen den Vietnam-Krieg trat Clay, der aufgrund seines an Arroganz grenzenden Selbstbewusstseins sowie verbalen Scharmützeln mit Gegnern und Ringrichtern auch als "Großmaul" tituliert wurde, 1965 der militanten Sekte "Black Muslims" bei und nannte sich fortan Muhammad Ali. Da er den Kriegsdienst weiterhin verweigerte, wurde ihm 1967 der WM-Titel zunächst aberkannt, das Urteil drei Jahre später jedoch wieder aufgehoben.

Nach einer dreijährigen Boxpause stieg Ali ab 1970 wieder in den Ring, musste neben diversen Siegen gegen Joe Frazier (1971) und Ken Norton (1973) jedoch auch seine ersten beiden Niederlagen einstecken. Am 30.10.1974 erhielt das Enfant terrible erneut eine WM-Chance und nutzte sie, indem er den bis dato ungeschlagenen Weltmeister George Foreman im als "Rumble in the Jungle" deklarierten Fight überraschend in der achten Runde ausknockte. Nach mehreren erfolgreichen Titelverteidigungen (u.a. der Klassiker "Thrilla in Manila" 1975 gegen Joe Frazier) verlor Ali seinen WM-Gürtel am 15.02.1978 gegen Leon Spinks, den er sich im Rückkampf exakt sieben Monate später wieder zurückholte.

Ali erklärte seinen Rücktritt, kehrte 1980 jedoch noch einmal - gesundheitlich bereits schwer gezeichnet - gegen Larry Holmes in den Ring zurück. Gegen diesen und Trevor Berbick im darauf folgenden Jahr verlor er die beiden letzten Kämpfe seiner Karriere. Kurze Zeit später wurde bei Ali die Parkinson-Krankheit diagnostiziert, an der er seitdem leidet. 1999 wurde er vom Internationalen Olympischen Komitee zum "Sportler des Jahrhunderts" gewählt.

Oliver Altgelt

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